Bodensee-Stiftung startet EU-Projekt für mehr Klimaschutz in der Landwirtschaft

Drei Tage lang haben sich Landwirtschafts-experten aus Baden-Württemberg, Frankreich und Niederösterreich intensiv mit dem Klimaschutz in der Landwirtschaft beschäftigt. Die Bodensee-Stiftung hatte im Rahmen ihres neuen EU-Projekts „AgriClimateChange – mehr Klimaschutz in der Landwirtschaft“ landesweit zu einem Trainingskurs eingeladen. Im Mittelpunkt stand die Vorstellung und Anpassung eines Programms zur Berechnung von Energieverbrauch und Treibhausgasemissionen von landwirtschaftlichen Betrieben. Das Programm wurde vom Institut SOLAGRO in Toulouse entwickelt und wurde in Frankreich in den letzten Jahren bereits auf über 3700 Bauernhöfen eingesetzt. Dazu gab es auch praktische Einblicke bei der Exkursion zum Haettelihof in Konstanz, mit dessen Daten die Teilnehmer die ersten Berechnungen durchgeführt hatten.

Die Bodensee-Stiftung hatte das Programm bereits übersetzt und angepasst. Beim Trainingskurs wurde nun den Fachleuten von Landesforschungseinrichtungen und Agrarbehörden die Methodik zur Brechnung der landwirtschaftlichen vorgestellt. Dabei konnten noch offene Fragen geklärt und einige Begrifflichkeiten an die landwirtschaftliche Praxis angepasst werden. Auf besonderes Interesse bei den Kursteilnehmern stieß die inhaltliche Erweiterung des Programms gegenüber den älteren Versionen. Erstmalig kann damit neben dem Energieverbrauch auch der Ausstoß von Treibhausgasen wie Methan oder Lachgas für einen Hof berechnet werden.

„Ab Mai werden wir in den ersten Pilotbetrieben damit beginnen, den Energieverbrauch und die Treibhausgasemissionen zu berechnen. Auf der Grundlage der Ergebnisse können wir dann gemeinsam mit den Betriebsleitern Maßnahmen entwickeln und Schritt für Schritt umsetzen. Schließlich wollen wir die Klimaschutzbilanz der Betriebe um 10 bis 40 Prozent verbessern.“, erklärt Volker Kromrey von der Bodensee-Stiftung die weitere Vorgehensweise und die konkrete Zielsetzung des Vorhabens.

Die EU-Kommission fördert das Projekt mit Mitteln aus dem Naturschutzprogramm LIFE+. Die spanische Naturschutz-Organisation Fundacion Global Nature koordiniert das europaweite Projekt, das Ende 2013 abgeschlossen sein soll. Die Bodensee-Stiftung ist Projektpartner für die Umsetzung in Baden-Württemberg. Weitere Projektpartner kommen aus Italien, Frankreich und Spanien. Im Rahmen des Projekts werden insgesamt 120 betriebliche Maßnahmenpläne umgesetzt. Aus diesen praktischen Erfahrungen werden dann Empfehlungen abgeleitet und die wesentlichen Ergebnisse werden der EU-Kommission in Brüssel vorgestellt. Wichtig ist den Projektpartnern auch eine gezielte Öffentlichkeitsarbeit, um mehr Landwirte aber auch Verbraucher über die Zusammenhänge zwischen Landwirtschaft und Klimaschutz zu informieren. Aktuell erstellt deshalb die Bodensee-Stiftung eine mehrsprachige Wanderausstellung. Ebenso sind mehrere Fachveranstaltung auf Landes- und EU-Ebene geplant.

Insgesamt wird die Bodensee-Stiftung in den kommenden drei Jahren diesen Klimaschutz-Check für 24 Pilotbetriebe durchführen und anschließend Maßnahmenpläne entwickeln und umsetzen. Neben klassischen Bauernhöfen machen auch Betriebe aus dem Obst- und Gartenbau sowie Höfe mit Biogasanlagen mit. Gerade hier ist die Zusammenarbeit mit den Beratungsdiensten und Fachverbänden besonders wichtig. „Wir freuen uns, dass das Interesse der Landwirtschaft da ist. Einerseits ist die Landwirtschaft Mitverursacher des Klimawandels, andererseits ist sie auch stark betroffen davon. Und unser Projekt zielt ja auch darauf ab, dass die Landwirte Energie einsparen. Mittelfristig können sie damit auch Geld sparen.“, erklärt Patrick Trötschler von der Bodensee-Stiftung eine der Motivationen der Landwirte.

Mehr Informationen im Internet unter www.agriclimatechange.eu