Rollentausch bei Moor-Workshop

49. Bodensee-Naturschutztage in Radolfzell: Die Bodensee-Stiftung hat die Chancen von Moor-Wiedervernässungen vorgestellt.

Eine Gruppe von Männern und Frauen sitzen um einen quadratischen Tisch. Sie diskutieren und machen Notizen auf einem Papier, mit dem der Tisch bespannt ist. Luisa Gedon steht hinter dem Tisch und verfolgt die Diskussion.
Rege Diskussion: Die Teilnehmer*innen des Workshops versetzten sich in die Rolle von (Lokal-)Politik, Landwirtschaft und Naturschutz. Copyright: Bodensee-Stiftung

Moore vernässen und die landwirtschaftliche Nutzung erhalten – warum ist das wichtig und wie geht das? Mit diesen Fragen beschäftigten sich rund 30 Teilnehmende beim Workshop der 49. Bodensee-Naturschutztage, zu dem die Bodensee-Stiftung eingeladen hatte.

Im Rahmen eines Rollentauschs versetzten sich die Teilnehmenden in die Perspektiven verschiedener Akteursgruppen und diskutierten deren Erwartungen an die Nutzung von Moorflächen. Dabei wurde deutlich, wie unterschiedlich die Interessen sein können:
• Lokalpolitik, Behörden und Öffentlichkeit erwarten etwa Beiträge zur Naherholung oder zur Trinkwassersicherheit.
• Landwirt*innen benötigen tragfähige Einkommensperspektiven, etwa durch Bewirtschaftung oder Förderprogramme.
• Der Naturschutz verfolgt Ziele wie den Erhalt seltener Arten und die Nutzung der Moorflächen zur Umweltbildung.

Zuhören als Schlüssel zum Erfolg

Die Ergebnisse zeigen: Die Erwartungen sind nicht immer deckungsgleich. Umso wichtiger sei es, miteinander ins Gespräch zu kommen. „Zuhören und die Bedürfnisse der Menschen ernst nehmen, um gemeinsam Kompromisse zu erzielen“, betonte Projektmanagerin Luisa Gedon, die den Workshop leitete.

ProMoor: Gemeinsam Lösungen entwickeln

Unter dem Motto ProMoor identifiziert, initiiert und koordiniert die Bodensee-Stiftung die Wiedervernässung trockengelegter Moorflächen in der westlichen Bodenseeregion. Ziel des Projekts ist es, gemeinsam mit den Betroffenen standortangepasste Lösungen zu entwickeln, bei denen ökologische Anforderungen und wirtschaftliche Interessen bestmöglich miteinander vereinbart werden.
Welche konkreten Lösungsansätze möglich sind, erläutert Luisa Gedon auch in einem Interview, das der Deutschlandfunk bei den Naturschutztagen zum Thema Wiederherstellungsverordnung geführt hat (ab Minute 4:12).

Warum Wiedervernässung so wichtig ist

Moore sind wertvolle Ökosysteme:

  • Sie bieten spezialisierten Tier- und Pflanzenarten einen Lebensraum.
  • Sie speichern und filtern Wasser.
  • Sie leisten einen entscheidenden Beitrag zum Klimaschutz. Intakte Moorböden binden pro Hektar etwa achtmal mehr Kohlenstoff als Wälder (weltweiter Durchschnitt) und wirken damit als natürliche Kohlenstoffsenken. Entwässerte Moore hingegen setzen große Mengen CO₂ frei.
Luisa Gedon steht als Referentin vor einer Leinwand. Im Vordergrund sind die Hinterköpfe der Vortragsgäste zu sehen.
Projektmanagerin Luisa Gedon gab zur Einführung des Workshops einen Überblick über die Bedeutung von Mooren. Copyright: Bodensee-Stiftung

In Deutschland sind heute rund 95 Prozent der Moore entwässert, abgetorft, bebaut oder land- und forstwirtschaftlich genutzt. Dadurch entstehen jährlich etwa 44 Millionen Tonnen CO₂-Äquivalente aus entwässerten Moorböden.

Mut und Pioniergeist gefragt

Vor diesem Hintergrund ist klar: Die Wiedervernässung von Mooren ist eine zentrale Zukunftsaufgabe. „Es braucht Mut, die Sache anzugehen, es braucht Pioniere“, so Luisa Gedon.