Städtisches Grün macht glücklich und klimafit: Erste Verleihung der „Grünen Holda“

Grün macht glücklich, friedlich, hilft beim Denken, fördert das soziale Miteinander, kühlt. Dr. Elisabeth Oberzaucher, die als Verhaltensbiologin an der Universität Wien forscht und lehrt, bestätigte bei der „Siegerehrung“ des „Spiel ohne Grenzen! Zukunftsgrün“ aus Sicht der Wissenschaft, wovon 13 Gemeinden aus Österreich, Deutschland und der Schweiz schon überzeugt sind. Sie haben den vergangenen drei Jahren im spielerischen Wettbewerb miteinander um die besten Ideen für kommunale Klimaanpassung mit Hilfe von mehr und besserem Grün gerungen.

Die Vorarlberger Mitspieler haben dabei besonders gepunktet: Hohenems erreichte die höchstmögliche Punktzahl 180 und sicherte sich damit den ersten Platz. Mit auf das Siegertreppchen stieg die Gemeinde Rankweil mit 155 Punkten. Platz drei teilen sich Romanshorn (Schweiz, Kanton Thurgau) und Friedrichshafen (Deutschland/Baden-Württemberg) mit jeweils 141 Punkten.

Eine Grope Gruppe von Menschen steht in drei Reihen auf einer Bühne und blickt in die Kamera.
Sie alle haben beim „Spiel ohne Grenzen! Zukunftsgrün“ gewonnen: Vertreter*innen aus den 13 Spielgemeinden (Lauterach fehlt) mit Teammitgliedern des Projekts Zukunftsgrün. Bildquelle: pulswerk

„Wir haben zusammen extrem viel gewonnen – und allen vorweg alle Bürgerinnen und Bürger“, betonte Katrin Löning von der pulswerk GmbH. Ein fünfköpfiges Team des Beratungsunternehmens des Österreichischen Ökologie-Instituts und der Zürcher Hochschule für angewandte Wissenschaften (ZHAW) hatte das Spiel mit viel Fachwissen und Engagement geleitet und die Gemeinden kontinuierlich begleitet.

Ziel war, dass die mitspielenden Gemeinden Klimaanpassung, Klimaschutz und Biodiversität zusammen denken und hierzu konkrete Maßnahmen vor Ort umsetzen. Im Mittelpunkt stand der fachliche und grenzüberschreitende Austausch, das voneinander Lernen über die kommunalen und Ländergrenzen hinweg, aber auch die Förderung des Austauschs zwischen Behörden in den jeweiligen Gemeinden und die Beteiligung der Bürgerinnen und Bürger.

„Das Thema naturbasierte Lösungen für den Klimawandel ist in vielen Städten und Gemeinden angekommen. Ob Schwammstadt, Grünwände oder klimafitte Stadtwälder – es wird viel experimentiert und es werden neue Wege gegangen“, hob Dr. Stephan Brenneisen (ZHAW) bei der Siegerehrung hervor. Eine knapp 60-seitige Broschüre, die zum Spielabschluss die Vielzahl und Vielfalt der umgesetzten Lösungen vorstellt, bescheinigt dies.

Bewertet wurden die Aktivitäten der Gemeinden anhand eines eigens entwickelten 3³-Kriterienkatalogs. Die wissenschaftlich fundierten Kriterien verbanden die drei Handlungsfelder Soziales, Klimawandelanpassung und Biodiversität mit jeweils drei Themen. Im Bereich Klimaanpassung waren dies beispielsweise Boden, Wasser und Luft. Wie die Gemeinden diese Themen bearbeiteten, blieb ihnen selbst überlassen. Entsprechend groß ist die Bandbreite.

Einige Beispiele: Die Marktgemeinde Lauterach sensibilisierte die Bevölkerung mit einem Entsiegelungsworkshop für wasserdurchlässige, grüne Grundstücke (Boden). Memmingen konnte Geschäfte und Gastronomiebetriebe für Gießpatenschaften gewinnen (Wasser). Baindt gestaltete mit Beteiligung von mehr als 250 Bürgern einen neuen, grünen Begegnungsort mit einem offen gelegten Bach und der Anpflanzung von 70 Bäumen (Luft).

Ziel des Spiels war es auch, das Engagement der Gemeinden in der Bürgerschaft und darüber hinaus sichtbar zu machen. Ein virtuelles Spielbrett, die Spielwiese auf der Projektwebseite, erzählt von Projekten, mit denen die Mitspieler Punkte sammeln konnten, um die erste „Grüne Holda“ zu ergattern (https://zukunftsgruenspiel.info/spielwiese).

