{"id":8281,"date":"2022-02-03T10:13:14","date_gmt":"2022-02-03T09:13:14","guid":{"rendered":"https:\/\/www.bodensee-stiftung.org\/?p=8281"},"modified":"2022-02-03T10:13:14","modified_gmt":"2022-02-03T09:13:14","slug":"see-der-superlative-in-gefahr-der-malawisee-ist-bedrohter-see-des-jahres-2022","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.bodensee-stiftung.org\/en\/see-der-superlative-in-gefahr-der-malawisee-ist-bedrohter-see-des-jahres-2022\/","title":{"rendered":"See der Superlative in Gefahr: Der Malawisee ist \u201eBedrohter See des Jahres 2022\u201c"},"content":{"rendered":"<h4>Einer der \u00e4ltesten Seen der Erde leidet: Bev\u00f6lkerungswachstum, \u00dcberfischung und die Auswirkungen des Klimawandels setzen den Malawisee, s\u00fcdlichster See im ostafrikanischen Grabensystem zwischen Malawi, Mosambik und Tansania, unter Stress. Um auf die dramatische Situation aufmerksam zu machen, erkl\u00e4ren der Global Nature Fund (GNF) und das Netzwerk Living Lakes das einzigartige \u00d6kosystem zum \u201eBedrohten See des Jahres 2022\u201c.<\/h4>\n<figure id=\"attachment_8283\" class=\"thumbnail wp-caption alignnone\" style=\"width: 300px\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-medium wp-image-8283\" src=\"https:\/\/www.bodensee-stiftung.org\/wp-content\/uploads\/Buntbarsche-300x200.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"200\" srcset=\"https:\/\/www.bodensee-stiftung.org\/wp-content\/uploads\/Buntbarsche-300x200.jpg 300w, https:\/\/www.bodensee-stiftung.org\/wp-content\/uploads\/Buntbarsche.jpg 540w, https:\/\/www.bodensee-stiftung.org\/wp-content\/uploads\/Buntbarsche-270x180.jpg 270w, https:\/\/www.bodensee-stiftung.org\/wp-content\/uploads\/Buntbarsche-364x243.jpg 364w, https:\/\/www.bodensee-stiftung.org\/wp-content\/uploads\/Buntbarsche-520x346.jpg 520w, https:\/\/www.bodensee-stiftung.org\/wp-content\/uploads\/Buntbarsche-260x173.jpg 260w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><figcaption class=\"caption wp-caption-text\">Der Tanz der Buntbarsche: Unter Wasser pr\u00e4sentiert sich der Malawisee mit au\u00dfergew\u00f6hnlicher Artenvielfalt. Aber die Intaktheit dieses einzigartigen \u00d6kosystems ist massiv bedroht. Foto: \u00a9 AfES Malawi.<\/figcaption><\/figure>\n<p>Radolfzell am Bodensee \/ Blantyre, Malawi, 02.02.2022: Der Artenreichtum ist immens: Mit 700 bis 800 Buntbarscharten, von denen viele nur hier und sonst nirgends auf der Welt vorkommen, geh\u00f6rt der Malawisee zu den fischartenreichsten \u00d6kosystemen der Erde. Die Oberfl\u00e4che des Sees ist so gro\u00df wie das Bundesland Brandenburg, damit geh\u00f6rt der Malawisee zu den zehn gr\u00f6\u00dften Seen der Welt. Zudem ist er der drittgr\u00f6\u00dfte und zweittiefste auf dem afrikanischen Kontinent. Mit einem gesch\u00e4tzten Alter von mehreren Millionen Jahren z\u00e4hlt der Malawisee auch zu den \u00e4ltesten Seen der Erde, den sogenannten \u201eAncient Lakes\u201c. Im Laufe der Evolution konnte sich hier eine au\u00dferordentliche Artenvielfalt bilden.