Moorschutz: Bodensee-stiftung bringt mit Filmabend Akteur*innen zusammen

Blick auf eine Bühne, auf der fünf Menschen vor einem Roll-up und einer Beachflag sitzen. Auf dem Roll-Up steht Bodensee-Stiftung, auf der Beachflag Promoor.
Sie unterhielten sich nach dem Film über Allianzen im Moorschutz und beantworteten Fragen aus dem Publikum (von links): Anja Wischer (Bodensee-Stiftung), Moritz Ott (LEV Ravensburg), Dr. Eike Messow (Sto Gruppe), Volker Kromrey und Luisa Gedon (Bodensee-Stiftung). Copyright: Bodensee-Stiftung

Sie werden künftig vermutlich auf die Moorflächen in ihrer Heimat mit anderen Augen schauen: Die zahlreichen Gäste der Filmvorführung „Wie geht Natur!?“ und eines anschließenden Publikumsgesprächs erfuhren viel über Moore als wertvollen Lebensraum, als Kraftpakete im Klimaschutz und als Anbaufläche von Paludi-Kulturen (Pflanzen, die auf nassen Böden gedeihen).

Die Bodensee-Stiftung hatte in Kooperation mit dem Kulturzentrum „Gems“ in Singen zu der Veranstaltung eingeladen. Gezeigt wurde mit „Wie geht Natur?!“ ein Dokumentarfilm über das eindrucksvolle Leben und Wirken von Michael Succow als eine Ikone der Umweltbewegung und international anerkannter Moorexperte.

Die Filmvorführung hatte zwei Anlässe: zum einen den 85. Geburtstag der Ikone der Umweltbewegung, zum anderen das Herzensthema von Michael Succow – den Moorschutz. Denn: Moorschutz ist auch der Bodensee-Stiftung ein großes Anliegen: Im Projekt PROmoor arbeitet die Organisation als Umsetzungsagentur des Landes daran, Wege für die Wiedervernässung trockengelegter Moorflächen im Raum Bodensee/westlicher Hegau aufzuweisen. Wie? Das erläuterten Projektmanagerin Luisa Gedon und Volker Kromrey, Geschäftsführer der Bodensee-Stiftung, vor dem interessierten Publikum in einer anschließenden Podiumsdiskussion.

Gefragt nach den Auswirkungen für die Landwirtschaft erklärten sie, dass sie gemeinsam mit den Landwirt*innen im persönlichen Austausch nach individuellen Lösungen suchen. Neben Beweidung, Moor-PV oder extensiver Grünlandbewirtschaftung sei auch der Anbau von Paludi-Kulturen eine Option. Dass die Wirtschaft an ebendiesen Paludibiomassen Interesse hat, zeigte Dr. Eike Messow auf, Leiter Nachhaltigkeit der international tätigen Sto Gruppe. Sto ist Gründungsmitglied der Initiative „toMOORrow“, der Allianz der Pioniere – einem Verbund von Unternehmen, die die Verarbeitung von Paludibiomasse vorantreiben wollen. Für Sto sei eine Verarbeitung beispielsweise in Dämmstoffverbundsystemen vorstellbar, erläuterte Messow. „Wir sollten aber noch viel weiter denken, die Vielfalt möglicher Produkte ist groß“, fügte er an.

Blick durch das Publikum hindurch auf die Bühne. Rechts im Bild ist ein Mann aus dem Publikum zu sehen, der ein Mikrofon hält.
Auch Fragen aus dem Publikum wurden beantwortet. Copyright: Bodensee-Stiftung

Dass der Artenschutz dabei nicht auf der Strecke bleiben dürfe, mahnte Moritz Ott. Der stellvertretende Geschäftsführer des Landschaftserhaltungsverbands Ravensburg setzt sich unter anderem seit 2020 aktiv mit einem stetig wachsenden Team an Unterstützer*innen für den Erhalt des Moorfroschs in Süddeutschland ein. Mit Erfolg: Inzwischen wird eine wachsende Population verzeichnet (mehr unter www.moorfrosch.info)

Wie relevant das Thema für die Region ist, hatte Moderatorin Anja Wischer zu Beginn der Veranstaltung deutlich gemacht: Allein die entwässerten Moorböden im Landkreis Konstanz verursachen jährlich rund 78.000 Tonnen CO₂-Äquivalente. Entsprechend groß ist der Handlungsdruck. Baden-Württemberg hat sich ambitionierte Ziele gesetzt: 4.200 Hektar sollen bis 2030 wiedervernässt werden, langfristig die gesamte Moorfläche des Landes (45.000 Hektar).

Ob diese Ziele erreichbar sind, wurde auf dem Podium unterschiedlich bewertet. Einig waren sich jedoch alle Beteiligten in einem Punkt: Moorschutz ist dringend – und er braucht breite Allianzen sowie öffentliche Investitionen. Oder, wie es Volker Kromrey auf den Punkt brachte: „Wenn wir nichts tun, werden wir alle zahlen. Also können wir es auch jetzt zahlen.“ Mit Applaus stimmte ihm das Publikum zu.

Info

ProMoor: Gemeinsam Lösungen entwickeln

Im Projekt PROmoor identifiziert, initiiert und koordiniert die Bodensee-Stiftung die Wiedervernässung trockengelegter Moorflächen in der westlichen Bodenseeregion. Ziel des Projekts ist es, gemeinsam mit den Betroffenen standortangepasste Lösungen zu entwickeln, bei denen ökologische Anforderungen und wirtschaftliche Interessen bestmöglich miteinander vereinbart werden.

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