Info

Anpfiff zur nächsten Spielrunde – Interessierte Kommunen willkommen

Unter dem Motto „Spiel – Satz – Grün!“ können 20 Städte, Gemeinden und kommunale Gemeinschaften vom Projekt profitieren – mit umfangreichen Wissenspaketen von Umsetzung bis Förderung, mit Workshops, Exkursionen und Austauschmöglichkeiten. Sie sind eingeladen, Maßnahmen für mehr Klimaanpassung und Biodiversität zu entwickeln: abgestimmt auf ihre individuellen Möglichkeiten, aber vergleichbar durch gemeinsame Spielregeln und Kriterien – zum Gewinn für Bevölkerung und Natur. Interessierte können sich für weitere Informationen an die Bodensee-Stiftung wenden (Mia Glammeier, mia.glammeier@bodensee-stiftung.org)

„Einem Großteil der Menschen ist bewusst, dass der Klimawandel uns alle fordern wird“, sagte Dieter Egger, Bürgermeister der Gewinnergemeinde Hohenems bei der Preisverleihung. Sein Tipp für die erfolgreiche Umsetzung von Veränderungen: Nicht moralisieren, sondern begeistern. Verbesserungen müssten erlebbar und sichtbar werden. Dann werde deutlich, dass sich „Ökonomie und Ökologie wunderbar ergänzen“. Das Ergebnis: „Mehr Lebensqualität für uns alle.“

Die Dringlichkeit wie auch die Fähigkeiten zu Veränderungen hob Sven Schulz hervor: „Der dramatische Biodiversitätsverlust beschleunigt den Klimawandel. Umgekehrt hilft uns ein Mehr an Biodiversität in der Anpassung an den Klimawandel“, betonte Schulz, Programmleiter bei der Bodensee-Stiftung. Die Organisation mit Sitz in Radolfzell leitet das Interreg-Projekt „Zukunftsgrün“, das neben dem „Spiel ohne Grenzen! Zukunftsgrün“ noch viele weitere Maßnahmen entwickelt und umgesetzt hat, um Klimaanpassung – und -schutz im Siedlungsbereich mittels mehr Biodiversität zu fördern. Die Siegerehrung war gleichzeitig Abschlussveranstaltung des gesamten Projekts.

Die Dringlichkeit wie auch die Fähigkeiten zu Veränderungen hob Sven Schulz hervor: „Der dramatische Biodiversitätsverlust beschleunigt den Klimawandel. Umgekehrt hilft uns ein Mehr an Biodiversität in der Anpassung an den Klimawandel“, betonte Schulz, Programmleiter bei der Bodensee-Stiftung. Die Organisation mit Sitz in Radolfzell leitet das Interreg-Projekt „Zukunftsgrün“, das neben dem „Spiel ohne Grenzen! Zukunftsgrün“ noch viele weitere Maßnahmen entwickelt und umgesetzt hat, um Klimaanpassung – und -schutz im Siedlungsbereich mittels mehr Biodiversität zu fördern. Die Siegerehrung war gleichzeitig Abschlussveranstaltung des gesamten Projekts.

„Zukunftsgrün ist keine Farbe, sondern eine Haltung“, brachte es Magdalena Fink auf den Punkt. Sie bearbeitet in der Abteilung Umwelt- und Klimaschutz im Amt der Vorarlberger Landesregierung das Thema Naturschutz im Siedlungsraum. Konsequent passte sie eine die Region charakterisierende Redewendung den aktuellen Herausforderungen entsprechend an: „Heute heißt es: ‚Schaffe, schaffe, Häusle begrünen“.

Drei Menschen stehen mit dem Rücken vor einer Posterwand und halten Notizen in ihren Händen. Der Mann links spricht in ein Mikrovon, neben ihm rechts stehen zwei Frauen.
Sven Schulz, Programmleiter bei der Bodensee-Stiftung, Katrin Löning, pulswerk gmbH, und Madgadelena Fink, Abteilung Umwelt- und Klimaschutz im Amt der Vorarlberger Landesregierung, begrüßten die Gäste der Siegerehrung im Löwensaal in Hohenems. Bildquelle: pulswerk

Wie das konkret aussehen kann, zeigen die Ergebnisse des Projekts: Fassaden und Dächer lassen sich begrünen, Parkplätze entsiegeln und naturnah gestalten, private Gärten ökologisch aufwerten. Naturbasierte Lösungen sind auf Privatgrundstücken ebenso vielfältig wie auf Firmengeländen und in Gemeinden. Für alle hat das Projekt „Zukunftsgrün“ Impulse gegeben, Orientierungshilfen erarbeitet und Know-how vermittelt. So steht nun mit dem „Quick Check zur Klimawandelanpassung“ Unternehmen ein einfach anwendbares Instrument zur Verfügung, mit dem sie die Vulnerabilität ihres Standortes gegenüber Klimarisiken einschätzen können.

Baubook hat für das gleichnamige Webportal qualitätsgesicherte Ökobilanzdaten für Dachbegrünungsprodukte veröffentlicht. Das Naturerlebniszentrum Allgäu und die Bodensee-Stiftung haben Bürgerinnen und Bürger für die Bedeutung von Stadtbäumen sensibilisiert. Sie haben Ehrenamtliche zu Blühbotschaftern ausgebildet und sie zum Thema Klimawandelanpassung weitergebildet. Das Energieinstitut Vorarlberg hat Hilfestellungen für Immobilienbesitzer rund um die Bauwerksbegrünung erarbeitet – vom kompakten Handout bis zum Kurzvideo.

