Immer mehr Blühflächen im Tafelobstbau am Bodensee

Gemeinsames Projekt von REWE Group, Obst vom Bodensee und Bodensee-Stiftung entwickelt sich gut – Schon 75 Betriebe machen mit

Was im vergangenen Jahr als kleines Projekt mit zehn engagierten Obstbauern am Bodensee begann, hat sich inzwischen sehr dynamisch weiter entwickelt. Mittlerweile machen 75 Obstbaubetriebe am nördlichen Bodenseeufer mit und legen unterschiedliche Blühflächen an. Insgesamt lassen es die Obstbauern in diesem Sommer auf 20 Hektar blühen. Dazu wurden bereits 60 Nisthilfen für Wildbienen, sogenannte Wildbienenhotels, aufgestellt, die in einer Werkstätte der St. Gallushilfe der Stiftung Liebenau und in den Weissenauer Werkstätten für berufliche Reintegration gebaut werden. Michael Winstel, bei der WOG Raiffeisen zuständig für Beratung und Qualitätsmanagement, freut sich über die positive Entwicklung: „Letztes Jahr ging es vor allem darum, die Blühmischungen und andere Maßnahmen auf ihre Tauglichkeit in der Obstbaupraxis zu testen. Für dieses Jahr wollten wir dann weitere Betriebe zum Mitmachen bewegen. Dass sich dann gleich 75 Betriebe gemeldet haben, macht uns stolz, weil es zeigt, dass die Obstbauen bereit sind, etwas für den Naturschutz am Bodensee zu leisten. Unser Projekt bringt bereits im zweiten Jahr spürbar mehr Farbe und Vielfalt in die Bodenseelandschaft.“ Weitere 17 Betriebe in der Region Neckar-Hohenlohe nehmen ebenfalls am Projekt teil, deren Obst von der Obst vom Bodensee Vertriebsgesellschaft mit vermarktet wird.

Der Schwerpunkt der Maßnahmen liegt darauf, das Nahrungsangebot für Blüten besuchende Insekten wie Honig- und Wildbienen, Hummeln und Schmetterlinge zu verbessern. Auch neue Lebensräume sollen geschaffen und damit insgesamt die biologische Vielfalt erhalten werden. Aus Sicht der Obstbauern ist das auch aktives Bestäubungsmanagement, schließlich sind sie auf eine hohe Bestäubungsqualität in ihren Obstkulturen angewiesen. Mittlerweile informieren Feldschilder die Radfahren und Spaziergänger am Rande der Blühflächen über die ökologischen Hintergründe und Ziele der Blühflächen. „Wir wollen, dass die ökologischen Leistungen der Obstbauern bei Einheimischen und Feriengästen wahrgenommen und verstanden werden. Denn im Rahmen unseres Projekts Netzwerk Blühender Bodensee sind die Obstbauern flächenmäßig mittlerweile die stärksten Umsetzer. Ihre Erfahrungen speziell mit mehrjährigen Blühflächen können wir auch an andere Landwirte und an Kommunen weitergeben. Und wir hoffen, dass im nächsten Jahr noch weitere Betriebe und Flächen dazu kommen.“, so Patrick Trötschler, stellvertretender Geschäftsführer bei der Bodensee-Stiftung, der das Projekt von Seiten des Naturschutzes begleitet.

Wichtig ist den Naturschützern aber, dass sich der Tafelobstbau aber generell noch stärker in Sachen Nachhaltigkeit engagiert. Deshalb nehmen ab Herbst ausgewählte Obstbaubetriebe am EU-Projekt „Mehr Klimaschutz in der Landwirtschaft“ der Bodensee-Stiftung teil, bei dem darum geht, die einzelbetriebliche Klimaschutzbilanz zu verbessern.

Der Impuls zum gemeinsamen Pilotprojekt kam von REWE Group. Im Zuge der Umsetzung der konzerneigenen Nachhaltigkeitsstrategie wird auch das Sortiment der REWE Group, insbesondere bei den Vertrieblinien REWE und PENNY nachhaltiger gestaltet. Das Projekt im Obstbau war das erste seiner Art in Deutschland und hat mittlerweile bundesweiten Modellcharakter. So werden auch die anderen Obstanbaugebiete in Deutschland demnächst mit der Umsetzung vergleichbarer Maßnahmen starten. REWE-Pressesprecher Marco Sandner lobt die Pionierarbeit am Bodensee: „Die nachhaltigere Gestaltung des Sortiments ist eines unserer vorrangigen Ziele bei der REWE Group. Das gemeinsame Projekt mit der Bodensee-Stiftung und der Vertriebsgesellschaft Obst vom Bodensee hat gezeigt, dass auch in herkömmlichen Produkten viel Potential für eine umweltfreundlichere Produktionsweise liegt. Diese Erfahrungen können wir jetzt in anderen Anbaugebieten gut nutzen.“

Weiterhin erklärt Marco Sandner, wie die Naturschutzleistungen der Obstbauern vom Bodensee den Kunden vermittelt werden: „Die Äpfel tragen das ProPlanet-Label, mit dem wir unseren Kunden eine Orientierungshilfe für nachhaltigere Produkte geben. Mittlerweile tragen schon bis zu 80 Artikel das Label. Die REWE Group kommt damit dem Ziel, nachhaltigere Produkte für den Massenmarkt zu entwickeln, kontinuierlich näher. Äpfel haben im deutschen Lebensmittelhandel traditionell ein hohes Umsatzvolumen. Entsprechend bewirken viele kleine Schritte in der Produktion von ProPlanet-Äpfeln in der Summe große Effekte für Umwelt und Natur.“


Das Pilotprojekt im Obstbau passt sehr gut in das Projekt „Netzwerk Blühender Bodensee“ der Bodensee-Stiftung. Angesichts dramatischer Rückgänge bei den heimischen Wildbienenarten und hoher Bienenverluste in den letzten Jahren wird deutlich, dass die Landschaft aus dem Gleichgewicht geraten ist. Mittlerweile zählt das Netzwerk 38 Mitglieder (Landkreise, Städte und Gemeinden, Landwirte, Erzeugergemeinschaften und Regionalmarken, Imker, Unternehmen und Naturschutzgruppen). Insektenfreundliche Maßnahmen auf über 64 Hektar sind eine positive Zwischenbilanz nach zwei Jahren. Gefördert wird das Netzwerk Blühender Bodensee von PLENUM Westlicher Bodensee, Landkreis Bodenseekreis, Sparkasse Singen-Radolfzell, Global Nature Fund und Reckitt-Benckiser sowie der Deutschen Umwelthilfe.

Hier der Link zum Beitrag auf SWR4.