Antworten rund um das Thema Bewirtschaftung
Im Folgenden finden Sie Antworten von Dr. Marcus Schlingmann (LAZBW) und der Bodensee-Stiftung.
Entwässerte Moorböden unterliegen einem kontinuierlichen Torfschwund (im Schnitt ca. 1 cm pro Jahr). Der Torf zersetzt sich, der Boden sackt ab und verliert langfristig an Tragfähigkeit und Produktivität. Dieser Prozess ist unumkehrbar. Die Nutzungsbedingungen verschlechtern sich schleichend, unabhängig von der Bewirtschaftungsintensität. In torfärmeren Bereichen, wo dieser Prozess bereits weiter fortgeschritten ist, ist das Ende der wirtschaftlich sinnvollen Nutzung entsprechend näher.
Eine Wiedervernässung stoppt den Torfschwund und stabilisiert den Boden. Die Flächen können weiterhin mit nässeangepassten Bewirtschaftungsformen genutzt werden.
Die gesetzliche Definition einer wassergesättigten Fläche nach Düngeverordnung nimmt keinen Bezug auf das installierte Messnetz.
Die Anzahl der Pegel und die Dichte des Messnetzes richten sich nach den Anforderungen des jeweiligen Förderprogramms. (Quelle: Bodensee-Stiftung)
Bei einem Wasserstand von 20 cm unter Flur gilt ein Boden nicht als wassergesättigt im Sinne der Düngeverordnung. Die Flächen bleiben damit in der Flächenbilanz. Die Kontrolle erfolgt durch die zuständigen Behörden (Landwirtschaftsamt oder Untere Naturschutzbehörde).
Der Düngebedarf ist auf wiedervernässten Flächen grundsätzlich deutlich geringer. Stickstoffdüngung ergibt frühestens ab März Sinn. Zu diesem Zeitpunkt ist jedoch die Befahrbarkeit oft das eigentliche Problem, da schwere Maschinen und Güllefässer auf nassen Moorböden technisch kaum einsetzbar sind. (Quelle: LAZBW)
Die Torfmächtigkeit spielt für die Nutzungsmöglichkeiten eine untergeordnete Rolle, entscheidend sind die Wasserstände. Für den Klimaschutz ist ein Wasserstand von 10 cm unter Flur ideal. Bei bewirtschafteten Flächen ist ein Wasserstand von 20 cm unter Flur realistischer und wird auch von der Bundesförderung (ANK-Paludikultur-Richtlinie) als Zielniveau der Vernässungsstufe 2 definiert.
Das Weitenried ist ein sehr großer Moorkörper, der sich in verschiedene hydrologische Einheiten unterteilen lässt. Die verschiedenen Einheiten können unterschiedlich stark wiedervernässt werden und verschiedene Zielwasserstände haben. Durch regelbare Staubauwerke kann auch nach Bedarf der Wasserstand kurzfristig an die Erfordernisse der Bewirtschaftung angepasst werden (sofern eine zeitnahe Wiederherstellung des angestrebten Wasserstands möglich ist). Eine kurzfristige Absenkung des Wasserstandes beispielsweise zur Ernte ist also theoretisch möglich. (Quelle: Bodensee-Stiftung)
Auf wiedervernässten Flächen ist Düngung grundsätzlich weiterhin möglich (Aussage von LAZBW und LfL). Auf intensivem Grünland sind weiterhin mehrere Schnitte machbar, auf extensivem Grünland ein bis zwei Schnitte oder Weidehaltung mit angepassten Tierrassen. Auf Ackerstandorten bieten sich Paludikulturen an, wie Seggen, Rohrglanzgras, Schilf und Rohrkolben. (Quellen: LAZBW, LfL Bayern)
Weitere Informationen in Publikationen:
Gerade in Jahren mit extremer Trockenheit bieten die wiedervernässten Flächen eine zusätzliche Sicherheit, da durch den insgesamt höheren Wasserstand auch in diesen Jahren die Ernte vom Grünland möglich bleibt. Zwar sinken die Erträge im Mehrjahresschnitt insgesamt ab, aber die Nutzung ist resilienter und Wetterereignisse wirken sich nicht so stark aus.
In sehr nassen Jahren ist die Befahrbarkeit und damit die Ernte sehr schwierig. Dies ist jedoch auch aktuell schon der Fall und durch die fortgeschrittene Vermulmung des Bodens auf einigen Flächen besonders extrem. Nach einer erfolgreichen Wiedervernässung und einer Wiederherstellung der natürlichen Bodenfunktionen verbessert sich der Schwammeffekt und das Wasser kann vom Boden sogar schneller aufgenommen werden.
Bei entsprechend angepasstem Grasbestand ist auch die Grasnarbe stabiler und kann auch im feuchten Zustand Maschinen tragen.
Wenn ein Betrieb auf nasse Bewirtschaftung eingestellt ist, sind auch angepasste Maschinen vorhanden (im Eigentum, von Lohnunternehmern oder im Maschinenring), die mit den nassen Verhältnissen besser zurechtkommen.
Erträge und Futterwerte
Gegenüber einer intensiv geführten Wiese mit hohem Weidelgrasanteil gehen die Erträge zurück und Futterwerte werden schlechter, sind aber immer noch gut für die Verwendung im Milchviehbetrieb verwertbar (als Strukturkomponente in der Gesamtration für Milchkühe; für Jungvieh oder Trockensteher). Geringer Kaliumgehalt ist in der Fütterung ein Vorteil des Materials.
Bezugsgröße ist immer der aktuelle Futterwert der Fläche sowie der Anteil der von Wiedervernässung betroffenen Fläche des Betriebs im Gebiet.
Das Projekt „Moormilch“ des LAZBW testet derzeit verschiedene Möglichkeiten für eine nasse Grünlandbewirtschaftung in der Milcherzeugung: in einem Versuch wird eine reine Rohrschwingel-Kultur angesät und eine weitere Ansaat erfolgt mit der Lfl-Mischung für Nasswiesen („BQSM W1M“ mit 45% Rohrschwingel und Fuchsschwanz, etc.). Das Lfl Bayern hat diese bereits auf Versuchsflächen in Karolinenfeld getestet.
Wichtiger Hinweis: Die Nasswiesen-Mischung bestenfalls kurz vor der Wiedervernässungsmaßnahme aussähen, damit sich die Pflanzen etablieren können, bevor es zu nass wird. Die Wasserstandsanhebung sollte dann schon möglichst zeitnah erfolgen (innerhalb 1-2 Wochen), damit die nässeverträglichen Arten, also v.a. der Rohrschwingel einen Konkurrenzvorteil gegenüber der Altgrasnarbe haben. Gut wäre Ende August, da der Rohrschwingel lange für die Keimung braucht (bei Aussaat im späten September könnte es Frostgefahr geben). Eine Nachsaat ist später dann möglich.
Problempflanze Senecio
Als für die Tierfütterung problematische Begleitpflanze auf Nasswiesen ist das Wassergreiskraut (Senecio aquaticus) zu beachten. Da es durch regelmäßigen Schnitt gefördert wird, empfiehlt sich zur Bekämpfung eher eine Ausdunklung, etwa indem der Aufwuchs eine Saison stehen gelassen wird. Für weitere Fragen zu Problempflanzen steht Kerstin Grant vom Landwirtschaftlichen Zentrum Baden-Württemberg (LAZBW) zur Verfügung.

