Wildbienen-Projekt am Bodensee erhält den European Bee Award

Europaweite Auszeichnung für die Bodensee-Stiftung und ihre Projektpartner – Langjähriges Engagement der Obstbauern beeindruckt die Fachjury – Preis­verleihung im EU-Parlament in Brüssel

Das PRO PLANET Apfelprojekt am Bodensee ist am vergangenen Dienstagabend in Brüssel mit dem European Bee Award ausgezeichnet worden. Im Rahmen einer feierlichen Zere­monie im EU-Parlament konnten die Projektpartner Bodensee-Stiftung, Obst vom Bodensee Vertriebsgesellschaft, REWE Group und der Kreisimkerverein Tettnang-Friedrichshafen den European Bee Award in der Kategorie „Land Management Practices“ entgegennehmen. Der Preis wird seit 2014 von der European Landowners‘ Organization (ELO) für besonders innovative und vorbildliche Projekte zum Schutz von Bienen, anderen Insekten und der Biodiversität verliehen. 2019 hatten sich dafür 36 Projekte beworben. Die Auswahl der ins­gesamt drei Preisträger traf eine europäisch zusammengesetzte Jury mit Vertreter*innen aus Wissenschaft, Politik, Zivilgesellschaft und Wirtschaft.

Die Freude über die Auszeichnung war groß bei den Projektpartnern. Patrick Trötschler von der Bodensee-Stiftung, der das Projekt naturschutzfachlich begleitet, nahm den Preis stell­vertretend für die Projektpartner entgegen. In seinen Dankesworten betonte er den europa­weiten Vorbildcharakter des Gemeinschaftsprojekts: „Unser Apfelprojekt macht deutlich, dass eine Trendwende beim Insektenschwund machbar und möglich ist. Ich wünsche mir, dass künftig viele Land­wirte in Europa dem Vorbild der Obstbauern am Bodensee folgen und sich gemeinsam mit dem Naturschutz für mehr Vielfalt in der Landschaft einsetzen. Dauerhaft ist dieser Erfolg aber nur, wenn es uns gemeinsam mit dem Handelspartner ge­lingt, den Naturschutz-Mehrwert, der in den Äpfeln steckt, auch den Kunden zu vermitteln und dafür einen besseren Preis für die Bauern zu erzielen.“ Darüber hinaus bedankte sich Patrick Trötschler für die langjährige und vertrauensvolle Zusammenarbeit mit den Obstbau­partnern am Bodensee: „Nur das große und dauerhafte Engagement seitens der Obst­baubetriebe und der Obstbauberater*innen macht solche Erfolge beim Wildbienen­schutz in der Bodensee­region möglich.“ Das Preisgeld in Höhe von 4.000,- Euro werden die Projekt­partner in konkrete Maßnahmen zum Schutz von Wildbienen in der Bodenseeregion investieren.

Die Jury war vor allem von der langjährigen Zusammenarbeit von Landwirtschaft, Lebens­mittelhandel und Naturschutz beeindruckt, die zu nachweisbar großen Erfolgen beim Wildbienen-Schutz in der Bodenseeregion geführt hat. Zudem hoben die Jurymitglieder die Pionierleistung des Bodensee-Projekts hervor, das zum Vorbild von mittlerweile 13 weiteren Obstbauregionen in Deutschland und Österreich wurde.

Obstbauern am Bodensee engagieren sich seit 10 Jahren erfolgreich für Wildbienen

Bereits im Jahr 2010 haben Obst vom Bodensee Vertriebsgesellschaft mbH, Bodensee-Stiftung, REWE Group und Imker ein gemeinsames Projekt zum Schutz von Wildbienen und weiteren blütenbesuchenden Insekten gestartet. Das regelmäßig durchgeführte Wildbienen-Monitoring zeigt inzwischen, wie wirkungsvoll die von den Obstbauern in der Bodensee­region durch­geführten Maßnahmen zur Verbesserung der Lebensbedingungen für Wild­bienen sind.

