Morgens noch Plastikeimer, nachmittags Stuhl
Wertvoller Stoff: Die Bodensee-Stiftung hat Mitarbeiter*innen des Verpackungsherstellers Amcor zum Recyceln von Plastik eingeladen und sie über die Vermeidung von Mikroplastik informiert.
Mikroplastik findet sich überall, egal, ob am Südpol oder in menschlichen Arterien. Im Projekt „Clean Lakes, Clean Future“ sensibilisiert die Bodensee-Stiftung für dieses Problem, gibt Tipps zur Vermeidung und arbeitet vor allem daran, den Eintrag von Mikroplastik in Gewässer zu reduzieren. Seit drei Jahren unterstützt das Schweizer Werk Goldach des Verpackungsherstellers Amcor das Projekt finanziell und ideell.

Nachdem sich bereits mehr als 200 Mitarbeitende an einem informativen Online-Quiz der Bodensee-Stiftung zum Thema beteiligt hatten, bot die Bodensee-Stiftung im Rahmen eines Volunteer Days einen Aktionstag rund um Mikroplastik an. 16 Amcor-Mitarbeiter*innen aus verschiedenen Werksabteilungen – von Forschung & Entwicklung über Controlling bis zum Justiziariat – nahmen teil. Im Open Innovation Lab der Hochschule Konstanz – Technik, Wirtschaft und Gestaltung (HTWG) konnten sie selbst „kontrolliert“ Mikroplastik produzieren – und verarbeiten.
Gertrud Nußbaum, die sich schon als Mitarbeiterin des LIFE-Projekts Blue Lakes viel Wissen rund um Mikroplastik erworben hatte, führte in das Thema ein und richtete den Blick insbesondere auf die Schweiz: Dort liegt die Recyclingquote deutlich unter dem europäischen Durchschnitt.
Laborleiter Tobias Erb erläuterte anschließend, warum grundsätzlich mehr Recycling möglich wäre und welche Herausforderungen etwa Verbundstoffe oder schwarz eingefärbtes Plastik mit sich bringen. Dann legten die Teilnehmenden selbst Hand an. Möglich machte das eine Werkstatt-Infrastruktur, die Studierende der HTWG während der Corona-Zeit aufgebaut haben: Sie gründeten eine Ortsgruppe der internationalen Bewegung „Precious Plastic“ und bauten in den hochschuleigenen Werkstätten die nötigen Maschinen. Heute stehen mehrere Zerkleinerer und eine Sheetpresse bereit. Rohmaterial liefern unter anderem ausrangierte Plastikeimer aus den Mensen der beiden Konstanzer Hochschulen.
Überraschende Erkenntnisse





Erste Aufgabe der Amcor-Mitarbeiter*innen war es, die Etiketten von den Eimern zu entfernen bzw. die Eimer auszusortieren, von denen sich die Etiketten nicht lösen lassen. Ein Aha-Moment für viele: Allein durch die Wahl des Etiketten-Klebers entscheiden Hersteller bereits mit über die Recyclingfähigkeit ihrer Produkte. Weitere Erkenntnisse ergaben sich im Tun – und sichtlich Freude am eigenen Produkt:
Am Ende des Tages hatten die Teilnehmenden mehr als 20 Kilogramm Plastikeimer geschreddert. Die entstandenen, rund 2 Millimeter großen Kunststoffpartikel wurden in einer Heißluftpresse zu einer Platte verschmolzen, aus der anschließend die Bauteile für einen Stuhl gefräst wurden.
Zwei fertige Stühle nahmen die Mitarbeiter*innen mit nach Goldach. Sie erinnern weiterhin daran: Plastik ist zu wertvoll, um es wegzuwerfen.



















































