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Energie aus buntblühenden Wildpflanzen im Schwarzwald-Baar-Kreis

Während in Brüssel noch über die Ausrichtung der europäischen Landwirtschaft nach 2014 diskutiert wird, macht die Bioenergie-Region Bodensee und Schwarzwald-Baar beim Workshop „Biogas aus Wildpflanzen“ Nägel mit Köpfen.

Die enge Zusammenarbeit der Bioenergie-Region Bodensee mit der Partnerregion Schwarzwald-Baar ermöglichte am 26.02.2013 in Bräunlingen eine Veranstaltung, bei der Vertreter aus Landwirtschaft, Imkerei, Jagd und Forst, Natur- und Umweltschutz, Behörden und weitere Interessierte zahlreich zusammen kamen. Die Idee, Wildpflanzen als Biogassubstrat anzubauen, bot reichlich Gesprächsstoff und füllte vier volle Stunden. Dass sich die Arbeit gelohnt hat, wird im Sommer im Schwarzwald-Baar-Kreis sichtbar sein.

Die Organisatoren des Workshops, Volker Kromrey und Antje Föll von der Bodensee-Stiftung und Otto Körner vom Fachverband Biogas e.V. brachten erstklassige Referenten und aufmerksame Teilnehmer an einen Tisch. Eingangs berichteten Michael Baldenhofer (Regionalmanager), Michael Roth (Landwirt) und Dr. Karlheinz Störzer (Kreisjägermeister) von ihren Erfahrungen, die sie derzeit mit dem Anbau von Wildpflanzen in  der Bodenseeregion machen. Sie beleuchteten die vielen verschiedenen Facetten der Kultur und ihre Wirkung auf Ökonomie, Ökologie und die Öffentlichkeit. Die Kurzvorträge aus Sicht der jeweiligen Interessensvertreter motivierten die Teilnehmer, die Idee des Wildpflanzenanbaus zu hinterfragen. Vor- und Nachteile von Wildpflanzen gegenüber dem gängigen Biogassubstrat Mais wurden gemeinsam erörtert, praktische Fragen zu Aussaat- und Erntetechnik beantwortet und rechtliche Rahmenbedingungen abgesteckt.

Hauptredner Werner Kuhn, Initiator der Projekts „Energie aus Wildpflanzen“ und Berater für das Netzwerk Lebensraum Feldflur griff die Interessen der Teilnehmer auf und erläuterte eingehend die Chancen, die mit dem Anbau von Wildpflanzen einhergehen. Für Kuhn, einen erfahrenen Landwirt und Jäger, sind Wildpflanzen eine wertvolle Ergänzung zu bestehenden Anbausystemen: „Sie ermöglichen, auf  einfache, ökologisch verträgliche Weise Energie zu gewinnen, erhöhen die Arten- und Biotopvielfalt der Agrarlandschaft und führen zu einer Aufwertung des Landschaftsbilds.“ Die Biogasausbeute und die Wirtschaftlichkeit der Kultur müssen laut Kuhn zwar noch weiter erforscht werden, doch erste Ergebnisse sind vielversprechend. Wildpflanzen, die über einen Zeitraum von fünf Jahren jährlich geerntet werden, müssen den Vergleich mit Mais nicht scheuen. 

Die Abschlussdiskussion, die Otto Körner gekonnt führte, ließ erkennen, dass auch die Teilnehmer die Potenziale des Wildpflanzenanbaus als Biogassubstrat sehen und im Schwarzwald-Baar-Kreis nutzen wollen. Verschiedene Landwirte haben spontan zugesagt, im Frühjahr auf einem Teil ihrer Fläche mehrjährigen Blühmischungen auszusäen, die im Sommer Bienen, Schmetterlingen und vielen anderen Tieren Nahrung und Lebensraum bieten und nach der Ernte in den vorhandenen Biogasanlagen energetisch verwertet werden. Bewohner und Besucher des Schwarzwald-Baar-Kreises profitieren von den optischen Vorzügen der Blühwiesen und können die Entwicklung des bunten Energiepflanzenmix im Laufe der Jahre miterleben. Der bei der Abschlussdiskussion anwesende Experte für Wildpflanzen-Saatgut Stefan Zeller bestätigte die Dynamik der Wildpflanzenbestände: „Während Sonnenblumen und Malven im ersten Jahr dominieren, treten im darauffolgenden Jahr zweijährige Arten wie Natternkopf und Rainfarn in den Vordergrund.“ Ab dem dritten Jahr wachsen vermehrt Wildstauden, die sich hinsichtlich der Gaserträge dem Mais weiter annähern.

Die Erzeugung von Biogas aus Wildpflanzen startete in der Bioenergie-Region Bodensee im Jahr 2011, umfasst dort inzwischen über 50 ha und wird nun mit der Partnerregion Schwarzwald-Baar-Kreis weiterentwickelt. Der Vorsitzende des BiogasFörderVereins Schwarzwald-Baar-Heuberg e.V., Harald Kiefer, schaffte mit der Zusage, bei der Anlage von Energie-Wiesen in diesem Jahr einen Teil der Saatgutkosten zu übernehmen, einen attraktiven Anreiz. Die Betreuung des Projekts erfolgt durch die Bodensee-Stiftung, die mit Unterstützung der Landwirte, des Kreisimkerverbandes, des Landesnaturschutzverbandes und anderer Akteure die Umsetzung begleitet. Bereits während der Veranstaltung konnten knapp 10 ha Fläche für den Wildpflanzenanbau gewonnen werden. Um jede Biogasanlage im Schwarzwald-Baar-Kreis mit einem Hektar Wildpflanzen zu bereichern, sollte die Region den Anbau von Wildpflanzen auf insgesamt rund 40 ha anstreben. Für dieses ehrgeizige Ziel braucht es die Unterstützung von allen Beteiligten, auch der breiten Öffentlichkeit. Die Teilnehmer des Workshops in Bräunlingen gehen nun mit bestem Beispiel voran. Die Bodensee-Stiftung bedankte sich bei den Referenten für Ihr großes Engagement mit einem Zertifikat über 10 m² Wildpflanzen. 

Weitere Informationen über das Projekt der Bioenergieregion Bodensee/Schwarzwald-Baar erhalten Sie bei Antje Föll, Bodensee-Stiftung, Fritz-Reichle-Ring 4, 78315 Radolfzell (Tel.: 07732 – 999540; Email: antje.foell@bodensee-stiftung.org). www.bioenergie-region-bodensee.de

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Der Projektstart wurde an verschiedenen Stellen in der Presse publik gemacht.

Badische Bauern Zeitung: 23.März 2013 (pdf siehe unten) 

Badische Zeitung: 05. März 2013

Stadt+Werk: 05. März 2013

Schwarzwälder Bote: 02. März 2013

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Wildpflanzen_BadischeBauernZeitung.pdf239.37 KB
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