So konnten bei der letzten Wildbienen-Erfassung im Jahr 2017 in den Anbauflächen und an Blühflächen-Einsaaten und Nisthilfen insgesamt 117 Wildbienen-Arten nachgewiesen werden. Darunter befanden sich auch 25 Arten, die landesweit als bedroht bzw. als nicht ungefährdet (Vorwarnliste) eingestuft sind, darunter auch die landesweit stark gefährdete Schwarzblaue Sandbiene. Die 2017 durchgeführte Erfolgskontrolle macht deutlich, dass auch intensiv genutzte Nieder­stamm-Obstanlagen Lebensraum für eine große Anzahl von Wildbienen sein können. Voraussetzung dafür ist, dass zusätzliche Blühflächen und Nisthilfen für die so wichtigen Bestäuberinsekten dauerhaft bereitgestellt werden.

Für die Förderung der Wildbienen setzen sich die Obstbauern in der Bodenseeregion seit 2010 mit viel Engagement ein. Mittlerweile machen jedes Jahr mehr als 120 Betriebe mit. 2018 erreichten die Landwirte mit der Aussaat von weiteren 66 Hektar ein- und mehrjähriger Blühflächen einen neuen Rekord. Die Gesamtbilanz des Engagements der Bodensee-Obstbauern seit Projektbeginn ist beeindruckend. Über 310 Hektar Blühflächen, rund 9.000 Gehölzpflanzen (Hecken, Bäume und Sträucher) sowie über 650 Insekten-Nisthilfen, 1.740 Vogelkästen und 120 Fledermauskästen bereichern seitdem die Obstbauregion.

„Wir gratulieren allen Obstbauern zum European Bee Award. Unsere Obstbauern engagieren sich seit Jahren für die Schaffung und den Erhalt von Lebensräumen von Bienen, anderen Insekten und Vögeln. Die Artenvielfalt bereichert unsere Region und ihre Förderung sorgt dafür, dass unser Lebensraum noch wertvoller wird. Naturschutz und Landwirtschaft können sich ergänzen; das zeigt dieses Projekt sehr deutlich. Jeder Obstbauer hat die nachhaltige Wirtschaftsweise bereits in seiner DNA verankert, weil er über Jahrzehnte hochwertige Lebensmittel auf seinen Flächen produzieren will. Die Obstbauern brauchen keine fachlich falschen Regularien seitens der Politik. Der gezielte Dialog mit den unterschiedlichen Interessenvertretern reicht aus. Ich würde mir wünschen, dass die Leistung der Landwirtschaft in der Öffentlichkeit deutlich besser dargestellt wird, so Johannes von Eerde, Geschäftsführer der Obst vom Bodensee Vertriebsgesellschaft mbH.

Der Projektpartner REWE Group belohnt das Naturschutz-Engagement der Bodensee-Obstbauern mit dem Nachhaltigkeitslabel PRO PLANET und macht es so auch für die Kunden sichtbar. „Unser Apfel-Projekt zeigt, dass der Dialog und die praktische Zusammenarbeit zwischen Naturschützern und Landwirten einen wertvollen Mehrwert für die Natur, die Anbauregion und alle Beteiligten liefern. Den European Bee Award begreifen wir als internationale Anerkennung für unser langjähriges gemeinsames Engagement entlang der Wertschöpfungskette“, so Dr. Florian Schäfer, Nachhaltigkeit Ware REWE Group.

Ziel des PRO PLANET Apfel-Projektes ist es, durch eine gute Zusammenarbeit von Landwirtschaft und Naturschutz die biologische Vielfalt auf und im direkten Umfeld von Apfelplantagen zu erhöhen. Der kontinuierliche fachliche Austausch von Naturschützern, Wissenschaftlern, Landwirten und Lieferanten ist einer der wesentlichen Erfolgsfaktoren. Gestartet wurde das Projekt 2010 am Bodensee. Mittlerweile sind in dem Gemeinschaftsprojekt von REWE Group, Bodensee-Stiftung, BirdLife Österreich und dem Naturschutzbund Deutsch­land e.V. (NABU) 13 Obstanbau-Regionen mit über 250 Erzeugern im Projekt vertreten, so dass alle deutschen Apfellieferanten der REWE Group sich im Projekt engagieren. Dies führt dazu, dass die REWE- und PENNY-Märkte innerhalb der deutschen Apfelsaison überwiegend mit Eigenmarken-Äpfeln aus dem Projekt beliefert werden können.

 

Für Presse-Rückfragen:

Bodensee-Stiftung
Patrick Trötschler
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