Daniel Ballmer, als Schweizer Umwelt-Politikwissenschaftler ebenfalls Redner bei der Siegerehrung, hob insbesondere die verbindende Wirkung des Projekts hervor, über Landes- und kommunale Grenzen hinweg – und über den eigenen Gartenzaun hinaus: „Gemeinsam etwas zu bewirken, ist mit das Tollste, was man erleben kann.“ Davon können sich Städte und Gemeinden, die in der ersten Spielrunde noch nicht dabei waren, überzeugen. Die Aufstellung zur zweiten Spielrunde läuft. Interessierte sind schon jetzt zum Training willkommen.

Schweiz: Arbon, Romanshorn

Deutschland: Baienfurt, Baindt, Berg, Friedrichshafen, Lindau, Memmingen, Weingarten

Österreich: Hohenems, Koblach, Lauterach, Rankweil


Das Projekt Zukunftsgrün

Ziel des Projekts Zukunftsgrün ist es, Lösungen für die Zukunftsfähigkeit von Siedlungsräumen zu entwickeln und in die breite Anwendung zu bringen, die Synergien zwischen Klimaschutz, Schutz der biologischen Vielfalt und Anpassung an die Folgen des Klimawandels schaffen.

Projektpartner sind Bodensee-Stiftung (Leitung), BUND Naturschutz Ökostation Schwaben e.V. und Stiftung Liebenau (alle Deutschland), baubook GmbH, Energieinstitut Vorarlberg und pulswerk GmbH (alle Österreich) sowie die Züricher Hochschule für angewandte Wissenschaften (Schweiz).

Das Projekt wird gefördert mit Mitteln des Interreg-Programms Alpenrhein-Bodensee-Hochrhein und dem Land Vorarlberg.

Zielgruppe Bürger*innen:

  • Anlage von sieben klimawandelangepassten und biodiversitätsfreundlichen Pilotflächen am Naturerlebniszentrum Allgäu (eine achte wird noch entstehen) im Rahmen von 16 Mitmachworkshops mit 164 Teilnehmenden, begleitet durch 6 Veranstaltungen (z.B. Vorträge, Saatguttausch etc.) mit 113 Teilnehmenden.
  • Sensibilisierung von 1553 Schüler*innen im Rahmen von Umweltbildungskurzzeitprogrammen zum Thema blühende Landschaft.
  • Durchführung von zwei Blühbotschafter-Lehrgängen mit 44 Teilnehmenden, die 27 neue Blühbotschafter-Projekte angestoßen haben. Weitere Informationen zu den Blühbotschaftern: https://bluehbotschafter.eu/
  • Sensibilisierung von 1553 Schüler*innen im Rahmen von Umweltbildungskurzzeitprogrammen zum Thema blühende Landschaft.
  • Dreimonatige Stadtbaumkampagne im Allgäu mit 25 eingereichten Lieblingsbäumen inklusive individueller Geschichten dazu, 2 Stadtbaum-Spaziergänge in Sonthofen und in Kempten mit insgesamt 75 Teilnehmenden, diverse informative Social Media Posts und Informationspool auf der Website: https://bluehbotschafter.eu/
  • Acht Einzelveranstaltungen (z. B. Fortbildung Wildbienen im Garten, Obstbaumschnittkurs, etc.) mit insgesamt 202 Teilnehmenden

Zielgruppe Unternehmen:

Mit dem Projektpartner Stiftung Liebenau (rund 200 Standorte) hat die Bodensee-Stiftung erarbeitet:

8 Pilotstandorte, für die Maßnahmenpläne erstellt wurden und die Umsetzung erprobt wurde:

  • Hauptstandort der Stiftung:
    • Pflegeumstellung auf 50.000 m² Rasenfläche (keine Düngung mehr, keine Bewässerung, reduzierter Mahdzyklus von 8 auf 5  Mal jährlich)
    • 4500 m² davon wurden zu Wiese bzw. Saum umgewandelt
    • Neubausituation (Haus Raphael und Haus Franziskus) wurde genutzt um artenreiche, vielfältige Lebensräume inkl. Retentionsfläche statt Rasen anzulegen
  • Lehrpfad am Hauptstandort und am Liebenau Berufsbildungswerk zum Thema Klimawandelanpassung und Biodiversität
  • Anlage eines reizarmen und trotzdem biodiversen Ruhegartens im Berufsbildungswerk als Rückzugsort für Menschen im Autismusspektrum
  • Schulungen für Gärtner*innen der Stiftung und externe Gärtner*innen sowie Bauhof-Mitarbeitende zur naturnahen Gestaltung und Pflege

Aus den gesammelten Erfahrungen erfolgte:

Zielgruppe Kommunen:

„Spiel ohne Grenzen! Zukunftsgrün“

Mehr News