Mehr Leben in der Stadt dank “Lazy Gardening”

Das Projekt sensibilisiert die Öffentlichkeit für die Bedeutung von biologischer Vielfalt und gibt Handreichungen und Praxistipps, wie jede*r leicht auf den eigenen Grünflächen biologische Vielfalt fördern kann.

Bürger*innen von Radolfzell lassen sich vom Projekt inspirieren und mähen ihre Grünfläche (teilweise) später oder gar nicht. Sie nutzen das Informationsangebot und tauschen sich auf Einladung der Bodensee-Stiftung miteinander aus.

Relevanz

Biologische Vielfalt sichert Ökosystemleistungen wie Filterung und Speicherung von Wasser, Bestäubung, Erhalt von Bodenfruchtbarkeit und natürliche Schädlingskontrolle. Nicht zuletzt trägt sie zum menschlichen Wohlbefinden bei. Aber: In Deutschland ist ein Drittel der Arten gefährdet, etwa drei Prozent sind laut Faktencheck Artenvielfalt bereits ausgestorben. Der Biodiversitätsverlust hat massive Auswirkungen auf unsere Zukunft. Wissen über die Gefahren wie auch die Möglichkeiten gegenzusteuern, ist aber in der Bevölkerung noch nicht stark verbreitet.

Umsetzung

„Lazy Gardening“ lädt alle Radolfzeller*innen sehr niederschwellig dazu ein, Biodiversität vor der eigenen Haustüre zu fördern, indem sie Grünflächen im Mai gar nicht – und später versetzt mähen. Die Bodensee-Stiftung unterstützt die „faulen Gärtner*innen“ von Februar bis in den Herbst mit Informationen und Veranstaltungen, bringt sie z.B. bei gegenseitigen Gartenbesuchen oder einem Sensenkurs miteinander in den Austausch und lädt zu citizen science ein, so dass auch Bürger*innen, die keine eigene Grünfläche haben, Insekten auf öffentlichen Grünflächen per App dokumentieren können.

Das Projekt bringt Bürger*innen verschiedener Generationen wie auch aus Kernstadt und Ortsteilen zusammen, unterstützt die Klimawandelanpassung von Radolfzell und fördert die Identifikation mit der Kommune als Umwelthauptstadt. Das Projekt lehnt sich an die Kampagne „no mow may“ an, baut sie aber aus, indem die Bodensee-Stiftung die Gärtner*innen auch über den Mai hinaus umfassend über die Bedeutung von Ökosystemleistungen wie auch das Handling von Grünflächen informiert und fachlich begleitet.

„Mehr Leben in der Stadt dank ‚lazy gardening‘“ ist ein Gewinnerprojekt des Bürgerbudgets 2025 der Stadt Radolfzell.

Spätsommer – Vorbereitungen für das nächste Gartenjahr

Wer im nächsten Jahr mehr Leben auf seiner Grünfläche haben möchte, kann dafür jetzt schon etwas tun: Bestehende Rasenflächen sollten umgebrochen bzw. gefräst werden, am besten zwei Mal im Abstand von zwei Wochen. Bis Mitte September kann dann die Ansaat einer heimischen, am besten mehrjährigen, Blühmischung erfolgen. So bleibt noch Vegetationszeit zum Keimen, Anwachsen und Wurzelbilden, damit die Pflanzen gut über den Winter kommen.
Wer bereits über eine artenreiche Fläche verfügt, sollte das Altgras bzw. einen Altgrasstreifen stehen lassen und nun nicht mehr mähen. Es bietet Unterschlupf für Kleintiere und Insekten. Viele überwintern in Hohlstengeln oder haben Eier dort abgelegt.
Für diejenigen, die im Garten Platz haben und noch mehr Vielfalt schaffen wollen, bietet sich im Herbst die Neupflanzung von Gehölzen und Hecken an.

Sommer: Nun ist wieder „Lazy Gardening“ angesagt

Überlassen Sie die Fläche sich selbst und freuen Sie sich daran, welches Leben auf ihr entsteht. Wir hoffen mit Ihnen auf Regen!

Juni: Wenn Sie möchten, mähen Sie jetzt

Jetzt „dürfen“ Sie mähen, im Idealfall zur Margaritenvollblüte. Aber: Wer der Empfehlung gefolgt ist, bisher nicht zu mähen, hat Mühe, die Flächen nun mit gewöhnlichen Rasenmähern zu bearbeiten. Deshalb lädt die Bodensee-Stiftung am Samstag, 13. Juni, von 8 bis 12 Uhr zu einem Sensenkurs ein (Teilnahme kostenlos, Anmeldung und weitere Informationen per Mail bei Gertrud Nußbaum). Denn: „Die ideale Weise, den Garten zu mähen, ist die mit schlagenden statt schneidenden Mähwerkzeugen“, erläutert Projektleiter Dr. Immanuel Schäfer. So werden Pflanzen abgeschnitten statt gerissen. Das bietet die größte Überlebenschance für Insekten.

