Gerechte Klimaanpassung braucht viele Akteure
Ein Beteiligungsworkshop im Rahmen des Projekts JustREACH bringt Vertreter*innen aus Sozialwesen, Verwaltung und Kultur aus dem Landkreis Konstanz an einen Tisch.
Die Hitzewelle im Juni ist noch nicht lange her. Doch die steigenden Temperaturen sind nur eine Folge des Klimawandels. Weitere Extremereignisse wie Starkregen und Hagel werden uns in Zukunft öfter beschäftigen. Dabei sind manche Bevölkerungsgruppen besonders verletzlich. Wer zu wenig Geld beispielsweise für eine Klimaanlage oder einen Umbau hat, wer alt oder krank ist, und wer keinen Garten hat, dem bleiben viele Anpassungsmöglichkeiten verschlossen.
Wie kann Klimawandelanpassung sozial gerecht gestaltet werden? Diese Frage steht im Zentrum des EU-Horizon-Projekts JustREACH, in dem die Bodensee-Stiftung mit dem Landkreis Konstanz eine Pilotregion betreut. Im Rahmen des Projekts fand der erste Beteiligungsworkshop im Mehrgenerationenhaus in Radolfzell statt. Im Zentrum stand der Austausch und eine multiperspektivische Bestandsaufnahme zum Thema Anpassung an den Klimawandel im Landkreis Konstanz.
In Kleingruppen wurden sogenannte „rich pictures“ erstellt, um Folgen des Klimawandels, betroffene Gruppen und bekannte Maßnahmen zu benennen und grafisch festzuhalten. Die Teilnehmenden zählten unter anderem Kinder, Kranke, Senior*innen, aber auch Landwirt*innen und freischaffende Künstler*innenzu den betroffenen Gruppen. Im Maßnahmenbereich führten sie neben Instrumenten wie Entsiegelung, Baumpflanzungen und technischen Lösungen auch gemeinschaftliche kühle Orte als Option auf.
In einem weiteren Schritt konnten Barrieren, welche die erfolgreiche Anpassung erschweren, zusammengestellt und sortiert werden. Die Gruppenarbeiten zeigten, dass sich die Sichtweisen der Akteure häufig überschneiden und doch an einzelnen Stellen deutliche Unterschiede bestehen, zum Beispiel bei der Wahrnehmung der Hemmnisse und die Schwierigkeit, diese zu überwinden. Gleichzeitig zeigte sich auch hier über die Gruppen hinweg, dass die Diskrepanz zwischen Wissen und Tun noch oft ein großes Hindernis darstellt.

Diversität der Teilnehmenden bereichert Workshop
Der gesamte Workshop wurde begleitet von regen Gesprächen zwischen den Teilnehmer*innen. Dabei war der Mix der Akteure eine Bereicherung für die Diskussionen. „Die vielfältigen Sichtweisen im Bereich Klimaanpassung wahrzunehmen und in die komplexe Thematik einzubetten, ist eine große Herausforderung. Gleichzeitig ist genau das aber von zentraler Bedeutung, um auch ein aktives Umdenken in der breiten Gesellschaft zu erreichen. Der Workshop hat hier einen Grundstein gelegt, um im Landkreis zukünftige Herausforderungen mit einer breiten, sozial gerechten Basis angehen zu können“, kommentiert Antje Reich, Projektleiterin bei der Bodensee-Stiftung, den Workshop. Die Teilnehmenden brachten Erfahrungen aus dem persönlichen Alltag, aber auch aus verschiedenen Fachbereichen ein, darunter Klimamanager*innen von Kommunen und Vertreter*innen des Amts für Kinder, Jugend und Familien des Landkreises. Vertreten waren ebenso Naturschutzorganisationen, Sozialdienste, Stadtwerke, Seniorenrat und Kulturinstitutionen.
Die Veranstaltung wurde abgerundet mit einer Vorstellung von „SocialLearningVideos“. Diese Kurzfilme werden im Rahmen des Projekts im Landkreis entstehen. Sie zeigen, wie Anpassung an den Klimawandel erfolgreich gelingen kann, indem Hindernisse überwunden werden und verschiedene Akteure ein gemeinsames Ziel verfolgen. Aufgrund ihres Formats können die Videos Menschen erreichen, die sich bisher wenig mit der Thematik auseinandersetzen.
Der Workshop war der erste von einer Veranstaltungsreihe. Der nächste Workshop folgt im Frühjahr 2027, baut auf den bisherigen Erkenntnissen auf und ebnet der Weg hin zu Umsetzungspfaden für konkrete Maßnahmen. Alle Workshops werden von der Bodensee-Stiftung in enger Zusammenarbeit mit der Forschungsgesellschaft Joanneum Research in Graz und der Universität Bern durchgeführt.


















































