Zombie-Party in Konstanz...

Zombies sind ja gerade voll "in": Nicht nur die Fernsehserie "Walking Dead" jagt uns Schauer über den Rücken - auch in Konstanz gibt es "Zombies" - einer davon ist wirklich hartnäckig und bisher hat sich nicht der Superheld gefunden, der dem Spuck ein für alle mal ein Ende bereitet. Das "KKH" feiert gerade seine Wiederkehr in Form einer Petition auf openpetition.de. "Rettet das Döbele-Areal in Konstanz" heisst die Petition und die Macher haben auch schon eine Zeichnung und genaue Aufstellung, was alles geboten werden soll: Konzerthalle, City-Hotel und (welch Überraschung!) Parkplätze.

Die Fürsprecher in der angehängten Diskussion sind sich einig: Viel zu schade für Wohnraumbebauung - man kann eine Stadt schließlich auch kaputtbauen! Nein, nein. Gefordert wird, das Döbele-Areal als " 'öffentlichen Raum' für Kultur- und Tourismusdienstleistungen" zu retten. Manch einer wird da hoffen, nachdem es mit der Konzerthalle mit Seeblick schon nicht geklappt hat, wenigstens noch eine "Sparvariante" durchzusetzen.

Als Konstanzer, der recht zentral wohnt, kommt mir da das kalte Grausen: Erstmal ist eine Stadt zuerst für die Menschen da, die dort auch wohnen. Wohnraum scheint mir da doch eine recht essentielle Sache, die wohl kaum eine Verschwendung darstellt. Wenn ich höre, dass man Kultur- und Tourismusdienstleistungen auf's Döbele bringen will, graust es mich gleich doppelt: Soll die Stadt jetzt haufenweise Geld aufbringen, damit Künstler aus der zweiten oder dritten Reihe hin und wieder in Konstanz auftreten? Nichts gegen die zweite oder dritte Reihe - die Frage ist, ob man dafür ich weiß nicht wie viele Millionen ausgeben muss. Da könnte man doch erstmal Geld in die bestehende Kunstszene (incl. ihrer Spielstätten) stecken. Man kann doch nicht auf der einen Seite jedes Jahr den Zuschuss für den Kulturladen diskutieren oder in Frage stellen, fordern dass die endlich auf eigenen Beinen stehen und sich auf der anderen Seite solch eine defizitäre Halle hinstellen. Und man mache sich da keine falschen Hoffnungen - nicht umsonst wird sich wohl kaum ein privater Betreiber finden. Fand sich beim letzten KKH-Anlauf ja nicht mal für das geplante Hotel direkt daneben, soweit ich mich erinnere. Und man schaue sich nur das Programm der Singener Stadthalle an - die wohl auch nicht so super ausgelastet ist... Wahrscheinlich würde man sich sogar noch gegenseitig das Wasser abgraben.

Das andere Grausen betrifft den Ausbau der Tourismusdienstleistungen: Wovon reden diese Leute? Wenn es an einer Sache in Konstanz nicht fehlt, dann sind das "Tourismusdienstleistungen". Die ganze Stadt ist im Sommer eine einzige "Tourismusdienstleistung". Nichts gegen Tourismus - aber es sollte doch mittlerweile jedem auffallen, dass Konstanz zunehmend einseitig auf den Tourismussektor ausgerichtet ist. Zeitweise ist die Stadt nahezu unbewohnbar vor lauter Einkaufs- und Tourbustouristen. Zudem: Man gönnt sich ja jetzt erstmal recht aufwändige Konzilfeierlichkeiten, die die Konstanzer wenig interessieren dürften sondern "Konstanz endlich auf die europäische Landkarte bringen sollen" - wie man in den teils erhitzten Debatten zum Thema manchmal hören konnte. Übersetzung: Noch mehr Touristen nach Konstanz bringen sollen. Hat mal jemand darüber nachgedacht, was passiert, wenn sich die Situation bei den Nachbarn ändert? Sei es, weil die EU aufgrund der Nachverhandlungswünsche der Nachbarn den Stecker zieht oder es in der Schweiz mal nicht mehr so gut läuft? Wir wollen es nicht hoffen - ich wünsche unseren Nachbarn nur das Allerbeste! - aber nur auf die Kaufkraft aus der Schweiz und den Sightseeing-Tourismus zu setzen ist doch wirklich töricht. Tourismus läuft, weshalb die Branche sich ihr Angebot selbst schaffen soll. Nicht nötig, dass da die Stadt auch nur irgendwie mitspielt.

Mann oh Mann. Reichts nicht langsam? Könnnte man in Konstanz nicht mal langsam wieder über Lebensqualität für die Bewohner der Stadt reden, statt über "mehr Tourismusdienstleistungen"?

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