„Biodiversität gehört in die Unternehmensstrategie“

Biodiversität ist für Unternehmen kein Randthema mehr, sondern betrifft zentrale Fragen von Zukunftsfähigkeit, Wertschöpfung, Risiko und Reputation. Das machte das Dialogforum 2026 von „Unternehmen Biologische Vielfalt – UBi“ im Allianz Forum Berlin deutlich. Rund 250 Teilnehmende aus Wirtschaft, Politik, Wissenschaft, Finanzwesen und Naturschutz kamen am 17. Juni 2026 zusammen, um zu diskutieren, wie sich Biodiversität konkret in Unternehmensstrategien verankern lässt. Die Veranstaltung fand im Rahmen des im Bundesprogramm Biologische Vielfalt vom BfN mit Mitteln des BMUKN geförderten Projektes „Unternehmen Biologische Vielfalt – UBi“ statt.

Blick von hinten auf das Publikum und die Leinwand in einem Konferenzsaal.
Mehr als 250 Gäste aus Wirtschaft, Wissenschaft und Politik waren in das Allianz Forum in Berlin gekommen. Copyright: Bodensee-Stiftung

Biodiversität als Grundlage wirtschaftlicher Zukunftsfähigkeit

Unter dem Titel „Zukunft sichern – Biodiversität in Unternehmensstrategien“ standen am Vormittag die politischen, wissenschaftlichen und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen im Mittelpunkt. Ein Kurzimpuls zum aktuellen Business and Biodiversity Assessment des Weltbiodiversitätsrats IPBES ordnete ein, welche Erwartungen und Handlungsfelder sich aus wissenschaftlicher Perspektive für Unternehmen ergeben. In der anschließenden Podiumsdiskussion wurde deutlich, dass Unternehmen auf funktionierende Ökosysteme angewiesen sind und zugleich über ihre Geschäftsmodelle, Lieferketten, Produkte und Investitionsentscheidungen erheblichen Einfluss auf die biologische Vielfalt haben.

Eine Gruppe mit vier Frauen und einem Mann stehen vor einem mit Blumen umrankten Schild "Dialogforum 2026"
Das Handlungsfeld „Unternehmen und biologische Vielfalt“ der Bodensee-Stiftung war stark vertreten (von links): Mia Glammeier, Daniela Dietsche, Marion Hammerl und Sven Schulz. Rechts Anja Wischer, Öffentlichkeitsarbeit und Kommunikation. Copyright: Bodensee-Stiftung

Prof. Dr. Katrin Böhning-Gaese, die wissenschaftliche Geschäftsführerin des Helmholtz-Zentrums für Umweltforschung, betonte die Bedeutung der Wirtschaft als Partnerin für den Schutz der biologischen Vielfalt: „Unternehmerinnen und Unternehmer sind klug. Sie denken in die Zukunft. Sie wissen, dass sie in irgendeiner Form von der Natur und den Leistungen der Ökosysteme abhängen. Die Wirtschaft ist für mich deshalb derzeit der beste Koalitionspartner, um die biologische Vielfalt und die Umwelt zu verbessern – gerade in Zeiten geopolitischer und wirtschaftlicher Krisen.“

Auch aus Unternehmensperspektive wurde deutlich, dass Biodiversität eng mit Produktgestaltung, Wertschöpfung und Kreislaufwirtschaft verbunden ist. Lars Baumgürtel, geschäftsführender Gesellschafter der ZINQ GmbH & Co. KG, sagte: „Produkte legen die Auswirkungen von wirtschaftlichem Handeln auf die Biodiversität fest. Der Lebenszyklus eines Produkts umfasst die gesamten Umweltauswirkungen: von der Rohstoffgewinnung und -verarbeitung über die Nutzung bis hin zum Produktlebensende. Alle diese Lebenszyklusphasen haben unmittelbare Auswirkungen auf die Biosphäre und die Biodiversität.“

Von der Strategie in die Umsetzung

Vier Menschen stehen auf einer Bühne und schauen auf eine Leinwand, auf die ein Mann aus der Gruppe deutet.
Sven Schulz (rechts), Leiter des Handlungsfelds Unternehmen und biologische Vielfalt, erläuterte den Gästen Meilensteine, die die Bodensee-Stiftung im Projekt UBi erreicht hat. Copyright: Bodensee-Stiftung

Auch das diesjährige UBi-Dialogforum setzte bewusst auf Austausch und Beteiligung. In Fishbowl, Reflexionsformaten und Fachforen brachten die Teilnehmenden eigene Perspektiven, Fragen und Erfahrungen ein. Ein Praxisimpuls zu UBi zeigte zudem, wie das Projekt in den vergangenen Jahren Unternehmen in Deutschland unterstützt, Wissen gebündelt und den Dialog zwischen Wirtschaft, Wissenschaft, Naturschutz und Politik gestärkt hat.

Am Nachmittag vertieften drei Fachforen zentrale Handlungsfelder für Unternehmen: glaubwürdige Kommunikation im Spannungsfeld von Biodiversität, Verbraucherschutz und Reputation, Standards und Rahmenwerke zur Integration von Biodiversität in Unternehmensprozesse sowie Vernetzung und Bündnisse als Hebel für wirksamen Biodiversitätsschutz.

Im Fachforum Kommunikation wurde deutlich, dass Biodiversitätskommunikation nur dann glaubwürdig ist, wenn sie auf tatsächlichem unternehmerischem Handeln beruht. Timothy Glaz, Leiter Corporate Affairs bei Werner & Mertz, formulierte: „Eine glaubwürdige Unternehmenskommunikation beginnt dort, wo Nachhaltigkeit ein ganzheitliches Element des unternehmerischen Handelns ist. Das unternehmerische Engagement für Biodiversität wird erst dann glaubwürdig, wenn es Teil der Wertschöpfung ist.“

Das Dialogforum von UBi zeigte: Biodiversität wird für Unternehmen dort strategisch relevant, wo Geschäftsmodelle, Produkte, Lieferketten, Standards, Finanzierungsfragen und Kommunikation betroffen sind. Entscheidend ist, dass Unternehmen nicht bei Einzelmaßnahmen stehen bleiben, sondern Biodiversität systematisch in Managemententscheidungen und Kooperationsstrukturen einbeziehen.

Über „Unternehmen Biologische Vielfalt – UBi“

Das Projekt „Unternehmen Biologische Vielfalt – UBi“ hat zum Ziel, die Umsetzung der Nationalen Biodiversitätsstrategie (NBS) zu unterstützen und Unternehmen für das Thema Biodiversität zu aktivieren. Das Projekt wird gefördert im Bundesprogramm Biologische Vielfalt vom Bundesamt für Naturschutz (BfN) mit Mitteln des Bundesministeriums für Umwelt, Klimaschutz, Naturschutz und nukleare Sicherheit (BMUKN). Das UBi-Projekt wird von fünf Projektpartnern durchgeführt: Biodiversity in Good Company, Bodensee-Stiftung, DIHK Service GmbH, Global Nature Fund und Collaborating Centre on Sustainable Consumption and Production (CSCP). Informationen zum Projekt Unternehmen Biologische Vielfalt – UBi stehen online unter https://www.unternehmen-biologische-vielfalt.de/ bereit.

Mehr News