Antworten rund um das Thema Moor-PV

Moor-PV bezeichnet die gleichzeitige Nutzung wiedervernässter Moorböden für Klimaschutz und Photovoltaik-Stromerzeugung. Übergeordnetes Ziel der Bundesregierung ist es, die Wiedervernässung als Beitrag zum Klimaschutz voranzubringen und gleichzeitig die Flächen für PV-Stromerzeugung zu nutzen. Die Errichtung von Solaranlagen auf ehemals für die Landwirtschaft trockengelegten Moorflächen in Deutschland wird seit Anfang 2023 im Rahmen des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG) gefördert, wenn diese Flächen dabei dauerhaft wieder vernässt werden.

Naturschutzfachlich wertvolle Moore und Moorböden innerhalb gesetzlicher Schutzgebiete dürfen jedoch nicht mit PV bebaut werden, sie sind von der Förderkulisse ausgeschlossen.

PV-Module stehen am besten in den Randbereichen des Moores auf stark degradierten, höher gelegenen Flächen. Trafo, Wechselrichter und Netzanschlussleitungen sollen außerhalb der vernässten Fläche liegen oder auf (künstlich) erhöhten Punkten auf der Fläche.

Wenn die Flächen schon nass sind, oder auch die Torfmächtigkeit zu stark ist, sind PV-Module nur mit hohem Materialaufwand – die Pfosten müssen durch die Torfschicht hindurchgehen – oder mit hohem Installationsaufwand zu installieren.

Eine Kombination mit Tierhaltung ist grundsätzlich möglich. Besser geeignet sind nässeangepasste Schafrassen wie Moorschnucke, Skudde oder Bentheimer Landschaf. Für Wasserbüffel unter oder zwischen Modulen gibt es bisher keine Erfahrungen. 

Bei einer Agri-PV-Anlage in Oberneukirchen („Der Reiserer“) wird eine Beweidung mit Wasserbüffeln und Rindern durchgeführt, dort befindet sich aber die niedrigste Stelle der Solarmodule 2,10m über dem Boden. Eine so hohe Anlage auf Moorboden scheint nicht sinnvoll durchführbar, aber für die Randbereiche (bei niedrigen Torfmächtigkeiten) möglich. Standfestigkeit, Verbissschutz und Machbarkeit müssten vorab geprüft werden bzw. so umgesetzt werden, das Verbiss nicht möglich ist, aber auch Steckverbindungen gut geschützt sind.

Auf einer Moor-PV-Fläche springen Schafe vor Solarmodulen auf der Grünfläche.
In Varel in Niedersachsen weiden Schafe auf der Moor-PV-Fläche. Copyright: Bodensee-Stiftung

Grundsätzlich sollten Speicher mitgeplant werden. Freiflächen-PV ohne Speicher ist aus ökonomischen Gesichtspunkten schwierig zu realisieren.

Speicher befinden sich möglichst außerhalb der Moorkulisse, am besten neben der PV-Anlage auf tragfähigem Mineralboden. Ein Container wiegt 17 bis 30 t (20-ft-Container, je rund 15 m) und braucht ein Betonfundament, eine Zufahrt für Schwerverkehr und Brandschutzabstände. Auf Torf wäre das nur mit sehr aufwändiger Gründung möglich. Am günstigsten ist die Nähe zur Anlage und zum Netzverknüpfungspunkt. Längere Leitungen sind möglich, aber teurer.

Kleine Speicher passen in Outdoor-Schränke (2 bis 4 m²) oder auch direkt neben die Wechselrichter, die oft direkt an den Modultischen angebracht sind. 

Eine Wiedervernässung betrifft meist viele Eigentümer*innen und Bewirtschafter*innen. Damit nicht nur diejenigen profitieren, auf deren Fläche die Anlage steht, bietet sich ein Modell wie das Flächenpooling bei der Windenergie an. Dort erhalten auch die Nachbarflächen einen Anteil an den Erträgen. Üblich sind rund 65 bis 70 % nach Flächenanteil im Gebiet, der Rest geht an Standort-, Weg- und Pufferflächen.

Auf Moor-PV übertragen kann das heißen: Alle Landwirt*innen im Wiedervernässungsgebiet gründen eine Genossenschaft oder Gesellschaft und erhalten anteilig Pacht oder Gewinn. Eine gesetzliche Pflicht dazu gibt es nicht, es wird vertraglich geregelt. Zusätzlich kann die Gemeinde (auf deren Gebiet die Fläche liegt) nach § 6 EEG bis zu 0,2 ct/kWh erhalten.

Weiterführende Informationen zum Thema Moor-PV zum Download:

Blick von schräg unten auf PV-Module, die in einem Moor stehen. Im Vordergrund ist eine nasse Grasfläche zu sehen.
Der Moor-Solarpark in Varel wurde im Frühjahr 2026 in Betrieb genommen. Er erstreckt sich über eine Fläche von ca. 40 Fußballfeldern und liefert Strom für über 9.000 Haushalte.Copyright: Bodensee-Stiftung