Pilotprojekt: Erste Süßwasserdelfine werden im Bodensee ausgesetzt

Der größte See Deutschlands wird zum Testhabitat für die beliebten Zahnwale – Perspektivisch ist eine Ansiedlung in weiteren alpinen Binnengewässern angestrebt.

Drei Delfine springen für hügeligem Hintergrund aus dem Bodensee.
Dank KI-Gemini ist eine Simulation der Delfine im Bodensee möglich. Erste Auswasserungen zeigten, dass sich die Tiere hier wohlfühlen – leider war kein*e Fotograf*in zugegen.

Süßwasser- bzw. Flussdelfinarten leben in Südamerika in den Seitenarmen des Amazonas und im asiatischen Raum. Hier wie dort ist ihr Lebensraum massiv bedroht. Die Bodensee-Stiftung ist über ihre Arbeit im internationalen Seen-Netzwerk Living Lakes immer wieder indirekt mit dem tragischen Schicksal der Tiere konfrontiert. Im Rahmen eines internationalen Modellprojekts setzt die Umweltschutzorganisation heute mehrere speziell trainierte Süßwasserdelfine im Bodensee aus. „Wir konnten dem Aussterben nicht tatenlos zusehen“, erläutert Volker Kromrey, Leiter des Handlungsfelds Natur- und Gewässerschutz. Ziel des Projekts sei es, neue Erkenntnisse zur Anpassungsfähigkeit der Säuger an alpine Binnengewässer zu gewinnen.

Wie die Projektleitung mitteilt, wurden die Tiere über mehrere Monate auf ihren Einsatz vorbereitet. „Die Delfine wurden zuvor in einem Trainingsbecken mit Original-Bodenseewasser schrittweise umgewöhnt“, heißt es aus dem das Projekt begleitenden Forschungsteam, „mit der sogenannten alpin-aquatischen Adaptionsstrategie“. So habe man Temperatur, Mineralgehalt und Strömungsverhältnisse realitätsnah simuliert.

Daniela Dietsche, Biologin bei der Bodensee-Stiftung, bringt die ersten Projekterkenntnisse auf den Punkt: „Süßwasserdelfine passen sich überraschend flexibel an alpine Seenlandschaften an.“ Und auch die See-Anwohner*innen zeigen sich flexibel: Bei ersten Testwasserungen der Tiere waren die Reaktionen freudig überrascht: Die Augenzeugen berichteten von „ungewöhnlich eleganten Sprüngen“ in den frühen Morgenstunden.

KI übersetzt Delfinlaute ins Schwäbische

Für besondere Aufmerksamkeit wird vermutlich zudem ein technisches Begleitprojekt sorgen, das dem nebenberuflichen Engagement von Sven Schulz, Leiter des Handlungsfelds Unternehmen und biologische Vielfalt, zu verdanken ist. Der technologieoffene Umweltschützer hat ein KI-gestütztes Übersetzungsprogramm entwickelt, das Delfinlaute in alle am Bodenseeufer gesprochene Sprachen (z.B. Schwäbisch, Badisch und Alemannisch) überträgt.
„Die Software analysiert Klick- und Pfeifgeräusche der Tiere und gibt diese anschließend in Echtzeit in regionaltypischer Sprachmelodie wider“, erläutert Sven Schulz. Ziel sei es, „die interspezifische Kommunikation zwischen Mensch und Delfin im Bodenseeraum nachhaltig zu fördern“, so der Entwickler.

Ein Fischbrötchen für den guten Zweck

Im Rahmen des Projekts wird zudem ein innovatives Patenschaftsmodell erprobt: Unterstützer*innen können symbolisch ein „Fischbrötchen-Abo“ abschließen. Mit jedem Abo wird ein bestimmter Delfin mit seiner bevorzugten Fischmischung „virtuell“ versorgt. Die Pat*innen erhalten regelmäßig Updates über das Fressverhalten ihres Schützlings. Wer eine Premium-Patenschaft übernimmt, bekommt als Dank ein exklusives „Delfin-Fischbrötchen-Zertifikat“, das aus recyclingfähigem Algenpapier besteht. Darauf ist dokumentiert, wie viele „symbolische Fischbrötchen“ zur Ernährung des eigenen Paten-Delfins beigetragen haben.

Einladung zur Radolfzeller Mole zum Aussetzen der Tiere

Vier Delfinköpfe recken sich aus dem Bodensee einem Boot mit Fotografen entgegen. Ein Fotograf blickt mit erstaunter Mimik in die Kamera.
Wenn heute um 17 Uhr die Delfine ausgesetzt werden, erwartet die Bodensee-Stiftung großes Medien-Interesse. Mancher Fotograf wird erstaunt sein – wie die KI Gemini voraussieht.

Anrainerkommunen beteiligen sich mit großem Engagement am Projekt und prüfen bereits mögliche „Delfin-Sichtungszonen“, um Badegäste und Wassersportler*innen nicht zu beeinträchtigen. Umweltverbände aus Deutschland, Österreich und der Schweiz, kündigten an, das Projekt aufmerksam zu begleiten.
Offiziell soll es sich zunächst um eine zweijährige Testphase handeln. „Sollten sich die Tiere dauerhaft wohlfühlen, erwägen wir, auch Pinguine im Überlinger See anzusiedeln“, so das Projektteam. Weitere Details wollen die Verantwortlichen morgen nach dem ersten April bekanntgeben. Heute aber sind Delfinfreund*innen anlässlich des Aussetzens der ersten Tiere um 17 Uhr auf ein virtuelles Fischbrötchen an der Radolfzeller Mole willkommen.