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Informatives Dialogforum "Klimaschutz ist Bauernschläue"

Am Dienstag, den 03.12.2013 trafen sich rund 20 Experten aus Landwirtschaft, Naturschutz und Forschung in Stockach, um gemeinsam über Klimaschutz in der Landwirtschaft zu diskutieren. Im Zentrum des Dialogforums stand der Austausch über aktuelle Projekte in der Bodenseeregion. Welche Erfahrungen wurden bisher bei der Beratung von landwirtschaftlichen Betrieben zu den Themen Energie und Klimaschutz gesammelt und welche Wege führen zu einer klimaschonenden Landwirtschaft in der Bodenseeregion?

Anlässlich des Abschlusses von „AgriClimateChange – Mehr Klimaschutz in der Landwirtschaft“, einem dreijährigen EU-LIFE + Projekt, lud die Bodensee-Stiftung aus Radolfzell lokale und überregionale Vertreter  zu dem Dialogforum nach Stockach ein. Einig waren sich alle Teilnehmer darin, dass die Bestrebungen für eine klimafreundliche Produktion von Nahrungsmitteln verstärkt werden müssen. Es wurden aber auch Punkte aufgezeigt, an denen sich Meinungen gegenüberstehen und Lösungswege erarbeitet werden müssen.

Kurzreferate von sechs Referenten gaben einen umfangreichen Einblick in aktuelle Arbeiten und geplante Vorgehensweisen. Zu Beginn präsentierte Antje Föll von der Bodensee-Stiftung Energieverbräuche und Treibhausgasemissionen von 24 Landwirtschaftsbetrieben, überwiegend aus der Bodenseeregion, die seit drei Jahren im Rahmen des EU-Projekts eine klimafreundlichere Landnutzung anstreben. Im Anschluss folgten Beiträge von Dr. Dominikus Kittemann (Kompetenzzentrum Obstbau-Bodensee)  über eine effiziente Lagerung und Kühlung von Obst sowie von Maximilian Dendl (IBK-Arbeitsgruppe Landwirtschaft und Umwelt) über die Anpassung des landwirtschaftlichen Sektors in der internationalen Bodenseeregion an den Klimawandel.  Bernadette Oehen (Forschungsinstitut für biologischen Landbau, Fibl) erläuterte in ihrem Vortrag unter anderem die Wirtschaftlichkeit von landwirtschaftlichen Klimaschutzmaßnahmen und Landwirt Toni Meier (AgroConcept Flaachtal) berichtete von der Motivation der Landwirte im Kanton Zürich, ihre regionale Landwirtschaft durch klimafreundliche Wirtschaftsweisen zu stärken. Des Weiteren eröffnete Gabriel Baum (Landesanstalt für Entwicklung der Landwirtschaft und der Ländlichen Räume Schwäbisch Gmünd, LEL) einen Blick auf den Stellenwert von Klimaschutzmaßnahmen in der Neuausrichtung der landwirtschaftlichen Beratung des Landes Baden-Württemberg.

In der anschließenden Diskussion sprach die Runde unter anderem über Vor- und Nachteile einer Klimaschutz-Zertifizierung. Bestehende Labels und Standards in der Lebensmittelbranche können auf ihre Klimawirksamkeit geprüft und bei Bedarf ergänzt werden. Die Gruppe erörterte auch verschiedene Optionen, um neben den Landwirten auch Verbraucher und Dienstleister für mehr Klimaschutz zu sensibilisieren und diskutierte neue Ideen, um die Landwirte vom Nutzen klimafreundlicher Bewirtschaftungsmaßnahmen zu überzeugen.

Volker Kromrey von der Bodensee-Stiftung resümierte anschließend: „Die Bodensee-Stiftung wird sich weiterhin für mehr Klimaschutz in der Landwirtschaft einsetzen. Insbesondere in den Bereichen Information und Beratung sowie in der Ausbildung von Junglandwirten gibt es noch viel zu tun. Wir stehen erst am Anfang einer positiven Entwicklung zu klimaschonenderen Wirtschaftsweisen. Ich bin überzeugt, dass wir gemeinsam mit den Landwirten in der internationalen Bodenseeregion in den nächsten Jahren weitere Fortschritte machen werden.“

Seit November 2013 ist der Leitfaden „Klimaschutz in der EU-Landwirtschaft – Energiebilanzen, Treibhausgasbilanzen und Klimaschutzmaßnahmen auf Betriebsebene“ erschienen. Darin werden die Resultate und Handlungsempfehlungen des Projekts AgriClimateChange dargestellt. Einer kurzen Einführung über das Projekt und dem Tool ACCT folgen die Resultate der Betriebserhebungen nach Betriebstypen. Die durchgeführten Klimaschutzmaßnahmen werden in einer Übersicht aufgelistet und besprochen. Bei den anschließenden Fallbeispielen handelt es sich um Pilotbetriebe aus den vier Projektländern. Das Handbuch steht als kostenfreier Download unter www.agriclimatechange.eu zur Verfügung oder kann bei der Bodensee-Stiftung angefordert werden.

Die EU-Kommission fördert das Projekt AgriClimateChange mit Mitteln aus dem Naturschutzprogramm LIFE+. Weitere Unterstützer sind das Ministerium für Verbraucherschutz und Ländlicher Raum Baden-Württemberg, der demeter-Landesverband Baden-Württemberg, die Bioenergie-Region Bodensee und die Sparkasse Singen-Radolfzell. Die spanische Naturschutz-Organisation Fundacion Global Nature koordiniert das europa­weite Projekt, das Ende 2013 abgeschlossen sein soll. Die Bodensee-Stiftung ist Projektpartner für die Umsetzung in Baden-Württemberg. Weitere Projektpartner kommen aus Italien, Frankreich und Spanien.

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