<\/p>\n<p>\nBis sich bei einem solch gigantischen See negative Auswirkungen menschlicher Aktivit\u00e4ten zeigen, kann es eine Weile dauern \u2013 und doch hat der Malawisee diesen Punkt leider bereits deutlich \u00fcberschritten. Deshalb ernennen ihn der Global Nature Fund (GNF) und das internationale Netzwerk Living Lakes zum \u201eBedrohten See des Jahres 2022\u201c. J\u00e4hrlich wird mit diesem Titel anl\u00e4sslich des World Wetlands Day am 2. Februar auf einen See oder ein Feuchtgebiet aufmerksam gemacht, das durch den Eingriff des Menschen massiv bedroht ist. Dabei sollen auch Wege aufgezeigt werden, um den einzigartigen Lebensraum nachhaltig zu sch\u00fctzen.<\/p>\n<p>\n<strong>Menschliche Aktivt\u00e4ten hinterlassen deutliche Spuren<\/strong><\/p>\n<p>\nIn den letzten Jahrzehnten hat Malawi seine Bev\u00f6lkerung fast verf\u00fcnffacht, von vier Millionen Menschen im Jahr der Unabh\u00e4ngigkeit 1964 auf gesch\u00e4tzte 19,7 Millionen heute. Daniel Mwakameka, Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer der Living Lakes-Partnerorganisation Action for Environmental Sustainability (AfES) in Malawi, erkl\u00e4rt: \u201eDer Bedarf an Nahrungsmitteln ist mittlerweile kaum noch zu decken. Die Folge sind \u00dcberfischung, Artenverlust und Verschmutzung des Malawisees. Fisch aus dem See deckt etwa siebzig Prozent des Bedarfs an tierischem Eiwei\u00df hierzulande. Mit dem steigenden Fischkonsum geraten die Fischbest\u00e4nde unter Druck. Das Bev\u00f6lkerungswachstum hat au\u00dferdem zu einer verst\u00e4rkten Landbewirtschaftung im Einzugsgebiet des Sees gef\u00fchrt. Unangemessene landwirtschaftliche Praktiken, Kahlschlag, Bodenerosion und hoher Einsatz von D\u00fcngemitteln und Pestiziden st\u00f6ren den N\u00e4hrstoffkreislauf im See und stellen eine ernsthafte Gefahr f\u00fcr das empfindliche \u00d6kosystem dar. Dar\u00fcber hinaus ist der Malawisee sehr anf\u00e4llig f\u00fcr die Auswirkungen des Klimawandels.\u201c<\/p>\n<p>\n<strong>Hunger und Armut befeuern den Teufelskreis<\/strong><\/p>\n<p>\nIn den letzten zwei Jahrzehnten hat die Niederschlagsmenge in Ostafrika signifikant abgenommen, der Wasserstand des riesigen Sees ist gesunken. Dadurch ist die Lebensgrundlage von Millionen lokaler Fischer*innen und ihren Familien in Malawi, Tansania und Mosambik bedroht. Malawi ist eines der \u00e4rmsten L\u00e4nder der Welt. Mehr als die H\u00e4lfte der Bev\u00f6lkerung lebt unterhalb der Armutsgrenze, ein Viertel der Menschen in extremer Armut. Gerade in Gemeinden in der direkten Umgebung des Sees fehlt es den Menschen oft am N\u00f6tigsten. Aus der Not heraus kommt es zu umweltsch\u00e4dlichen Methoden im Fischfang, die oftmals Schonzeiten und rechtliche Rahmenbedingungen ignorieren.<\/p>\n<p>\n<strong>M\u00f6gliche Wege aus der Krise<\/strong><\/p>\n<p>\nBislang haben die genannten Probleme gepaart mit Naturkatastrophen, fehlenden finanziellen und technischen Kapazit\u00e4ten, mangelndem Wissen zum Schutz von Wasser\u00f6kosystemen sowie schwacher politischer Koordination die Bem\u00fchungen zum Schutz des Malawisees behindert. Es ist jedoch noch nicht zu sp\u00e4t, die Situation am See zum Guten zu wenden. Deshalb fordern der GNF und Living Lakes gemeinsam mit AfES Malawi die sofortige Umsetzung folgender Ma\u00dfnahmen:<br \/>\n1. Sanierung aller gesch\u00e4digten Gebiete am Malawisee und in seinem Einzugsgebiet einschlie\u00dflich der F\u00f6rderung einer