Wohin mit dem Mähgut?
Hier finden Sie die aktuellen Termine der Grünschnittabfuhr in Rdolfzell: https://www.radolfzell.de/abfallentsorgung
Hier finden Sie Informationen zur Grünschnittannahme am Wertstoffhof Radolfzell: https://www.radolfzell.de/adresse/Wertstoffhof-Radolfzell-address5017

Mai: Aktuelle Pflegetipps für Ihren Garten

Jetzt ist Zeit zum Faulenzen! Nehmen Sie sich ein gutes Buch, treffen Sie sich mit Ihren Freund*innen – tun Sie, wofür Sie schon lange keine Zeit mehr hatten. Sie – und Ihr Rasenmäher – haben nun Urlaub! Wir freuen uns, wenn Sie uns wissen lassen, womit Sie die „leere“ Zeit gefüllt haben (anja.wischer@bodensee-stiftung.org).

April: Aktuelle Pflegetipps für Ihren Garten

Haben Sie sich für einen (Teil-)Umbruch Ihres Rasens entschieden, um eine Blühfläche anzusäen, stehen folgende Aktivitäten an:

  • Entfernen des Grassodens (ausgestochene Grasnarbe) à Komposthaufen, Grünabfall/Wertstoffhof, Braune Tonne
  • Anschließend Auflockerung und Einebnung der Fläche

Benötigte Gerätschaften: Spaten, Harke, Rechen, Schubkarre

Die in den kommenden Wochen auflaufenden Pflanzen werden vor der Aussaat nochmals untergeharkt, um die starke Konkurrenz der Gräser gegenüber den Blühpflanzen zu reduzieren.

Für die Aussaat der Blühmischung empfiehlt es sich, das Saatgut mit normalem Sand aufzumischen, um eine bessere Verteilung zu erreichen. Wichtig: Drücken Sie das Saatgut leicht an, damit ein guter Kontakt von Samen und Boden entsteht. Je nach Fläche mit der Hand anklopfen oder ein ausgebreiteter Karton auslegen und darauf treten. Sollte es sich um eine größere Fläche handeln, kann diese in kleinere Abschnitte eingeteilt werden und portionsweise gesät werden.

Jetzt ist auch die Zeit, heimische Stauden wie Margeriten, Flockenblume, Färberkamille zu pflanzen. Achten Sie dabei auf die Standortgegebenheiten. Eine gute Übersicht bietet folgende Auflistung des BUNDs.  Vergessen Sie nicht, gut anzugießen.

Ist Ihr Rasen im April schon üppig gewachsen, können Sie nun schon einen ersten Schnitt (Schnitthöhe 8-10 cm) durchführen, um dann die nächsten Wochen den Rasenmäher stehen zu lassen. Wichtig: Tragen Sie das Mähgut ab, um die Nährstoffzufuhr zugunsten von aufkommenden Kräutern zu reduzieren. Lassen Sie einen Rasenstreifen ungemäht, damit nicht alle Blühpflanzen wie der Löwenzahn auf einmal verschwinden und weiterhin Nahrung für die Insekten bereitsteht.

März: Was gibt es jetzt im Garten zu tun?

Für die faulen Gärtner*innen: nichts

Ein Mann steht auf einer Wiese und gräbt mit einem Spaten eine Fläche um.
Copyright: Bodensee-Stiftung

Für die faulen Gärtner*innen, die ihren Garten langfristig naturnah umgestalten wollen: Wenn Sie zum Beispiel ein Stück Rasen naturnah entwickeln lassen möchten, können Sie diese Fläche nun umbrechen. Entfernen Sie die Grasnarbe und lassen Sie Wurzeln und Gräser austrocknen. Das geht händisch (siehe links) oder (einfacher!) mit einer Gartenfräse. Evtl. müssen Sie den Arbeitsgang nach zwei, drei Wochen nochmals wiederholen.

Wir geben zu: So eine brache Fläche sieht erstmal nicht besonders schön aus. Aber Sie können stolz auf Ihre Arbeit sein! Wir wissen, wovon wir sprechen: Wir haben eine Fläche auf der Mettnau entsprechend bearbeitet (siehe Foto).

 

 

 

Logo Lazy Gardening
  • HANDLUNGSFELD
    Natur- & Gewässerschutz
  • PROJEKTGEBIET
    Radolfzell am Bodensee
  • LAUFZEIT
    09.2025 – 08.2026
  • ZIELGRUPPEN
    Radolfzeller Bürger*innen

Ansprechperson

Dr. Immanuel Schäfer Projektleiter

"Jede noch so kleine Grünfläche hat eine Wirkung: Es macht einen Unterschied, ob kurzer fettgrüner Rasen den Vorgarten prägt oder Gräser mit Gänseblümchen, Klee oder Margeriten.“

Gertrud Nußbaum, Projektmitarbeiterin

Projektförderer

  • Stadt Radolfzell

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