Lazy Gardening: Projekt endet – Beratungsangebot bleibt

Das Projekt endet, Veränderungen auf Grünflächen sind weiterhin sinnvoll: Die Bodensee-Stiftung will deshalb zum Abschluss des Projekts „Lazy Gardening“ nochmals die Radolfzeller*innen – wie auch Gärtner*innen aus anderen Städten und Gemeinden – motivieren, bei der Gestaltung ihrer (Vor-)Gärten faul zu sein und den Rasenmäher seltener einzusetzen: „Gerade dieser heiße Sommer zeigt, dass der klassische Rasen ein Auslaufmodell ist“, sagt Dr. Immanuel Schäfer, Projektleiter bei der Bodensee-Stiftung.

Zusehen ist Saskia Wolf vor ihren Präsentationsfolien.
Referentin Saskia Wolf von der Bodensee-Stiftung gab bei einem Vortrag im März Tipps, wie private Gärten einen Beitrag zur Biodiversität leisten können. Copyright: Bodensee-Stiftung

Die Umweltschutzorganisation mit Sitz in Radolfzell hat im Rahmen eines Bürgerbudget-Projekts über die Vorteile der naturnahen Anlage von Grünflächen zugunsten von mehr biologischer Vielfalt informiert und Hilfestellungen zur Umsetzung vermittelt. „Wir freuen uns sehr, dass das Thema auf offene Ohren gestoßen ist“, resümiert der Projektleiter. So haben zum Beispiel Oberbürgermeister Simon Gröger und Museumsleiter Rüdiger Specht in Kurzvideos für das Mitmachen geworben. Auf großes Interesse war ein Informationsvortrag im März gestoßen, für einen Sensenkurs im Juni gab es weit mehr Interessierte als Plätze. Die Bodensee-Stiftung hält das Informationsangebot deshalb auch weiterhin offen:

Bei Fragen können sich Bürgerinnen und Bürger auch telefonisch an die Bodensee-Stiftung wenden (07732/9995-40).

Das Ziel – mehr biologische Vielfalt in Radolfzeller (Vor-)Gärten – hat vielfältige Effekte: Mehr Stauden und Blumen und damit auch Blüten bieten Insekten und Kleintieren einen gedeckten Tisch und Lebensraum. Insbesondere bis Juni sollte nicht gemäht werden, um Insekten, die im Frühjahr geschlüpft sind, das Überleben zu erleichtern. Sie sind als wertvolle Bestäuber für 80 Prozent der Kulturpflanzen gefragt, und sie sind wichtige Nahrungsquellen beispielsweise für Vögel. Zugleich verbessert längeres Gras die Bodenstruktur: Es beschattet den Boden, reduziert Verdunstung und hilft, Feuchtigkeit zu speichern. „Wie wichtig diese Fähigkeit ist, hat dieser Sommer gezeigt“, hebt Immanuel Schäfer hervor. Ein solcher Boden kann auch nach längerer Dürre Regen besser aufnehmen. Nicht zuletzt spart weniger Mähen Energie, reduziert Lärm und vermeidet Emissionen.

Die Bodensee-Stiftung hatte deshalb die Bürger*innen eingeladen, ihren Rasenmäher in den Urlaub zu schicken und mehr Wildheit im Garten zuzulassen. „Der Anblick mag für das ästhetische Empfinden eine Herausforderung sein“, räumt Agraringenieurin Sabine Sommer ein. Insbesondere, wenn die Umstellung im laufenden Sommer wegen der klimatischen Bedingungen nicht geklappt hat. Aber nach etwas Geduld und einen neuen Versuch im kommenden Jahr mache es Freude, Schmetterlinge und Wildbienen willkommen heißen zu können.

Wer im nächsten Jahr mehr Leben auf seiner Grünfläche haben möchte, kann dafür jetzt schon etwas tun: Bestehende Rasenflächen sollten umgebrochen bzw. gefräst werden, am besten zwei Mal im Abstand von zwei Wochen. „Bis Mitte September kann dann die Ansaat einer heimischen, am besten mehrjährigen, Blühmischung erfolgen“, rät Sabine Sommer. So bleibe noch Vegetationszeit zum Keimen, Anwachsen und Wurzelbilden, damit die Pflanzen gut über den Winter kommen.

Wer bereits über eine artenreiche Fläche verfügt, sollte das Altgras bzw. einen Altgrasstreifen stehen lassen und nun nicht mehr mähen. „Es bietet Unterschlupf für Kleintiere und Insekten. Viele überwintern in Hohlstengeln oder haben Eier dort abgelegt“, betont Sabine Sommer. Für diejenigen, die im Garten Platz haben und noch mehr Vielfalt schaffen wollen, bietet sich im Herbst die Neupflanzung von Gehölzen und Hecken an.

Ein Mann mit Strohhut steht in der rechten BIldhälfte und senst. Eine Gruppe links hinter ihm schaut ihm dabei zu.
Beim Sensenkurs der Bodensee-Stiftung vermittelte Sensenlehrer Michael Roth (mit Sense rechts) viele Tipps zur Technik – zum Beispiel, wie sich ein „Hindernis“ umsensen lässt. Copyright: Bodensee-Stiftung

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