biodiversit\u00e4tsfreundlichen Landwirtschaft;<br \/>\n2. Verringerung des direkten Drucks auf den See durch Bewusstseinsbildung und Bereitstellung alternativer Lebensgrundlagen, z. B. Fischzucht in Teichen;<br \/>\n3. Verbesserung von Kapazit\u00e4ten und Wissen zu aquatischen \u00d6kosystemen in der lokalen Bev\u00f6lkerung und bei Entscheidungstr\u00e4ger*innen und verst\u00e4rkte Ber\u00fccksichtigung der nach\u00achaltigen Bewirtschaftung aquatischer \u00d6kosysteme in der Entwicklungsplanung;<br \/>\n4. Gezielte Schulung des zust\u00e4ndigen Fachpersonals und der Gemeinden in Bezug auf die Erhebung, Verarbeitung und Speicherung von Daten f\u00fcr eine fundierte Entscheidungsfindung zum Schutz und zur Wiederherstellung aquatischer \u00d6kosysteme;<br \/>\n5. Gerechtere Aufteilung des Zugangs zur Biologischen Vielfalt des Sees und seiner \u00d6kosystemleistungen.<\/p>\n<p>\n<strong>Erste Schritte in die richtige Richtung<\/strong><\/p>\n<p>\nAfES f\u00fchrt in Zusammenarbeit mit dem GNF konkrete Projekte durch, um Bedrohungen am Malawisee zu bek\u00e4mpfen. F\u00fcr Thies Geertz, Projektleiter beim GNF, spielen Bewusstseinsbildung und die Aufkl\u00e4rung der Menschen vor Ort eine zentrale Rolle: \u201eWir wollen die Entscheidungstr\u00e4ger*innen zust\u00e4ndiger Beh\u00f6rden, von Fischereiverb\u00e4nden, Verwaltungsaussch\u00fcssen und Komitees der D\u00f6rfer beim nachhaltigen Umgang mit nat\u00fcrlichen Ressourcen unterst\u00fctzen. Landwirt*innen erhalten Schulungen in biodiversit\u00e4tsfreundlicher Landwirtschaft, Agroforstwirtschaft und Fischteichwirtschaft. Wenn wir gemeinsam mit den Menschen vor Ort alternative Einkommensm\u00f6glichkeiten entwickeln, haben sie eine Chance, ihre eigene Lebensgrundlage zu erhalten.\u201c<\/p>\n<p>\n<strong>\u00dcber den Global Nature Fund und Living Lakes<\/strong><\/p>\n<p>\nSeit 1998 engagiert sich der Global Nature Fund (GNF) von Radolfzell am Bodensee aus f\u00fcr Natur und Umwelt. Als Koordinator des weltweiten Netzwerks Living Lakes bringt der GNF gemeinsam mit \u00fcber 130 Partnerorganisationen und 113 Seen und Feuchtgebieten in 57 L\u00e4ndern auf allen Kontinenten Gew\u00e4sserschutz voran, macht auf die Gefahren aufmerksam, die Seen, Fl\u00fcsse und Feuchtgebiete rund um den Globus bedrohen, und entwickelt L\u00f6sungen zu ihrem Erhalt.<\/p>\n<p>\n<strong>\u00dcber Action for Environmental Sustainability (AfES)<\/strong><\/p>\n<p>\nAction for Environmental Sustainability (AfES), eine nationale Nichtregierungsorganisation in Malawi, setzt sich seit 2007 f\u00fcr die Bek\u00e4mpfung von Umweltzerst\u00f6rung und Armut ein. Zu den Aktivit\u00e4ten von AfES geh\u00f6ren Aufforstungsma\u00dfnahmen, das Anlegen von Gemeindew\u00e4ldern, die F\u00f6rderung der nat\u00fcrlichen Waldregeneration sowie einer nachhaltigen Agroforstwirtschaft, die Unterst\u00fctzung bei der Entwicklung und Umsetzung von Waldbewirtschaftungspl\u00e4nen, die F\u00f6rderung einer biodiversit\u00e4tsfreundlichen Landwirtschaft, die Schaffung alternativer Einkommensquellen f\u00fcr die lokale Bev\u00f6lkerung, nachhaltige Energie, Umweltbewusstsein und Lobbyarbeit.