Angie! Aaaaaaaaannnnnnngieeee!

Und mal wieder eines dieser hochgehängten Ereignisse: jede Menge Prominenz versammelte sich letzten Montag in Berlin. Es war nämlich wieder mal Zeit, ein wenig auf Nachhaltigkeit zu machen, es stand die Jahreskonferenz des Rates für nachhaltige Entwicklung an. Zwischen all den Großkopferten auch ich. Es wurde durchaus einiges geboten: Unter den Referenten waren unter anderem auch der UN Sonderbeauftrage für das Recht auf Ernährung und der Direktor der UNEP. Beide hielten übrigens gute Vorträge, inspiriert und mit Überzeugung. Außerdem habe ich endlich unsere Kanzlerin live und in Farbe gesehen - was ich nach ihrer Rede doch eher ein zweifelhaftes Vergnügen fand: Unsere Kanzlerin hielt eine handwerklich sehr gut gemachte Rede, die um alle heissen Eisen und echten Bekenntnissen zur Nachhaltigkeit so gekonnt vorbeischiffte, dass ihr am Ende dann niemand vorwerfen konnte, nicht dazu geredet zu haben. Geredet wohlgemerkt, denn gesagt hat sie nichts! Frau Merkel hat da das Maximum rausgeholt: Ein wenig über alles geplaudert, wenig gesagt, am Ende den Anstandsapplus abgeholt.

Ins Absurde glitt die Veranstaltung ab, als Hans-Peter Repnik nach der Rede eine Art "Laudatio" hielt auf die Kanzlerin... Eine Lobeshymne, die Frau Merkel als Vorkämperin der Nachhaltigkeit hinstellte - sehr unangenehm und schlichtweg unangemessen. Ich gebe zu, dass ich mich fremdgeschämt habe - immerhin hat der Mann ja seine Wurzeln auch in der Bodenseeregion. Das Publikum hat das auch entsprechend quittiert: als Herr Repnik eine Text vom Stapel ließ wie "kaum jemand hat Nachhaltigkeit so tief in seinen Lebenslauf eingeschrieben wie Frau Merkel" (so oder so ähnlich ging der Text) kam ein einzelner, extrem dreckiger Lacher aus dem Plenum.

Der latente Ärger brach sich in der abschließenden Podiumsdiskussion Bahn. in der von Nikolaus Brender hervorragend moderierten Diskussion kam die Frage auf, wie der Dialogprozess zur Fortschreibung der Nachhaltikgkeitsstrategie denn genau gestaltet sei: Wer würde das denn lesen, wer würde drauf antworten, und was genau passiert denn mit dem Input der Bürger? Brender fragte nach und das Publikum machte klar, was es von Antworten wie "das wird dann gesammelt und ausgewertet" hält. Ähnlich empört war die Reaktion des Publikums, als das Gespräch dann auf das Thema Energie kam. Bei aller Liebe: Wenn der Vorsitzende des Rates für nachhaltige Entwicklung (Herr Repnik) und der Vorsitzende des parlamentarischen Beirats für nachhaltige Entwicklung (Herr Jung) versuchen mir das Energiekonzept der Bundesregierung schön zu reden - da hakt es dann aus.

Nach einigen Veranstaltungen in diesem Jahr, die Themen wie Klimawandel und Nachhaltigkeit in den Fokus rücken, teilweise mit erheblicher Unterstützung durch politische Prominenz, kann ich mich des Eindrucks nicht erwehren, dass Klimaschutz und Nachhaltigkeit ausschließlich als Instrumente für Stimmenfang verstanden werden: Die Bürger erwarten sowas, also macht man da mal was... ohne natürlich "die Menschen zu überfordern".

 

 

 

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