Verliebt ins Moor: Kinoabend mit Diskussion über Moore in der Bodenseeregion

„Wir schützen, was wir lieben. Wir lieben, was wir kennen – also müssen wir Moore besser kennenlernen, um sie zu schützen.“ Diese Botschaft des Kinofilms „Mission to Marsh“ war auch der Grund, warum die Bodensee-Stiftung zu einem Kinoabend mit anschließendem Gespräch eingeladen hat. Denn über Moore wissen viele Menschen nur wenig. Das gilt für ihre Bedeutung als wertvoller Lebensraum ebenso wie für die Leistungen, die sie kostenlos für uns alle erbringen: als Superhelden der Kohlenstoffspeicherung im Klimaschutz und als Verbündete bei der Anpassung an den Klimawandel.

In „Mission to Marsh“ spielen Moore von Kanada bis Feuerland die Hauptrolle, festgehalten in beeindruckenden Bildern. In dem auch sehr persönlichen Roadmovie nehmen die Moorforscherin Ann Christin Kornelsen und der Filmemacher Alexander Kornelsen das Publikum mit zu Mooren auf dem amerikanischen Kontinent, zu politischen Entscheidungsträger*innen, Wissenschaftler*innen und engagierten Bürger*innen. Und sie zeigen augenzwinkernd, wie man Mooren leidenschaftlich verfallen kann.

Von den Sumpflandschaften und Mangrovenwäldern auf der Leinwand führte die anschließende Diskussion zu den Mooren im Landkreis Konstanz und im Bodenseeraum. Auf dem Podium saßen drei Gäste: Ann Christin Kornelsen ist Gründerin und wissenschaftliche Leiterin der Mission to Marsh gGmbH und forscht am Institut für Geographie der Universität Osnabrück zu Mooren. Luisa Gedon arbeitet bei der Bodensee-Stiftung unter anderem im Projekt PROMoor. Christoph Schulz ist Geschäftsführer der Stiftung Naturschutz Pfrunger-Burgweiler Ried, bei der auch die Moor-Kompetenz-Vernetzungsstelle „Klima Chance Moore“ angesiedelt ist. Sie vermittelten anschaulich weitere Informationen zu Entsteheung, Erhaltung und Wiederherstellung von Mooren und lenkten den Blick auf die Moore in Deutschland und in der Bodenseeregion.

Eine Beachflag mit der Aufschrift PROmoor steht an der Eingangstür zu einem Kinosaal.
Copyright: Bodensee-Stiftung

Rund 95 Prozent der Moore in Deutschland sind trockengelegt und als Moore kaum noch zu erkennen. Das gilt auch für den Landkreis Konstanz, wo die Moorflächen insgesamt 2.818 Hektar umfassen. Nach Angaben der Landesanstalt für Umwelt Baden-Württemberg stoßen sie wegen der Trockenlegung jedes Jahr 78.000 Tonnen CO2-Äquivalente aus. Entsprechend groß sind die Bemühungen um Wiedervernässung: Bis 2040 sollen die gesamten 45.000 Hektar Moorfläche in Baden-Württemberg wiedervernässt sein. Christoph Schulz und Luisa Gedon erläuterten, warum die Umsetzung herausfordernd ist: Flächeneigentümer*innen, Bewirtschafter*innen und Bürger*innen müssen dafür zu grundlegenden Veränderungen bereit sein.

Ann Christin Kornelsen forscht zur landwirtschaftlichen Nutzung wiedervernässter Moorböden. Sie zeigte, wie Bäuerinnen und Bauern auch nach einer Wiedervernässung Einnahmen erzielen können, etwa mit Paludikulturen, also Pflanzen, die auf nassen Böden gedeihen. Die Umstellung erfordere allerdings große Veränderungsbereitschaft. Luisa Gedon von der Bodensee-Stiftung warnte, dass betroffene Landwirtinnen und Eigentümerinnen nicht zu den Leidtragenden der Transformation werden dürften. Sie betonte: „Klimaschutz durch Moor-Wiedervernässungen ist eine Gesellschaftsaufgabe für das Gemeinwohl – und das muss auch finanziell honoriert werden.“

Christoph Schulz war 16 Jahre lang Bürgermeister von Ostrach, einer Anliegergemeinde des Pfrunger-Burgweiler Rieds. Aus eigener Erfahrung berichtete er, welche Bedenken und Sorgen Bürgerinnen bei einer Wiedervernässung haben. Er schilderte auch, wie die Kommunalpolitik, die alle Bürgerinnen vertreten muss, in diesem Spannungsfeld Kompromisse finden und für Ausgleich sorgen kann.

Blick in einen Kinosaal. Vorne sitzen rechts ein Mann und eine Frau, links steht eine Frau mit Mikrofon. Auf der Leinwand ist das Gesicht einer Frau zu sehen.
Im Gespräch auf dem Podium: Ann Christin Kornelsen (auf der Leinwand), Christoph Schulz und Luisa Gedon. Moderation links: Anja Wischer. Copyright: Bodensee-Stiftung

Einig waren sich alle: Es braucht mehr Gelegenheiten, Moore zu „daten“, um sie schätzen zu lernen und zu schützen. Solche Gelegenheiten bieten die Mission to Marsh gGmbH, das Naturschutzzentrum Wilhelmsdorf im Pfrunger-Burgweiler Ried und die Bodensee-Stiftung. Es lohnt sich, regelmäßig in die Veranstaltungskalender der drei Organisationen zu schauen.

Moore bedecken nur etwa drei Prozent der Landfläche der Erde, speichern aber rund doppelt so viel Kohlenstoff wie alle Wälder zusammen. Intakte Moore können außerdem vor Dürre und Hochwasser schützen und fördern die biologische Vielfalt.

In trockengelegten Mooren (in Deutschland rund 95 Prozent) kommt der über Jahrtausende gespeicherte Kohlenstoff mit Sauerstoff in Kontakt und wird als Kohlendioxid (CO2) freigesetzt.

Weitere Informationen zur Arbeit der Bodensee-Stiftung für die Moor-Wiedervernässung im westlichen Bodenseegebiet:

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