<\/p>\n<h5>\n<strong>Erfahren Sie mehr \u00fcber die Projekte des Global Nature Fund<\/strong><\/h5>\n<p>\n<strong>Kontakte<\/strong><br \/>\nGlobal Nature Fund (GNF) &#8211; Internationale Stiftung f\u00fcr Umwelt und Natur<br \/>\nThies Geertz<br \/>\nFritz-Reichle-Ring 4<br \/>\n78315 Radolfzell<br \/>\nTelefon: +49 7732 9995 83<br \/>\nE-Mail: g&#101;&#x65;&#x72;t&#122;&#64;&#x67;&#x6c;o&#98;&#x61;&#x6c;n&#97;&#116;&#x75;&#x72;e&#46;&#x6f;&#x72;g<br \/>\nWebsite: www.globalnature.org<br \/>\nAction for Environmental Sustainability (AfES) Malawi<br \/>\nDaniel Mwakameka<br \/>\nMagalasi Road, Kameza, Gulliver<br \/>\nPo Box 3415, Blantyre, Malawi<br \/>\nTelefon: +265 111 907 773 \/ +265 888 377 823<br \/>\nE-Mail: &#x61;&#102;&#x65;&#x73;&#50;&#x30;&#x31;&#48;&#x40;&#x79;&#97;&#x68;&#x6f;o&#x2e;&#x63;o&#x6d;<br \/>\nWebsite: http:\/\/www.afesmw.org<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Einer der \u00e4ltesten Seen der Erde leidet: Bev\u00f6lkerungswachstum, \u00dcberfischung und die Auswirkungen des Klimawandels setzen den Malawisee, s\u00fcdlichster See im ostafrikanischen Grabensystem zwischen Malawi, Mosambik und &hellip; <a class=\"kt-excerpt-readmore\" href=\"https:\/\/www.bodensee-stiftung.org\/en\/see-der-superlative-in-gefahr-der-malawisee-ist-bedrohter-see-des-jahres-2022\/\" aria-label=\"See der Superlative in Gefahr: Der Malawisee ist \u201eBedrohter See des Jahres 2022\u201c\">mehr<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":27,"featured_media":8283,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[14],"tags":[],"class_list":["post-8281","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-neuigkeiten"],"translation":{"provider":"WPGlobus","version":"3.0.0","language":"en","enabled_languages":["de","en"],"languages":{"de":{"title":true,"content":true,"excerpt":false},"en":{"title":false,"content":false,"excerpt":false}}},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.bodensee-stiftung.org\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/8281","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.bodensee-stiftung.org\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.bodensee-stiftung.org\/en\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.bodensee-stiftung.org\/en\/wp-json\/wp\/v2\/users\/27"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.bodensee-stiftung.org\/en\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=8281"}],"version-history":[{"count":6,"href":"https:\/\/www.bodensee-stiftung.org\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/8281\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":8288,"href":"https:\/\/www.bodensee-stiftung.org\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/8281\/revisions\/8288"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.bodensee-stiftung.org\/en\/wp-json\/wp\/v2\/media\/8283"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.bodensee-stiftung.org\/en\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=8281"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.bodensee-stiftung.org\/en\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=8281"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.bodensee-stiftung.org\/en\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=8281"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}