Biodiversitätsförderung: Veranstaltung bringt Perspektiven von Landwirtschaft und Lebensmittelsektor zusammen
Die Bodensee-Stiftung bereichert die Konferenz “Fit for Biodiversity – Solutions for the Agri-Food Sector” in Brüssel mit einem Workshop zur Umsetzung von Anreizprogrammen.
Viele Lebensmittelunternehmen haben sich Biodiversitätsziele gesetzt. Erreichen lassen sie sich aber nur gemeinsam mit den landwirtschaftlichen Betrieben, die sie beliefern. Anreizprogramme können dabei eine wichtige Rolle spielen, wenn sie gut gestaltet sind. Darum ging es in der Breakout Session „Investing in Business Resilience Through Incentive Schemes“, die die Bodensee-Stiftung im Rahmen der Konferenz „Fit for Biodiversity – Solutions for the Agri-Food-Sector“ in Brüssel angeboten hat. Im Zentrum stand der von der Bodensee-Stiftung erarbeitete Leitfaden „Wie Unternehmen in Resilienz investerien“.
Leitfaden: 15 Entscheidungsfelder im Überblick
Bianca Meßmer und Mia Glammeier führten in die Nutzung des Leitfadens ein. Er behandelt 15 zentrale Entscheidungsfelder bei der Gestaltung von Anreizprogrammen. Für jede Option zeigt er die Folgen: für den Aufwand im Unternehmen, für die Akzeptanz bei Lieferant*innen und für die Wirkung auf die Biodiversität (mehr )
Praxisbeispiel: Foqus Planet von FrieslandCampina
Wie ein solches Programm in großem Maßstab funktioniert, zeigte Dr. Sanne Dekker von FrieslandCampina. Das Programm Foqus Planet ist im Leitfaden als Best-Practice-Beispiel aufgeführt. Es koppelt Prämien für seine über 15.000 Mitgliedsbetriebe an messbare, KPI-basierte Ergebnisse. Grundlage für die Bewertung ist der RegAg-Score. Er umfasst die vier Wirkungsbereiche Klima, Wasser, Biodiversität und Bodengesundheit und leitet Schwellenwerte und Ziele aus den planetaren Grenzen ab.


Rollenspiel: Die Perspektive bestimmt das Design
Im interaktiven Teil entwarfen vier Gruppen ein Biodiversitäts-Anreizprogramm für ein fiktives Lebensmittelunternehmen mit 120 Getreidebetrieben in vier EU-Ländern. Zwei Gruppen übernahmen die Rolle des Unternehmens, zwei die der Landwirt*innen. Grundlage waren fünf Entscheidungsfelder aus dem Leitfaden.
Das auffälligste Ergebnis: Gruppen mit derselben Rolle kamen unabhängig voneinander zu sehr ähnlichen Programmen. „Die Perspektive prägte das Design also stärker als die Zusammensetzung der einzelnen Gruppe“, resümiert Bianca Meßmer.
- Maßnahmen: Alle vier Gruppen setzten auf einen Maßnahmenkatalog mit Wahloptionen, weil er Orientierung und Flexibilität verbindet.
- Planungssicherheit: Den Landwirt*innen war sie besonders wichtig. Sie wünschten sich Laufzeiten von 5 bis 10 Jahren und Zahlungen pro Hektar, ausdrücklich auch für nicht-produktive Flächen. Dazu kombinierten sie ergebnisbezogene Zahlungen, die motivieren, mit wiederkehrenden Zahlungen, die finanzielle Stabilität geben.
- Einstiegshürden: Die Landwirt*innen suchten einen Mittelweg. Die Unternehmen setzten auf Mindestpunktzahl, Nachweise und Dokumentation, angetrieben von der Nachhaltigkeitsberichterstattung (CSRD) und den neuen EU-Regeln für Umweltaussagen (EmpCo).
- Risiken: Die Landwirt*innen wollten Flexibilität, etwa bei Extremwetter. Die Unternehmen forderten Strenge bei der Umsetzung, waren aber bei den Ergebnissen zu Flexibilität bereit. Darin liegt ein möglicher Kompromiss.
- Freiwillig oder verpflichtend? Bei dieser Frage waren sich nicht einmal die Gruppen mit derselben Rolle einig. Eine Unternehmensgruppe wollte die Teilnahme nur für die großen Lieferanten verpflichtend machen, von denen das Unternehmen abhängt.
Angebot an Unternehmen
Mit zehn Unternehmen entwickelt die Bodensee-Stiftung in den kommenden drei bis sechs Monaten ein eigenes Programmkonzept. Interessierte Unternehmen wenden sich an andreas.ziermann@bodensee-stiftung.org


















































