Potentialstudie zur naturnahen Gestaltung von Firmenarealen in der Bodenseeregion - jetzt als Download

30% naturnahe Fläche auf Firmenarealen ist realistisch

Radolfzell / Deggenhausertal: Im Deggenhausertal wurde gestern die Potentialstudie zur naturnahen Gestaltung von Firmenarealen in der Bodenseeregion vorgestellt. Würden Unternehmen in der Region ihre Firmenareale naturnah gestalten, könnte eine Fläche von über 1.300 ha zum Wohle von Mensch und Natur aufgewertet werden – eine Fläche rund zwei Mal so groß wie das Wollmatinger Ried. Download der Potentialstudie unter www.bodensee-stiftung.org.

Die Potentialstudie wurde von der Bodensee-Stiftung im Rahmen des Projekts „Unternehmen und biologische Vielfalt am Bodensee“ erstellt. Die naturnahe Gestaltung des eigenen Betriebsgeländes gehört zu den Maßnahmen, mit denen Unternehmen einen Beitrag zum Schutz der biologischen Vielfalt leisten können. In der Schweiz haben schon über 300 Unternehmen ihr Firmenareal nach den pragmatischen Kriterien der Stiftung Natur & Wirtschaft zertifizieren lassen. In Deutschland sind es bisher nur einige wenige Pionierunternehmen, die ihr Firmenareal gezielt naturnah gestalten.

Naturnahe Firmenareale: Das Konzept

Auf naturnahen Firmenarealen wird zunächst wie auf jedem „normalen“ Firmengelände produziert, oder verkauft – eben dem Geschäft nachgegangen. Auf einem naturnahen Areal hat aber die Natur wieder Platz – und da gibt es auf den meisten Arealen durchaus Möglichkeiten: Baulandreserven können naturnah gepflegt werden, Rasen kann durch artenreiche Wiesen ersetzt werden und Platz für ein Bienenhotel oder Vogelhäuschen findet sich eigentlich immer. Die meisten Unternehmen haben durchaus Flächen, die sie nicht benötigen, und die sie der Natur überlassen könnten. Die Schweizer Stiftung Natur & Wirtschaft hat deshalb in ihren Kriterien festgelegt, dass Areale als naturnah zertifiziert werden können, wenn 30% der nicht mit Gebäuden bebauten Fläche naturnah gestaltet und gepflegt sind. Die Potentialstudie zeigt, dass dies realistisch und für die internationale Bodenseeregion möglich ist:

„30% naturnah“ – ein ambitioniertes aber realistisches Ziel

Die Potentialstudie rechnet vor, das in Vorarlberg, Thurgau und den Landkreisen Konstanz, Bodenseekreis, Ravensburg und Lindau rund 6.100 ha Firmenareale bestehen. Davon sind rund 1.650 ha bebaut, 2.570 ha versiegelt und 1.900 ha sind offen gehalten. Allein durch Flächenentsiegelung, Aufwertung von Baulandreserven und Dachbegrünungen ließen sich laut Studie rund 2.160 ha Fläche ökologisch aufwerten, d.h. die Schaffung von 2.160 ha wertvoller naturnaher Flächen in Siedlungsgebieten! Die Studie belegt, dass mit dem Potential in der Bodenseeregion sogar erheblich mehr als 30% der Firmenareale entsprechend der Kriterien der Stiftung Natur und Wirtschaft biodiversitätsfreundlich gestaltet werden könnten.

Firmenareale in der Bodenseeregion naturnah gestalten: Wie geht es weiter?

Die Bodensee-Stiftung bietet privaten und öffentlichen Unternehmen kostenlose Erstberatungen für die naturnahe Gestaltung ihres Firmenareals. Innovative Unternehmer wie zum Beispiel Kneissler Brüniertechnik aus dem Deggenhausertal, oder Vaude aus Tettnang – geben ihre praktischen Erfahrungen weiter und tragen dazu bei, Betriebe zu motivieren. Auch Kommunen sollten auf ihren eigenen Liegenschaften und den Flächen der kommunalen Betriebe mit gutem Beispiel vorangehen und Gründächer und naturnahe Wiesen zum Standard machen – was sich in diesem Fall auch wirtschaftlich darstellen lässt: naturnah ist weniger pflegeintensiv und widerstandsfähiger. Und natürlich sollten Kommunen auf „ihre“ Unternehmen zugehen, Beratung anbieten und wenn möglich auch finanzielle Anreize schaffen.

Neben der Erstberatung bietet die Bodensee-Stiftung vertrauliche „Biodiversity -Checks“ an. Diese Checks gehen über die Gestaltung der Firmenareale hinaus und analysieren, welche Berührungspunkte ein Unternehmen mit biologischer Vielfalt hat und welche Maßnahmen ergriffen werden können, um negative Wirkungen zu reduzieren. „Meistens führen die Checks zu einem „Aha“ Erlebnis bei den Unternehmen, die sich bisher noch keine Gedanken gemacht haben, welche Auswirkungen oder Abhängigkeiten bestehen“, erklärt Marion Hammerl, Geschäftsführerin der Bodensee-Stiftung.

Die IHK und der DGB Bodensee-Oberschwaben gehören zu den Unterstützern der Initiative. Prof. Jany, Geschäftsführer der IHK, unterstrich gestern die Bedeutung der Umweltqualität als wichtiger Standortfaktor (Platz 6 von 29 Faktoren). Naturnah gestaltete Firmenareale können einen wichtigen Beitrag dazu leisten, dass sich die als „top“ bewertete Umweltqualität in der Bodenseeregion noch weiter verbessert und wichtige „Dienstleistungen“ der Natur erhalten bleiben. „In Zeiten, wo Arbeit als Stressfaktor Nr. 1“ genannt wird, trägt die naturnahe Gestaltung zur Entschleunigung und damit zu einer besseren Arbeitsatmosphäre bei“, so Gottfried Christmann vom DGB.

Naturnahe Gestaltung von Firmenarealen: Gut für die biologische Vielfalt, gut für den Menschen und gut für den Wirtschaftsstandort Bodensee!

 

Weitere Informationen

Internetquellen:

-        Infoblatt „naturnahe Firmenareale“: http://www.bodensee-stiftung.org/sites/default/files/Infoblatt%20-%20Naturnahe%20Firmenareale.pdf

-        Infoblatt „Biodiversitäts-Checks“: http://www.bodensee-stiftung.org/sites/default/files/Infoblatt%20Biodiversit%C3%A4ts%20Check.pdf

Ansprechpartner:

Bodensee-Stiftung, Sven Schulz, Dr. Kerstin Fröhle

Fritz-Reichle-Ring 4, 78315 Radolfzell

Tel. +49 (0)7732-9995-40, Fax + 49 (0)7732-9995-49

sven.schulz@bodensee-stiftung.org

kerstin.froehle@bodensee-stiftung.org

 

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