Das Projekt „Lazy Gardening“ hat zur ersten Informationsveranstaltung eingeladen. Referentin Saskia Wolf von der Bodensee-Stiftung vermittelte den Teilnehmenden ihr umfangreiches Wissen darüber, wie sich Biodiversität direkt im privaten (Vor-) Garten fördern lässt.

Warum sind heimische Pflanzen so wichtig? Welches Potenzial für mehr Biodiversität steckt in privaten Gärten? Und welchen Beitrag kann hier jede und jeder Einzelne für mehr biologische Vielfalt leisten? Diese und viele weitere Fragen standen im Mittelpunkt der Informationsveranstaltung „Mehr Vielfalt im Garten – durch Nichtstun“. Sie fand im Rahmen des Projekts „Lazy Gardening“ statt, dass die Radolfzeller*innen für die Förderung durch das Bürgerbudget der Stadt ausgewählt haben. Rund 20 Teilnehmende nutzten die Gelegenheit, ihr Wissen zu erweitern oder sich erste Grundlagen anzueignen, wie auch eigene kleine (Vor-)Gärten einen großen Beitrag zur Förderung der Biodiversität leisten können.
Artenvielfalt nimmt nachweislich ab
Insekten erbringen einen volkswirtschaftlichen Nutzen von ca. 3,8 Milliarden Euro pro Jahr – dabei sind 28% aller bewerteten Arten vom Aussterben bedroht. Referentin Saskia Wolf erläuterte, dass unter anderem auch Privatgärten Verantwortung tragen, wenn es um den fortschreitenden Verlust der biologischen Vielfalt geht. Denn auch im unmittelbaren Wohnumfeld nimmt die Artenvielfalt nachweislich ab. Gründe dafür sind unter anderem die zunehmende Versiegelung von Flächen und die Verwendung von nicht-heimischen und invasiven Arten. „In Gärten schlummert großes Potenzial. Ihre wichtigste Aufgabe ist womöglich die ökologische Vernetzung, indem sie als kleine Biotope die Lücken zwischen größeren Naturräumen schließen und Pflanzen wie Tieren Wege und Rückzugsorte bieten“, betont Saskia Wolf.
Genau hier setzt das Projekt „Lazy Gardening“ an: Die Bürger*innen von Radolfzell werden dazu eingeladen, im Mai (und im Idealfall schon davor) auf das Rasenmähen zu verzichten und die Flächen anschließend räumlich und zeitlich versetzt zu mähen, um so Nahrungs- und Lebensraum zu schaffen.
Verschiedene Möglichkeiten, um mitzumachen
Hintergrund ist die aus England stammende Kampagne No Mow May („Mähe nicht im Mai“), deren Geschichte Dr. Immanuel Schäfer, Programmleiter bei der Bodensee-Stiftung, vorstellte. Er gab zudem Einblicke, wie das Projekt „Lazy Gardening“ diese Idee weiterentwickelt und welche unterschiedlichen Möglichkeiten es gibt, daran teilzunehmen. Nämlich: Auch Bürger*innen ohne eigenen Garten können sich beteiligen – etwa über die App iNaturalist. Mit ihr lassen sich Pflanzen und Tiere dokumentieren und so Daten zur Artenvielfalt in Radolfzell sammeln. Im Mettnaupark legt die Bodensee-Stiftung zudem eine Referenzfläche an: Ein Teil wird mit einer Blühmischung eingesät, während ein anderer Bereich nach dem Prinzip „Lass es wachsen“ gepflegt wird.
Das können die „faulen Gärtner*innen“ tun: Je nach persönlicher „Faulheitsstufe“ können sie abwägen: Wer es am faulsten mag, mäht erst nach dem Mai; wer eine moderate Variante wählt, pausiert nur im Mai; und wer gleichzeitig den größtmöglichen Nutzen für die Biodiversität erzielen möchte, kombiniert zeitversetztes Mähen mit längeren Schnitthöhen – so entstehen Blumeninseln, die den Garten bunt und ökologisch wertvoll machen. „Unsere Empfehlung: Die Mischung aus zeitversetztem Mähen und längeren Schnitthöhen, bei der der Mai komplett mähfrei bleibt. So entsteht ein guter Kompromiss zwischen „faul sein“ und maximalem Nutzen für die Natur – gleichzeitig muss die Fläche insgesamt nur zwei- bis dreimal pro Jahr gemäht werden“, erläutert Dr. Immanuel Schäfer
Weitere Informationen auf der Projektwebseite von Lazy Gardening und auf dem Instagram-Kanal von Lazy Gardening.