Für Lebensmittelbranche: Leitfaden stellt Anreizsysteme zur Stärkung von Biodiversität vor
Die Publikation der Bodensee-Stiftung dient als Entscheidungshilfe bei der Entwicklung von privatwirtschaftlichen Programmen zugunsten einer stabilen landwirtschaftlichen Erzeugung.
Die Lebensmittelbranche ist von funktionierenden Ökosystemleistungen abhängig. Gleichzeitig werden landwirtschaftliche Betriebe für Maßnahmen zum Erhalt und zur Förderung der Biodiversität und damit ebendieser Ökosystemleistungen bislang häufig nicht ausreichend vergütet. Der praxisorientierte Ratgeber „Wie Unternehmen in Resilienz investieren – Leitfaden zu wirksamen Anreizsystemen zur Verbesserung der Biodiversität in Lebensmittelsystemen“ zeigt, wie Abnehmer- und Verarbeitungsbetriebe gezielt Anreizsysteme für landwirtschaftliche Betriebe gestalten können, um ökologische Leistungen zu honorieren und langfristig stabile Produktions- und Lieferstrukturen zu sichern. Die Bodensee-Stiftung hat die Publikation im Rahmen des EU LIFE-Projekts „Fit for Biodiversity“ erarbeitet.
Angesichts von Klimawandel, Preisschwankungen und steigender Produktionskosten gewinnen biodiversitätsorientierte Bewirtschaftungskonzepte zunehmend an Relevanz. Insbesondere für Unternehmen der Lebensmittelindustrie spielen biologische Vielfalt und intakte Ökosysteme eine zentrale Rolle für stabile landwirtschaftliche Erträge und damit für wirtschaftliche Resilienz. Durch gezielte Programme können sie ihre Lieferanten dabei unterstützen, entsprechende Maßnahmen umzusetzen und dauerhaft zu etablieren. Unternehmen tragen so zum Schutz der eigenen langfristigen Rohstoffbasis wie auch zum Erreichen nationaler und internationaler Ziele zur Förderung von Biodiversität bei (z.B. Nationale Strategie zur Biologischen Vielfalt 2030).
15 Entscheidungsfelder für maßgeschneiderte Lösungen
Der Leitfaden bietet erstmals eine strukturierte Übersicht über die unterschiedlichen Formate solcher Anreizsysteme – von finanzieller bis zu fachlicher Unterstützung. Im Zentrum stehen 15 zentrale Entscheidungsfelder, die bei der Konzeption von Anreizsystemen berücksichtigt werden sollten. Dazu zählen unter anderem Finanzierungsmodelle, Teilnahmebedingungen, Auswahl der Betriebe, Monitoring sowie interne und externe Kommunikation. Für jedes dieser Felder werden unterschiedliche Ausgestaltungsdimensionen vorgestellt und diese hinsichtlich ihrer Wirkung bewertet – in Bezug auf die erwartete Akzeptanz bei Lieferanten, den Beitrag zur Biodiversität sowie finanzielle und organisatorische Auswirkungen. Grundlage sind europaweite Recherchen der Bodensee-Stiftung sowie Interviews mit Unternehmen, die bereits entsprechende Programme entwickelt und implementiert haben. Neben einer systematischen Einordnung enthält die Publikation konkrete Best-Practice-Beispiele und beleuchtet deren Chancen und Herausforderungen.
Kostenloser Download der Publikation
Die Publikation steht kostenlos zum Download zur Verfügung – auf Deutsch und Englisch, eine spanische Version folgt in Kürze.
Anreizsysteme als Schlüssel für nachhaltige Lieferketten
„Anreizsysteme sind ein wichtiger Hebel, um die Biodiversität in landwirtschaftlichen Lieferketten voranzubringen“, betont Bianca Meßmer, Projektmanagerin bei der Bodensee-Stiftung, und ergänzt: „Sie verbinden Umweltmaßnahmen mit wirtschaftlichen Anreizen und schaffen so einen praktikablen Weg für landwirtschaftliche Betriebe, nachhaltige Maßnahmen umzusetzen und dauerhaft beizubehalten, die Ökosystemleistungen wie Bodengesundheit und Bestäubung fördern.“ Gleichzeitig böten solche Systeme Unternehmen ein strukturiertes Instrument, um Biodiversität in ihre Beschaffungsstrategien zu integrieren, Beziehungen zu Lieferanten zu stärken und die Resilienz von Lieferketten zu verbessern. Andreas Ziermann, ebenfalls Bodensee-Stiftung, betont: „Der Leitfaden soll Zielkonflikte sichtbar machen und fundierte Entscheidungen bereits in einer frühen Phase der Programmgestaltung unterstützen. Die Beispiele sind als Anregung gedacht, um Reflexion und interne Diskussion zu fördern – nicht, um einen einzigen ‚besten‘ Ansatz vorzuschreiben.“ Die Leitlinie richtet sich zum Beispiel an Lebensmittelhersteller, Supermarktketten, Molkereien, Verarbeiter von Getreide, Obst und Gemüse, die Biodiversitätsinitiativen in ihren Lieferketten entwickeln oder weiterentwickeln möchten.
Interessierte Unternehmen können sich zum vertieften Austausch an die Bodensee-Stiftung wenden:
Online-Workshop zur Vorstellung des Leitfadens am 10. Juni 2026
Im Rahmen der EU Green Week unter dem Titel „In die Natur investieren: ein Gewinn für Mensch und Wirtschaft“ wird die Bodensee-Stiftung am 10. Juni 2026 den Leitfaden in zwei je 45-minütigen Workshops vorstellen und mit den Teilnehmenden diskutieren:
10 bis 10:45 Uhr (englisch) – Anmeldung und weitere Informationen
14 bis 14:45 Uhr (deutsch) – Anmeldung und weitere Informationen



















































