Scheitert die Artenschutzkonferenz in Nagoya?

München / Bonn / Nagoya   Auf der Artenschutzkonferenz in Japan verhandelt die Staatengemeinschaft über neue Ziele und Strategien zum Erhalt der biologischen Vielfalt. Das ursprüngliche Ziel, den Verlust an Biodiversität bis zum Jahr 2010 deutlich zu reduzieren, wurde bis dato weit verfehlt. Vielmehr hat der Artenverlust inzwischen ein dramatisches Ausmaß angenommen. Die von Menschen verursachte Zerstörung ist etwa tausendmal höher als die natürliche Aussterberate. Hier ist vor allem die Wirtschaft gefragt!

Die weltweit 3.000 größten Unternehmen sind für rund ein Drittel aller globalen Umweltschäden im Jahr 2008 in Höhe von 6,6 Billionen US-Dollar verantwortlich, so die kürzlich veröffentlichte Schätzung der UNEP Finance Initiative und Principle for Responsible Investment Initiative. Die dramatisch fortschreitende Naturzerstörung wird auch für die Unternehmen selbst spürbare Auswirkungen haben. Steigende Kosten oder Lieferengpässe bei Nahrungsmitteln, sauberem Wasser und nachwachsenden Rohstoffen wie Holz sind mögliche Folgen.

Das Interesse ist noch gering

Doch bisher findet bei den meisten Unternehmen das Thema biologische Vielfalt noch keine ausreichende Beachtung. Weltweit betrachten weniger als ein Drittel von rund 1.500 befragten Unternehmensführern den Biodiversitätsverlust als Risiko für das Wachstum des eigenen Unternehmens, so das Ergebnis einer von PricewaterhouseCoopers (PwC) im Frühjahr 2010 veröffentlichten Studie.

Bringt Nagoya die Wende?

Bereits in früheren Resolutionen haben die Unterzeichnerstaaten der UN-Konvention über die biologische Vielfalt ein verstärktes Engagement der Wirtschaft für den Erhalt von Arten und Lebensräumen angemahnt. Im Mittelpunkt stehen insbesondere Unternehmen der Rohstoff-, Nahrungsmittel- und Tourismusindustrie, Energieversorgung, Holzwirtschaft und des Baugewerbes. Deren Geschäftstätigkeiten haben starke Auswirkungen auf Arten und Ökosysteme bzw. hängen in besonderem Maße von intakter Natur und nachwachsenden Rohstoffen ab. Es ist also mit Spannung abzuwarten, ob die Konferenz in Japan den Durchbruch für den Erhalt der Biodiversität bringt und ob vor allem der Wirtschaft ihre entscheidende Rolle verdeutlicht werden kann.

„Die Privatwirtschaft wird nicht nur an ihrem Engagement für den Klimaschutz, sondern zunehmend auch an ihrem Beitrag zur Erhaltung der biologischen Vielfalt gemessen. Aus diesem Grund werden wir hier vor Ort in Nagoya vor allem den Business Case der Biodiversität herausstellen“, betont Stefan Hörmann, der Vertreter der Umweltstiftung Global Nature Fund. „Bisher sind die Verhandlungen jedoch äußerst zäh und es wird einiger Anstrengungen bedürfen, um ein Scheitern wie auf der Klimakonferenz in Kopenhagen zu verhindern“.

Der Biodiversitäts-Check hilft

Nicht nur Regierungen stehen somit in der Verantwortung, gerade die Unternehmen sind beim Erhalt von Arten und Ökosystemen gefordert. Unterstützung soll hierbei der Biodiversitäts-Check der European Business & Biodiversity Kampagne liefern.

Mit dem kürzlich erstellten „Business and Biodiversity-Check“ bietet der Global Nature Fund (GNF) in Kooperation mit der Unternehmensberatung dokeo und der Bodensee-Stiftung ein Instrument an, das Unternehmen dabei unterstützen soll, die Bezugspunkte zur biologischen Vielfalt entlang der Wertschöpfungskette zu identifizieren. Nicht nur die Global Player zeigen Interesse, sondern auch mittelständische Unternehmen. „Am Regionalforum „Business & Biodiversity“ Ende September in Ravensburg beteiligten sich 80 Unternehmer aus der Bodenseeregion und etliche haben sich inzwischen zum Biodiversity Check angemeldet!“, freut sich Marion Hammerl, Geschäftsführerin der Bodensee-Stiftung.

In einer Pilotphase wird der Check mit zehn Unternehmen in Deutschland umgesetzt. Weitere Unternehmen aus Deutschland, den Niederlanden und Spanien sollen folgen. Die Checks werden im Rahmen der Europäischen Business & Biodiversity Kampagne durchgeführt, die Unternehmen über Chancen und Risiken in Bezug auf die Erhaltung und Nutzung von Leistungen der Natur informiert.

Hintergrundinformation

Auf der 10. Vertragsstaatenkonferenz des Übereinkommens über die biologische Vielfalt (Convention on Biological Diversity, CBD) in Nagoya verhandeln 193 Staaten zwischen dem 18. und 29. Oktober über neue Ziele, den Artenschwund zu stoppen.

In Nagoya werden der GNF und IUCN, Projektpartner der Europäischen Business & Biodiversity Kampagne, eine Veranstaltung am 27. Oktober zum „Business Case“ für biologische Vielfalt organisieren. Aktuelle Entwicklungen zur Förderung des Unternehmensengagements für die Biodiversität in der EU, insbesondere in den nordischen Staaten, den Niederlanden und Portugal stehen auf dem Programm. Die Umsetzung der Europäischen Business & Biodiversity Kampagne wird unterstützt durch das LIFE+ Programm der Europäischen Union.


Weitere Informationen unter www.business-biodiversity.eu.

Ansprechpartner:

Stefan Hörmann, Projektleiter, Global Nature Fund, Büro Bonn, Tel.: +49-228-2429018; mobil: 0160-5321052; E-Mail: hoermann@globalnature.org

Stefan Hörmann ist von 24. bis 29. Oktober in Nagoya

Marion Hammerl und Patrick Trötschler, Bodensee-Stiftung, Tel: 07732 9995-40

Marion.hammerl@bodensee-stiftung.org, patrick.troetschler@bodensee-stiftung.org