Lebensmittelbranche startet gemeinsamen Fahrplan für mehr Biodiversität
Der Verein Food for Biodiversity e.V. hat seine Roll-out-Strategie zur Umsetzung von Biodiversitätskriterien für den Anbau in gemäßigten Breiten veröffentlicht. Sie definiert erstmals gemeinsame Umsetzungsziele für Unternehmen und Standardorganisationen zur Förderung von Biodiversität in landwirtschaftlichen Lieferketten.
Die Mitglieder von Food for Biodiversity haben einen gemeinsamen Fahrplan für mehr Biodiversität in landwirtschaftlichen Lieferketten beschlossen, die „Strategy for the Roll-out of the Basic Set Temperate Regions for the Promotion of Biodiversity in the Food and Beverage Sector“. Die Roll-out-Strategie soll dazu beitragen, Biodiversitätskriterien stärker in den Anforderungen von Nachhaltigkeitsstandards sowie in den Beschaffungsvorgaben von Lebensmittel unternehmen zu verankern.

Grundlage ist das Basis-Set Biodiversitätskriterien für gemäßigte Breiten, das von Food for Biodiversity gemeinsam mit Lebensmittelunternehmen, Standardorganisationen, Umweltorganisationen und der Wissenschaft entwickelt wurde. Es bündelt zentrale
Anforderungen zum Schutz und zur Förderung der biologischen Vielfalt in der landwirtschaftlichen Produktion. Unternehmen und Standardorganisationen dient das Basis-Set als gemeinsamer Orientierungsrahmen. Die Roll-out-Strategie sowie die Weiterentwicklung des Basis-Sets sind Teil des EU-LIFE-Projekts Fit for Biodiversity.
Alle Mitglieder des Vereins stehen hinter der Strategie. Standardorganisationen und Unternehmen haben eine besondere Rolle: 16 von ihnen haben sich bereits zur Umsetzung der Roll-out-Strategie für gemäßigte Breiten verpflichtet.
„Fünf Jahre nach Vereinsgründung hat Food for Biodiversity in der Lebensmittelbranche Fuß gefasst“, sagt Peter Zens, Vorsitzender von Food for Biodiversity, und ergänzt:
„Mit der Verabschiedung der Roll-out-Strategie zeigen wir einen Weg auf, um Biodiversitätskriterien strukturiert im Beschaffungsprozess von Lebensmittelunternehmen zu berücksichtigen. Unter anderem werden mehr naturnahe Habitate eingerichtet und besser geschützt und landwirtschaftliche Praktiken verbessert. “
Konkrete Ziele für die schrittweise Umsetzung
Die Umsetzung konzentriert sich auf sieben Risikorohstoffgruppen der Landwirtschaft in gemäßigten Breiten: Gemüse, Obst, Weizen, Raps, Zuckerrüben, Milch und Fleisch. Für den schrittweisen Roll-out können Unternehmen zunächst entsprechend ihrer Beschaffungsstrukturen und der Komplexität ihrer Lieferketten priorisieren, mit welchen Rohstoffgruppen sie beginnen.
Bis 2030 sieht die Strategie vor, die Biodiversitätskriterien des Basis-Sets für mindestens zwei der sieben Risikorohstoffgruppen umzusetzen. Als Zielgröße gelten dabei mindestens 85 Prozent des Beschaffungsvolumens der ausgewählten Rohstoffgruppe für Eigenmarkenprodukte. Bis 2040 soll die Anwendung schrittweise auf alle sieben Risikorohstoffgruppen ausgeweitet werden.
Standardorganisationen spielen eine zentrale Rolle bei der Umsetzung.
Standards, die mindestens 70 Prozent der für sie relevanten Kriterien des Basis-Sets abdecken, werden von Food for Biodiversity empfohlen. Unternehmen können diese Standards in ihrer Beschaffung nutzen, um die Anforderungen des Basis-Sets zu erfüllen und damit die Roll
out-Strategie umzusetzen. Innerhalb von fünf Jahren soll die Übereinstimmung der Standards mit dem Basis-Set auf mindestens 90 Prozent steigen.
Eine regelmäßige Berichterstattung dokumentiert die Umsetzung der Roll-out-Strategie durch die Lebensmittelunternehmen und die Standardorganisationen. Die Unternehmen legen dar, welche Rohstoffgruppen sie bei der Umsetzung priorisieren, inwieweit sie das Ziel einer 85-prozentigen Abdeckung erreicht haben und durch welche Maßnahmen. Standardorganisationen dokumentieren, welche Anpassungen sie an ihren Kriterien vorgenommen haben, um die Anforderungen des Basis-Sets zu berücksichtigen.
Über Food for Biodiversity
Food for Biodiversity wurde 2021 gegründet. Seitdem setzt sich der Verein dafür ein, die biologische Vielfalt zu schützen und zur Transformation der Ernährungssysteme hin zu nachhaltigen und zukunftsfähigen Systemen beizutragen. Food for Biodiversity gehören
aktuell 36 Mitglieder aus verschiedenen Bereichen des Lebensmittelsektors an: Unternehmen der Lebensmittelbranche, Umweltverbände, Standardorganisationen und wissenschaftliche Organisationen.
Über Fit for Biodiversity – das Projekt
Das EU-LIFE-Projekt Fit for Biodiversity – Biodiversity Governance and Performance in the Food Sector hat sich zum Ziel gesetzt, die Biodiversitätsleistung im Lebensmittelsektor zu verbessern und wirksame Strategien zum Schutz von Ökosystemen zu entwickeln. Fit
for Biodiversity unterstützt Unternehmen der Agrar- und Ernährungswirtschaft dabei, Biodiversitätsrisiken zu erkennen, wirksame Maßnahmen umzusetzen und Biodiversität systematisch in Unternehmens- und Lieferkettenstrategien zu integrieren.
Das Projekt wird kofinanziert durch das LIFE-Programm der Europäischen Union, die Deutsche Bundesstiftung Umwelt (DBU), das Ministerium für Ernährung, Ländlichen Raum und Verbraucherschutz Baden-Württemberg, die Rentenbank, die Postcode Lotterie sowie die Premiumpartner Nestlé Deutschland, EDEKA und Lidl.

















































