Kein Fisch mehr auf`m Tisch

Hier die aktuelle Pressemitteilung des Global Nature Fund zur SusCon 2010 in Nürnberg im Rahmen der European Business & Biodiversity Campaign.

Kein Fisch mehr aufm Tisch: Weltweit leiden immer mehr Fischer unter Umweltverschmutzung und Einkommenseinbußen Global Nature Fund führt EU Business & Biodiversity Campaign an und macht auf der SusCon 2010 auf alarmierende Auswirkungen aufmerksam

Am Golf von Mexiko herrscht derzeit striktes Fischverbot. Die Verseuchung des Meeres und der Fischgründe durch das weiteraustretende Öl aus dem Leck der gesunkenen "Deepwater Horizon" Bohrinsel ist Schuld daran. Die Situation macht gleichzeitig auf die dramatisch anwachsenden Umweltbelastungen aufmerksam, die die Einkommensgrundlagen von Fischern weltweit zerstören.

Allein am Pulicat See, dem zweitgrößten See Indiens - vom Global Nature Fund (GNF) im Rahmen seines internationalen Seennetzwerkes "Living Lakes" zum "Bedrohten See des Jahres 2010 erklärt - sind 50.000 Fischer sowie hunderttausende Menschen betroffen. Die Situation der einst fischreichen Region mit ihren ökologisch wichtigen Mangrovenwäldern nördlich der Stadt Chennai hat ein alarmierendes Ausmaß erreicht. Abholzung der Wälder, Verschmutzung, Überfischung sowie unsachgemäße Einleitung von mit Schwermetallen behafteten Abwässer von mehr als 25 Industrien aus der umliegenden Megacity, Chennai, sind Ursache für die katastrophale Situation.

SusCon 2010 bietet Finance-Session "Biodiversität finanzieren"

Auf der SusCon 2010, "International Conference on Sustainable Business & Consumption", am 15. / 16. Juni in Nürnberg will der Global Nature Fund (GNF) in seiner Funktion als Koordinator der neu gestarteten "European Business and Biodiversity Campaign" die wirtschaftliche Seite solcher Schäden deutlich machen. Gemeinsam mit den SusCon Organisatoren initiiert er deshalb eine Workshop-Session mit dem Titel "Die Finanzierung von Biodiversität - ein Investment zwischen Profit und Philantropie". Darin geht es beispielsweise um Entscheidungskriterien für Finanzdienstleister, um bei der Kreditvergabe bzw. bei Investitionen im Rahmen der Risikobewertung unternehmerischer Aktivitäten gezielt die Auswirkung auf die Biodiversität zu prüfen. Es geht aber auch um Motivationsfaktoren von Unternehmen, die bewusst in Biodiversität und Naturschutz investieren. Weiterhin sollen Lösungsansätze diskutiert werden, wie zukünftig bei sinkenden öffentlichen Mitteln Naturschutz und Biodiversität durch innovative Konzepte (bspw. Biodiversitätsauktionen von Triple E oder das Öko-Kontomodell der Stadt Nürnberg) besser finanziert werden können. Aus der Praxis berichten und diskutieren u.a. Nachhaltigkeitsexperten von Nestlé, der Telekom, der Hypovereinsbank- UniCredit Group,PricewaterhouseCoopers, des Europäischen Gesteinsverbandes, von Triple E, UNEP-FI und der Stadt Nürnberg.

Biodiversitäts-Checks für Unternehmen

Die EU Business & Biodiversity Campaign hat zum Ziel, die Bedeutung von "Biologischer Vielfalt" zu unterstreichen und Unternehmen aufzufordern, sich verstärkt für das Thema Schutz und Erhalt der Natur zu engagieren. "Zunächst ist die Kampagne für drei Jahre angelegt", erklärt Stefan Hörmann, Koordinator des Programms. "Wir bieten Nachhaltigkeitsmanagern und Entscheidungsträgern in Unternehmen Informationen, Beraterleistungen und Workshops an, um die Auswirkungen ihrer Unter-nehmensaktivitäten auf die Biodiversität zu evaluieren."

Zum offiziellen Start des Internationalen Jahres der Biodiversität hatte Bundeskanzlerin Angela Merkel im vergangenen Januar darauf hingewiesen, dass der Schutz der biologischen Vielfalt eine ebenso große Dimension wie der Klimaschutz habe. "Wir brauchen eine Trendumkehr, nicht erst in der Zukunft, sondern sofort."

Biodiversität wird für Finanzsektor wichtiges Kriterium

Laut GNF setzt sich die Mehrheit der Unternehmen nur dann für Biodiversität ein, wenn ihr Kerngeschäft direkt davon abhängt oder betroffen ist. Schwerpunktmäßig seien dies Produktionsunternehmen der verarbeitenden Industrie von Rohstoffen in Bereichen wie Bergbau, Öl und Gas, sowie im Tourismus- oder Lebensmittelsektor. Allerdings nehme auch im Finanzbereich das Thema, insbesondere durch die Bewertung ökologischer Risiken bei Kreditvergaben und Investitionen, verstärkt zu. Biodiversität müsse in Zukunft ein wesentlicher Teil der Unternehmensstrategie werden, fordert auch Marion Hammerl, Geschäftsführerin der Bodenseestiftung und Präsidentin des GNF. Derzeit engagieren sich verschiedene Initiativen darum, Methoden und Bewertungskriterien zur Integration von Biodiversität in Unternehmensentscheidungen einzubringen.

Biodiversität als Investitionsobjekt

Laut Stefan Hörmann vom Global Nature Fund, setzt sich die Mehrheit der Unternehmen für Biodiversität bisher nur dann ein, wenn ihr Kerngeschäft direkt davon abhängt oder betroffen ist. Schwerpunktmäßig seien dies Produktionsunternehmen, der verarbeitenden Industrie von Rohstoffen in Bereichen wie Bergbau, Öl und Gas, im Tourismus- und Lebensmittelsektor sowie in der Pharma-Industrie. Die von TEEB erstmals bezifferten Ökosystem Leistungen zeigen, dass Biodiversität als Produkt/Dienstleistung einen realen Marktwert hat. Für Fritz Lietsch, den Moderator der SusCon Finance Session stellt sich in diesem Zusammenhang die Frage, wie sich aus hieraus ein marktwirtschaftlicher Finanzierungsmechanismus zur Erhaltung der Biodiversität entwickeln lässt. Weltweit werden ja bereits Ansätze diskutiert, die mit dem Handel mit Emissionszertifikaten vergleichbar sind.

SusCon 2010

Die "International Conference on Sustainable Business and Consumption" findet in diesem Jahr zum zweiten Mal auf dem Nürnberger Messegelände statt. Vom 15. bis 16. Juni werden sich Unternehmen, NGOs und Politiker vor allem zu Fragen der Biodiversität austauschen. Im Zentrum stehen u.a. neue Business-Modelle wie Social Business, Zertifizierungen sowie konkrete Aktivitäten zum Erhalt der Biodiversität. Zu den Unterstützern gehören u.a. IUCN, FAO, IFOAM, Rainforest Alliance, GTZ, cscp, Deutsche Umwelthilfe, Soil & More sowie die "Business and Biodiversity Initiative". Sponsoren sind u.a. Unilever, die REWE Group, Neumarkter Lammsbräu sowie DEG / KfW Bankengruppe. An der Erstveranstaltung 2009 nahmen im Vorfeld der internationalen BioFach, The World Organic Trade Fair rund 200 Teilnehmer aus Wirtschaft und NGOs teil. Weitere Information unter www.suscon.net.

 

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