Bioenergie-Region Baikalsee?

Der kleine Bodensee als Vorbild für den größten Trinkwasserspeicher der Welt?

Ende August durfte ich zu einer Konferenz am Baikalsee fliegen, um über die Chancen der Biomassenutzung für eine nachhaltige Regional-Entwicklung zu sprechen. Regional-Entwicklung bekommt in Sibirien eine etwas andere Bedeutung, da schon alleine die Republik Burjatien in etwa die Größe Deutschlands hat und der Baikalsee die Größe Belgiens.

 

 

 

 

Diese vom GNF in Zusammenarbeit mit den lokalen Partnerorganisationen GRAN und FIRN organisierte Konferenz wurde vom deutschen Bundesumweltministerium gefördert und fand anlässlich der 10-jährigen Living-Lakes Partnerschaft mit dem Baikalsee statt.

Nun flog ich also beinahe an das andere Ende der Welt, um dort die Heilsbotschaft vom Bodensee zu verkünden und die Bioenergie-Region Bodensee dort vorzustellen. Da stellte ich mir als überzeugter Öko doch schon ein paar Fragen: Wie viel fossile Energie muss denn durch Bioenergieprojekte eingespart werden, um alleine meinen Flug wieder zu kompensieren? Was von unseren Erfahrungen ist denn überhaupt am Baikalsee anwendbar? Gibt es vor Ort überhaupt ein Interesse an regenerativer Energie aus Biomasse?

Diese und noch so einige andere Fragen waren ein zusätzlicher Ansporn, die Reise nicht nur als Abenteuer und willkommene Abwechslung vom Büroalltag zu sehen, sondern neben einer guten Vorbereitung auch mit viel Elan und Kreativität vor Ort nach Möglichkeiten zu einer Umsetzung zu suchen.

Ich musste mich jedoch noch ein wenig gedulden….nach unserer langen, langen Anreise (ab Moskau fliegt man noch mal etwa 7 Stunden) wurde ich erstmal von der Gastfreundschaft der Burjaten in Beschlag genommen. Ein kurzer Tag in Ulan-Ude und dann über Nacht mit der Transsibirischen Eisenbahn wieder ein Stück zurück nach Westen. Die anschließenden drei Tage verbrachten wir in der bergigen Oka-Region, direkt an der Grenze zur Mongolei und beschäftigten uns mit nachhaltigem Tourismus. Allein das Heulen der Wölfe gleich hinter dem Dorf lässt einem das Herz schneller schlagen.

Erste Ideen zur Biomassenutzung kamen mir sehr schnell. Die Energiepreise sind hoch, da es ein Monopol eines großen Anbieters aus Irkutsk gibt und der Heizbedarf ist aufgrund der sibirischen Winter ebenfalls hoch. Holz ist im Überfluss vorhanden und ein Nahwärmenetz zu verlegen wäre aufgrund des fehlenden Straßenbelags auch nicht so schwierig. In den folgenden Tagen der Konferenz zeigte sich deutlich, dass mein kleiner Vortrag auf großes Interesse gestoßen war und das Potenzial besonders im Bereich der Sägeabfälle enorm ist. Trotz dem großen Potenzial zur regionalen Bioenergieerzeugung und -nutzung insbesondere in den abgelegenen und relativ unerschlossenen Gebieten Sibiriens ist die Bioenergie in der gesamten Russischen Föderation bisher noch ein sehr unterentwickelter Wirtschaftszweig. Erfahrungen mit moderner Bioenergietechnik sind kaum vorhanden und wenn eine rasche Entwicklung in diesem Bereich einsetzen soll, dann sollte der Knowhow-Transfer aus Deutschland auf jeden Fall zügig aufgenommen werden.

Ich hatte einige Gespräche mit unterschiedlichen Akteuren aus NGOs und auch aus der Politik die mich darin bestärkt haben, dass die dezentrale Bioenergienutzung ein wichtiger Baustein zu einer nachhaltigen Entwicklung in der Baikalregion werden kann. Gemeinsam mit unseren Partnern vor Ort will ich nun versuchen, ein erstes Pilotprojekt, wie etwa die Versorgung einer Schule oder eines kleinen Hotels, zu realisieren und den Austausch und Transfer von Expertise und Erfahrung zwischen Deutschland und Burjatien voranzutreiben. Das Netzwerk der Bioenergie-Region Bodensee kann mich bei vielen Fragen sicherlich aktiv und kompetent unterstützen und vereinfacht den Zugang zu der vorhandenen Expertise in der Region.

Also kann ich abschließend schon sagen, dass ich den Rückflug entspannter angetreten habe als meinen Hinflug, auch wenn ich noch immer nicht weiß, wie viel Energie nun eigentlich in meinem Flug steckte. Neben der für uns obligatorischen Kompensation a la atmosfair, hoffe ich doch sehr darauf, dass das Ganze einen positiven Anstoß hin zu mehr regenerativer Energie auch in Sibirien gegeben hat.

 

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