Unternehmer entdecken die biologische Vielfalt

Große Resonanz beim Regionalforum „Business & Biodiversity“ – Starkes Interesse an naturnahen Firmenarealen und Biodiversitäts-Checks

Gut 80 Teilnehmer informierten sich am vergangenen Dienstagabend in Ravensburg über die Möglichkeiten, wie und warum sich Unternehmen aktiv für den Erhalt der biologischen Vielfalt einsetzen können. Regionale Unternehmen präsentierten ihre Aktivitäten von der Rohstoffbeschaffung über die Produktgestaltung und das Marketing bis hin zu naturnah gestalteten Firmenarealen. Veranstalter waren die Bodensee-Stiftung, Landkreis Ravensburg und der die Wirtschafts- und Innovationsförderungsgesellschaft (WiR), BUND Ravensburg. Landrat Kurt Widmaier übernahm die Schirmherrschaft.

Die Botschaft des Abends war klar: Es gibt zahlreiche gute Gründe, warum sich Unternehmen für die biologische Vielfalt interessieren sollten – und das sich das lohnen kann. Dies zeigten vor allem die regionalen Firmenportraits. WiR-Geschäftsführer Hans-Joachim Hölz ging bei seiner Eröffnungsrede darauf ein, wie die Natur von der Wirtschaft für innovative Produktentwicklungen oder ein verbessertes Kundenimage genutzt werden können. Insgesamt, so Hölz, sind die ressourcenschonenden Verarbeitung von natürlichen Rohstoffen und der bewusste und sparsamen Umgang mit Energie keine Luxusthemen sondern knallharte Kostenfaktoren für Unternehmen.

„Viele Teilnehmer waren erstaunt darüber, wie viele Auswirkungen und Abhängigkeiten es zwischen der Wirtschaft und der Biologischen Vielfalt gibt. Darum ist es wichtig, dass wir im Rahmen unserer Europäischen Business & Biodiversity Kampagne den Unternehmen konkrete erste Schritte anbieten können, wie sie einen praktischen Einstieg in das Thema finden“, so Patrick Trötschler von der Bodensee-Stiftung. Konkret bietet die Bodensee-Stiftung an, gemeinsam mit interessierten Unternehmen zur ersten Orientierung einen betrieblichen Biodiversitäts-Check durchzuführen. Auch stehen die Naturschützer bereit für die naturnahe Gestaltung von Firmenarealen. Und auch die Naturschutz-Auktion am 11. Oktober im Rahmen der Oberschwabenschau gibt Unternehmen die Möglichkeit, sich ganz konkret für den Erhalt der biologischen Vielfalt in der Region zu engagieren.

Uli Miller vom Ravensburger BUND-Naturschutzzentrum gab einen Einblick in die Biologische Vielfalt der Region Allgäu-Oberschwaben. Zwar wandern neue Arten der Biber oder der Schwarzstorch ein, aber unter dem Strich sorgen Landschaftsverbrauch, intensive Landnutzung und Klimawandel für einen Artenschwund in der Region. Markus Zipf von der Pro Regio Oberschwaben GmbH präsentierte die Käsküche Isny oder die Gastro-Initiative Landzunge als Beispiele dafür, wie Unternehmen die Biologische Vielfalt der Region als ihre Wirtschaftsgrundlage nutzen und sich als Gegenleistung für eine nachhaltige Wirtschaftsweise einsetzen.

Wie tief man den Umwelt- und Naturschutz in einem Unternehmen verankern kann, zeigte Hilke Patzwall, Umweltbeauftragte von VAUDE in Tettnang. Unter anderem ist VAUDE europaweit das erste Unternehmen der Outdoorbranche, das mit dem EMAS-Zertifikat für umweltfreundliche Betriebsführung ausgezeichnet wurde. Zudem hat VAUDE ein eigenes Qualitätssystem für die Entwicklung und Zertifizierung von umweltfreundlichen Produkten entwickelt. Knapp 30 Prozent des Bekleidungssortiments können derzeit schon mit dem Green-Shape-Label ausgelobt werden.

Ein weiterer Vorreiter in Allgäu-Oberschwaben in Sachen Nachhaltigkeit und Biodiversitätsschutz ist die Brauerei Clemens Härle in Leutkirch. Der traditionsreiche Familienbetrieb setzt konsequent auf integriert und ökologisch angebaute Rohstoffe aus der Region. Auch die Holzhackschnitzel zur Energieerzeugung stammen zu einhundert Prozent aus regionalem Waldrestholz. Für dieses langjährige und erfolgreiche Engagement ist Gottfried Härle in diesem Jahr für den deutschen Nachhaltigkeitspreis nominiert.

Dr. Andreas Thiel-Böhm von den Technischen Werken Schussental zeigte den „Grünen Wege seines Unternehmens auf. So bieten die TWS ausschließlich Naturstrom an und werden in den kommenden Jahren rund sechzig Millionen Euro in erneuerbare Energien investieren. Damit auch die Kunden mehr über dieses Engagement erfahren, setzen die TWS gezielt ihr Engagement für Umwelt- und Naturschutz als Marketingmittel ein.

Jacques Grob von der Grob Kies AG aus dem Schweizerischen Wattwil gab einen Überblick über die Erfolge und Vorteile von naturnah gestalteten Firmenarealen. Seit über zehn Jahren berät und zertifiziert die die Schweizer Stiftung Natur und Wirtschaft Unternehmen, die ihre Firmenareale naturnah gestalten. Neben dem Imagegewinn und einer Verbesserung der Arbeitsqualität hat das auch ganz handfeste Vorteile: die Anlage und Pflege naturnaher Flächen ist bis um die Hälfte billiger.

Ulfried Miller, BUND-Geschäftsführer in Ravensburg, zog ein sehr zufriedenes Fazit: „Das Regionalforum war ein guter erster Schritt in Richtung mehr unternehmerische Verantwortung für den Wirtschaftsstandort und Naturlebensraum Allgäu-Oberschwaben. Jetzt freuen wir uns auf zahlreiche Besucher und Bieter bei der Naturschutz-Auktion am 11. Oktober.“

Das Regionalforum „Entdecken Sie die biologische Vielfalt in Ihrem Unternehmen“ wurde durch die Bodensee-Stiftung initiiert und von der Wirtschafts- und Innovationsförderungsgesellschaft Landkreis Ravensburg (WiR) und dem BUND-Naturschutzzentrum Ravensburg unterstützt. Gefördert wurde die Veranstaltung durch das EU-Förderprogramm LIFE+ im Rahmen der „European Business & Biodiversity Campaign“ und PLENUM Allgäu-Oberschwaben.