"Vision Rheintal" erhält VCÖ-Mobilitätspreis

VCÖ (Wien / Bregenz, 9. September 2013) – Der Verkehr steht vor dem größten Umbruch seit Beginn der Massenmotorisierung, betont der VCÖ. Die Mobilität auch in Vorarlberg wird vielfältiger, Bahn, Bus, Fahrrad, Carsharing und Elektro-Mobilität werden stark an Bedeutung gewinnen. Landesstatthalter Karlheinz Rüdisser, VCÖ und ÖBB-Postbus haben heute in Bregenz den VCÖ-Mobilitätspreis Vorarlberg an die „Vision Rheintal“ verliehen.

„Die Mobilität in Vorarlberg ist bereits in den vergangenen Jahren vielfältiger und klimafreundlicher geworden. Und dieser Trend wird sich in Zukunft fortsetzen“, stellt VCÖ-Expertin DI Bettina Urbanek fest. Der diesjährige VCÖ-Mobilitätspreis stand unter dem Motto „Mobilität und Transport 2025+“. Die zukünftige Mobilität wird wesentlich von gesellschaftlichen Megatrends beeinflusst, wie etwa Urbanisierung, demografischer Wandel, Digitalisierung und Sharing (Gemeinsam nutzen statt besitzen). Zudem sind die EU-Klima- und Energieziele nur erreichbar, wenn es eine grundlegende Änderung bei Mobilität und Transport gibt. Der VCÖ hat untersucht, welche Mobilitätstrends in Zukunft zu erwarten sind. Hier die wichtigsten Ergebnisse:

1. Mobilität wird vielfältiger und intermodaler: Schon heute fahren viele, die ein Auto benützen, auch mit anderen Verkehrsmitteln. Die Wechselbereitschaft nimmt zu. Die Infrastrukturpolitik muss die dafür nötigen intermodalen Schnittstellen ausbauen.

2. Nutzen statt besitzen: Carsharing, das gemeinsame Nutzen eines Autos, liegt international voll im Trend. Auch in Österreich nimmt es langsam aber sicher zu. In Zukunft werden auch im ländlichen Raum Autos verstärkt im Nachbar- und Freundeskreis geteilt werden.

3. Peak Auto wird erreicht: Für die Jugend ist das Auto kein Statussymbol mehr. Der Sättigungsgrad beim Autobesitz ist in West- und Mitteleuropa erreicht. Vor allem in den großen Städten sinkt die Zahl der Autos im Verhältnis zur Einwohnerzahl.

4. Elektro-Mobilität gewinnt an Bedeutung: Das Ziel, die Erdölabhängigkeit des Verkehrs zu verringern, ist nur mit mehr Elektro-Mobilität erreichbar. Die Bahnen fahren schon seit langem fast zur Gänze mit Strom. Elektro-Fahrräder erfreuen sich steigender Beliebtheit. Die Zahl der E-Autos ist noch gering.

„Auf diese Trends gilt es sich schon heute vorzubereiten, damit ein reibungsloser Übergang vom Auto-dominierten Verkehr zu einer klimafreundlichen Mobilitätsvielfalt möglich ist“, so VCÖ-Expertin Urbanek.

Für Landesstatthalter Karlheinz Rüdisser ist diese Entwicklung ganz im Sinne der Mobilitätsstrategie des Landes Vorarlberg, deren Ziel es ist, den Anteil von Öffis und Fahrrad am gesamten Verkehrsaufkommen zu steigern. Der konsequente Ausbau des Öffentlichen Verkehrs ist auch ein maßgeblicher Beitrag auf dem Weg zur Energieautonomie Vorarlberg und dementsprechend ein  wichtiger Investitionsschwerpunkt im Budget des Landes. Im vergangenen Jahr wurden 23,4 Millionen Euro investiert, für heuer sind knapp 28 Millionen Euro veranschlagt. Für den Ausbau des Radwegenetzes werden jährlich zwei bis drei Millionen Euro ausgegeben.

Jüngstes Beispiel für die laufenden Verbesserungen im Öffentlichen Verkehr ist die erst kürzlich fixierte und präsentierte Änderung des Tarifsystems im  Verkehrsverbund Vorarlberg (VVV), die ab 1. Jänner 2014 umgesetzt wird. Herzstück dieser Neuerung ist die neue VVV-maximo-Jahreskarte um 365 Euro. Ergänzend zu solchen Innovationen wurden und werden über die Jahre umfangreiche Baumaßnahmen verwirklicht. LSth. Rüdisser: „All diese Maßnahmen decken sich mit den vom VCÖ festgestellten Verkehrstrends.“

VCÖ-Mobilitätspreis Vorarlberg für die „Vision Rheintal“ Erfolgreiche Mobilitätspolitik setzt bei den Quellen des Verkehrs an. Wo wohnen die Menschen? Wo sind die Arbeitsplätze? Wo gibt es Einkaufsmöglichkeiten? Der Ort des Zieles und seine Erreichbarkeit bestimmen in erster Linie, für welches Verkehrsmittel sich die Menschen entscheiden. Wer nahe dem Bahnhof lebt, fährt auch viele Strecken mit der Bahn. „Der VCÖ-Mobilitätspreis Vorarlberg heuer an ein Projekt, das die Grundlage für eine verkehrsvermeidende Raumplanung liefert, nämlich an die Vision Rheintal", sagte VCÖ-Expertin Urbanek. Gemeinsam mit  Landesstatthalter Rüdisser und ÖBB-Postbus-Regionalmanager Mayer überreichte sie den Preis an Projektleiter Martin Assmann.

Der VCÖ-Mobilitätspreis Vorarlberg wird vom VCÖ in Kooperation mit dem Land Vorarlberg und dem ÖBB-Postbus durchgeführt und vom Verkehrsverbund Vorarlberg und Rhomberg Bau unterstützt.  ÖBB-Postbus-Regionalmanager Gerhard Mayer: „Die Visionen der Vorarlberger Verkehrspolitik werden in unseren Fahrzeugen in der Realität sichtbar. Deutlich wird dies etwa durch die ständig größer werdende Zahl an Gelenksbussen, die immer mehr 12-Meter-Busse ablösen, und durch die steigende Zahl an Fahrgästen in der Bahn. Hier haben wir im Vergleich April 2012 zu April 2013 einmal mehr eine Steigerung von sechs Prozent.“

Ein Schwerpunkt von „Vision Rheintal" ist die qualitätsvolle Siedlungsverdichtung im Umfeld von Bahnhöfen und Haltestellen. Die nun ausgezeichnete Studie gibt eine Übersicht über die Bahnhöfe im Vorarlberger Rheintal, deren Umfeld, nächstgelegene Siedlungen und ihrer Erreichbarkeit. Es werden die Entwicklungsmöglichkeiten des Umfelds aufgezeigt. Die Studie ist eine unverzichtbare Grundlage für weitere Siedlungsentwicklungen und damit auch die zukünftige Verkehrsentwicklung.

Weitere Informationen im Internet unter www.vcoe.at