Singener Flower-Kids machen Schulgarten zur Heimat von Schmetterlingen und Wildbienen

Ein Junge sägt ein Holzstab. Hinter ihm steht ein anderer Schüler.
Die Schüler Aiden (links) und Ali-Noah (rechts) der Garten-AG der Beethovenschule sägen Bambusstäbe zu. Die hohlen Bambusröhrchen bieten den Insekten einen natürlichen Platz, um ihre Eier abzulegen. Copyright: Bodensee-Stiftung

Im Werkraum der Beethovenschule sägen Aiden und Ali-Noah Bambusstangen zu gleich langen Stäben. Draußen führen Ajna und Nina stolz an den Hochbeeten im Schulgarten vorbei: „Hier haben wir Zwiebeln, Kürbis, Zucchini und Zuckererbsen, dort am Zaun Johannisbeeren und Brombeeren“, zählen die beiden Mädchen auf. Die Nachwuchs-Gärtnerinnen wissen: Damit zum Beispiel die Zucchini, die Beerenstauden und auch der Kirschbaum im Schulgarten Früchte tragen, brauchen sie kleine Helfer bei der Befruchtung: bestäubende Insekten. Ihre Leistung, ihren bevorzugten Lebensraum und ihre Bedürfnisse, damit sie ihren wertvollen Dienst leisten können – all das haben die Kinder der Garten-AG der Beethovenschule in diesem Schuljahr gelernt. Unter der Anleitung von Saskia Wolf, Mitarbeiterin der Bodensee-Stiftung, und der Lehrerin Julia Kolb haben sie selbst Hand angelegt, um für die Insekten einen attraktiven Lebensraum zu schaffen.

Saskia Wolf leitet das Projekt „Flower-Kids“ der Bodensee-Stiftung. Dahinter steht die Idee, dass Kinder durch direkte Naturerfahrung eine Sensibilität für Naturschutz entwickeln. Das Besondere: Die Schüler*innen haben die Voraussetzungen für ein gutes Insektenleben nicht theoretisch im Klassenzimmer gelernt, sondern im eigenen Tun geschaffen. „Wenn Kinder etwas selbstständig erkunden und Zusammenhänge entdecken, verankern sich die Erkenntnisse in ihrem Bewusstsein“, weiß die Expertin für Nachhaltigkeitsbildung. „Auf dem Nachhauseweg sehe ich immer Blumen. Da schaue ich nun genauer hin“, erzählt Ali-Noah wie zur Bestätigung. Im letzten Schuljahr seien sie ihm zwar schon aufgefallen, aber jetzt interessiere er sich dafür, ob Bienen oder Schmetterlinge auf den Blüten Halt machen.

Die Schüler*innen stehen vor ihrem Insektenhotel. Rechts im Bild steht Saskia Wolf von der Bodensee-Stiftung.
Schüler*innen der Singener Beethovenschule haben in der Garten-AG die Leistungen bestäubender Insekten kennengelernt. Unter der Leitung von Saskia Wolf (rechts) von der Bodensee-Stiftung und Lehrerin Julia Kolb (dritte von links) haben sie im Schulgarten Insektenhotel und Blühstreifen angelegt. Copyright: Bodensee-Stiftung

Gemeinsam mit Lehrerin Julia Kolb hat Saskia Wolf für das halbjährige Projekt die Themen Vielfalt und bestäubende Insekten gewählt, da diese, abgesehen von der Honigbiene, in der Bevölkerung noch häufig ungeachtet bleiben. Von Februar bis Juli haben sich die elf Schüler*innen der dritten und vierten Klasse, die sich für die Garten-AG in der Nachmittagsbetreuung entschieden haben, deren enorme Bedeutung für die Natur und die Lebensmittelproduktion kennengelernt. Dabei war Saskia Wolf wichtig, dass die Kinder selbst sehen, hören, fühlen und erforschen konnten, um Fragen beantworten zu können wie „Welche Farben und Formen gibt es bei Blüten? Welche Insekten fliegen wohin? Welche Unterschiede entdecken wir auf einer Fläche?“ Entdeckungsspiele, Basteln und selbst im Garten Werkeln waren dabei Lehrmethoden.
Und auch das Sägen gehörte dazu. Mit den hohlen Bambusröhrchen bieten die Schüler*innen den Insekten einen natürlichen Platz, um ihre Eier abzulegen. Den „Rohbau“ des Hotels hat die Volksbank Singen der Beethovenschule gespendet. Im Rahmen des Projekts haben die Flower Kids für die Innenausstattung gesorgt – und sich bereits über die ersten Gäste im Hotel gefreut.

„Da, schau, die Kohlweißlinge sind oft da“, sagt Nina und deutet auf den Blühstreifen am Schulzaun. Hier haben die Kinder selbst Saatgut von heimischen Wildkräutern ausgesät und Stauden eingepflanzt. „Die Samen haben wir davor gut mit Sand gemischt, dann war das gleichmäßige Säen leichter“, erzählt Ajna. „Bevor die Kinder loslegen konnten, hat die Stadt Singen von der Fläche die Grasnarbe entfernt. Dafür sind wir sehr dankbar“, sagt Lehrerin Julia Kolb. Sie selbst engagiert sich auch außerhalb des Unterrichts und sorgt mit abendlichem Gießen für das Insektenparadies. Zufrieden blickt ihre Schülerin Ajna nun auf den Garten und sagt: „Das ist ein sehr schöner Platz, finde ich.“

Informationen für interessierte Bildungsträger oder Kinder- und Jugendeinrichtungen: Auch im nächsten (Schul-) Jahr können Kinder im Alter zwischen acht und 13 Jahren zu „Flower Kids“ ausgebildet werden. Interessierte Bildungsträger oder Kinder- und Jugendeinrichtungen, die Interesse an dem Programm haben, können sich mit Saskia Wolf (saskia.wolf@bodensee-stiftung.org) in Verbindung setzen.

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