Von den Schweizern lernen...

Ich gebe es zu: manchmal muss ich doch schon lachen, wenn ich die Ergebnisse der staatstragenden schweizer Bürgerautonomie betrachte: Da gibt es so absurde Dinge wie das erst Anfang der 70er eingeführte Frauenwahlrecht, dass wohl in einem Kanton erst 1990 durchgesetzt wurde - ich will hier jetzt garnicht weiter schreiben, was einem noch für Eigenheiten auffallen, wenn man genauer hinschaut. Es genügt wohl zu sagen, dass man auch manchen Schweizer findet, der sich über die Starrköpfigkeit seiner Landsleute trefflich echauffieren kann. Die andere Seite sind aber die vielen Errungenschaften, die dieses Staats- und Bürgerverständnis mit sich bringt: Sei es eine breite Debatte zum Thema Gentechnik, die immerhin zu einem Moratorium für Gentechnik auf schweizer Äckern geführt hat oder - und davon möchte ich hier berichten - Juwelen, wie den Kreuzlinger Seeburgpark.

Der Park feierte im letzten Jahr sein 50 jähriges Bestehen: 1958 wurde das Gelände von der Stadt gekauft und heute ist es einer der schönsten Parks, die ich bisher direkt am Seeufer gesehen habe: Es finden sich große Flächen, auf denen Leute ihren Freizeitaktivitäten nachgehen können: Seiltänzer, Frisbeewerfer, Lustwandler, Sonnenanbeter und Schwimmfreunde finden sich hier bei gutem Wetter zuhauf. Daneben gibt es Wollschweine, Schilfröhricht, Trockenmauern, ein Totholzprojekt, einen Flachwasertümpel, Lebensraum für Fledermäuse und einen Beobachtungs- und Aussichtsturm. Tatsächlich kann man jede Menge Vögel und andere Tiere im Park sehen: Letztens saß ich beispielsweise am Seeufer und schaute den Kolbenenten bei der Balz zu, da schlängelte sich eine kleine Schlange vor mir durch das Gras - ich glaube eine Ringelnatter. Ansonsten kann man Reiherenten, Reiher, Kormorane, Teichhühner und viele weitere Vögel sehen und beobachten. Darunter natürlich auch den von mir besonders geliebten Haubentaucher.

Wenn ich mir überlege, was das Land des Parks wert sein dürfte und was für eine Versuchung für eine Kommune darin verborgen ist... Wahrscheinlich könnnte sich Kreuzlingen auf alle Ewigkeit sanieren und goldene Gullideckel verwenden, wenn man dem Sirenengesang von Investoren nachgeben würde. Doch: Die Kreuzlinger lieben ihren Park und scheinen ihn immer weiter zu entwickeln. Ob das in Deutschland wohl auch so wäre? So ist das eben mit der direkten Demokratie, besonders, wenn sie mit einem starken Föderalismus gekoopelt ist: natürlich können dabei merkwürdige Dinge herauskommen und vielleicht auch Dinge, für die man sich als Inhaber einer Minderheitenmeinung auch schämt (die Sache mit dem Frauenwahlrecht finden manche Schweizer heute noch peinlich), auf der anderen Seite kommen dabei manchmal Entscheidungen heraus, die eben fortschrittlicher, langfristiger kurz: nachhaltiger sind! Ich denke, wir könnten uns da eine Scheibe abschneiden und einiges von den Schweizern lernen.

Natürlich ersetzt so ein Park keine Naturschutzgebiete wie das Wollmatinger Ried, doch ist der Park einfach schön und dient ganz nebenbei noch der Umweltbildung, da informative Tafeln erklären, was und warum hier lebt.

Jedenfalls möchte ich an dieser Stelle allen Kreuzlingern danken, dass sie diesen Park bewahren und zur Verfügung stellen: Großartig! Und bisher scheint niemand ein Konzerthaus dort bauen zu wollen!

Hier ein paar Bilder, die ich im Seeburgpark geschossen habe.

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