Wildpflanzen sind in den Startlöchern

Landwirte in der Bioenergie-Region Bodensee/Schwarzwald-Baar-Kreis säen mehrjährige Wildpflanzen, um nachhaltig Biogas zu erzeugen.

Die öffentliche Aussaat von Wildpflanzen für Biogas in der Bioenergie-Region Bodensee/Schwarzwald-Baar-Kreis fiel auf die kalte Sophie, den letzten Tag der Eisheiligen. Heuer ist das weniger auf die Kälte als vielmehr auf die Regenmengen der letzten Woche zurückzuführen.

„Die Witterung bestimmt den Termin, an dem das Saatgut ausgebracht wird“, sagte Antje Föll von der Bodensee-Stiftung. Sie ist Regionalmanagerin der Bioenergie-Region Bodensee/Schwarzwald-Baar-Kreis und organisierte das Treffen des Netzwerks am Mittwoch auf dem Eichenhof in Bräunlingen. Dort nahmen Biogas-Landwirte aus der Region ihr bestelltes Wildpflanzen-Saatgut entgegen und diskutierten zusammen mit anderen Interessierten über die Aussaattechnik, das Pflegemanagement und den Beitrag der Wildpflanzen zu einer nachhaltigen Bioenergienutzung.

Der Anbau von mehrjährigen Wildpflanzenmischungen erfordert im Jahr der Aussaat erhöhte Aufmerksamkeit. Die Mischung wird einmal gesät und kann dann fünf oder mehr Jahre geerntet werden, da sie aus heimischen ein- und mehrjährigen Wild- und Kulturpflanzen sowie langlebigen Stauden besteht. „Die insgesamt 25 Pflanzenarten verfügen über ein breites Standortspektrum“, so Saatgutproduzent Stefan Zeller. Er erläuterte in Bräunlingen die Notwendigkeit, dass Saatgut nicht im Boden zu vergraben, sondern die leichten, lichtliebenden Saatkörner auf die Oberfläche zu säen. Bis die Wildstauden den vollen Biomasseertrag bringen können, dauert es etwa drei Jahre. In den ersten beiden Jahren dominieren ein- und mehrjährigen Pflanzen wie Sonnenblumen, Malven, Färbermargerite und Natternkopf die Bestände, bis sich dann im dritten Jahr Wildstauden wie Rainfarn, Flockenblume und Echter Eibisch etablieren.

Biogas-Landwirt Johannes Schwörer vom Eichenhof säte die Wildpflanzenmischung am Mittwoch auf 1,5 Hektar. Verläuft das erste Jahr erfolgreich, plant er für 2014 noch etwas mehr ein. „Wildpflanzenmischungen passen in mein bestehendes Betriebskonzept und vieles spricht dafür, es um diese Kultur zu ergänzen“, erklärt Johannes Schwörer. Die positiven Effekte der Pflanzen sind vielfältig. Schwörers Motivation für den Anbau fußt, wie auch die der anderen Biogas-Landwirte, vor allem auf der Erhöhung der Artenvielfalt, dem Angebot an Nahrung und Lebensraum für Tiere und der Bereicherung des Landschaftsbildes durch Blühaspekte.

Auf Initiative der Bodensee-Stiftung werden in der Bioenergie-Region Bodensee/ Schwarzwald-Baar-Kreis  in diesem Jahr auf zwölf Flächen Wildpflanzen angesät. Sieben Flächen gehören Biogas-Landwirten im Schwarzwald-Baar-Kreis und werden von ihnen bewirtschaftet. Unterstützt werden sie vom Fachverband Biogas e.V., vertreten durch Otto Körner und vom BiogasFörderVerein Schwarzwald-Baar-Heuberg e.V. Bevor aus den Pflanzen Biogas und schließlich Strom und Wärme gewonnen wird, vergeht noch einige Zeit. Nach der Aussaat müssen die Landwirte ihre Wildpflanzenfelder im Auge behalten, nur wenig düngen, aber auf Unkräuter achten. Die Verunkrautung machte auch den Wildpflanzen von Philipp Hofacker zeitweise zu schaffen, der diese bereits letztes Jahr aussäte. Doch sein Bestand erholte sich und erreichte vollen Blütenstand im letzten Sommer und eine zufriedenstellende Ernte im Herbst. Nun sind die Wildpflanzen im zweiten Jahr und zeigen bereits wieder erste Blüten. „Das Feld hat sich sehr gut entwickelt“, urteilte Stefan Zeller.

Im Sommer lädt die Bioenergie-Region Bodensee/Schwarzwald-Baar-Kreis erneut ein, um Ihnen Blüten und Insekten in der Wildpflanzenmischung zu zeigen und erste Erfahrungen mit der Kultur zu diskutieren.

Biogas-Landwirt Johannes Schwoerer aus Bräunlingen berichtet über seine Motivation für den Anbau von Wildpflanzen

Biogas-Landwirt Johannes Schwörer aus Bräunlingen berichtet über seine Motivation für den Anbau von Wildpflanzen. Foto: Bodensee-Stiftung

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