Seid doch bitte mal ein bisschen LOHAS

Wenn ich in meinem Bekanntenkreis den Begriff LOHAS ins Spiel bringe, ernte ich meist erst mal Fragezeichen. Dann erkläre ich dass LOHAS Lifestyle Of Health And Sustainability bedeutet und eben einen an Gesundheit und am Prinzip der Nachhaltigkeit orientierten Lebensstil meint. Hier lässt sich dann schon eine prima Brücke schlagen zum Kongress "Umweltgerechtigkeit", den die Deutsche Umwelhilfe am 31. März und 1. April in Frankfurt/Main organisiert. Aber zurück zum Thema...

Ich dachte bislang, dass die LOHAS eher eine kleine feine und leicht egozentrierte Konsum-Elite darstellen. Eine aktuelle und repräsentative Umfrage der ALLIANZ besagt aber nun, dass sich 44% der Deutschen mit den LOHAS identifizieren. 44%? Da stellt sich natürlich die Frage, ab wann bin ich denn ein LOHAS? Reicht einmal die Woche Bio-Milch vom LIDL oder muss ich mindestens täglich im fairen Öko-Hanf-Outfit in der Bahn eine Bionade trinken? Und wie lautete eigentlich die Frage, aus der sich 44% LOHAS-Orientierte ableiten lassen?

Dabei will ich LOHAS als Konsumkonzept gar nicht groß in Frage stellen. Aber wenn das so schnell von der breiten Mitte der Bevölkerung aufgesogen wird (44%!), dann ist das Konzept bald so beliebig und verwaschen wie der Nachhaltigkeitsbegriff an sich.

Mein Fazit: ich glaube ich könnte einer sein, möchte aber gar nicht. Oder anders: Ich möchte NICHT Teil einer Konsumbewegung sein.

Mehr Infos zu LOHAS: www.lohas.de und www.karmakonsum.de

 

 

Kommentare

Völlig richtig, Lohas möchten nicht teil einer neuen Konsumbewegung oder Zielgruppe sein - und gerade deshalb sind sie eben LOHAS. Aber einkaufen müssen sie ja, die Frage lautet dann: Was und Wo? Paradox scheint aber gerade die Ausrichtung, dass mehr Menschen den Nachhaltigkeitsgedanken aufnehmen und leben, und sobald sich eine breitere Schicht damit beginnt zu beschäftigen, stellt man etwas in Frage, was sich erst noch weiter entwickeln muss.
Ist es nicht eine zu grosse Chance, um es einfach nur zu kritisieren, anstatt eine Bewegung Raum zu geben, trotz aller Gefahren?
Natürlich, wenn das auf der Konsumebene hängen bleibt, fehlt tatsächlich eine echte Bewegung mit tieferen Ansätzen. Aber es ist nun mal so, dass wir über Jahrzehnte diesen Konsum über die Wirtschaft massiv betrieben haben, und dort müssen wir ansetzen und weitergehen. Wir bewegen uns alle in diesem System, ob wir wollen oder nicht. Siehe den Ansatz:Green New Deal - Grüne Wirtschaft auf Lohas.de.
Ich denke die Krisen vor uns lassen auch keine andere Richtung zu, selbst wenn wir aus Bequemlichkeit sonst immer den einfachsten Weg gegangen sind. Es geht auch gar nicht um ein Konzept, sondern um einen Wertewandel, der nicht aus den Schaltzentralen der Konsumindustrie kommt, und die Sichtweise ist auch falsch verstanden, dass sich hier etwas schnell verbreitet, nein genau umgekehrt, ein langsamer Wandel im Denken und Bewusstsein in den Menschen zeigte diese Richtung an und hat Wirkung, äussere Krisen-Ereignisse untermauern das. Dass die Menschen sich selbst dabei gar nicht einer Bewegung zuordnen oder Teil einer Marketingstrategie sein wollen, ist wichtig - deshalb ist es schwer messbar und fassbar für unsere verwöhnte Werbeindustrie. Und es funktioniert so auch nicht mehr - klassische Werbung hat ausgedient, Marketing muss mit höherem Aufwand betrieben werden, um überhaupt noch Aufmerksamkeit zu bekommen.
So verstehe ich LOHAS mehr als eine evolutionäre Entwicklung, einen Bewusstseinswandel, der in den Menschen stattfindet und LOHAS die Menschen dort abholt, wie sie gegenwärtig stehen, um ihren Bedürfnis einer ausgewogenen Lebensweise auf allen Ebenen neu zu definieren. Ob wir das LOHAS nennen oder Grüne Wirtschaft, Green Living oder sonstwie, völlig egal.
Das Konzept der LOHAS könnte man auch unter Menschlichkeit kommunizieren, oder der Mensch wird wieder Mittelpunkt aller Ebenen, das impliziert viele Konsequenzen und eine völlige Neuordnung.
Peter Parwan

Vielen Dank, Herr Parwan, für Ihren Diskussionsbeitrag, der meiner bisherigen Vorstellung von LOHAS doch einiges hinzugefügt hat.
Mein Punkt ist, dass ich daran zweifle, dass sich bereits 44 % der Bevölkerung ernsthaft mit einem Konsum- und Bewusstseinswandel beschäftigen UND ihr Denken in entsprechendes Handeln umsetzen.
Klar, so ein gesellschaftlicher Bewusstseins- und Wertewandel braucht viel Zeit. Und gerade deshalb machen mich die 44% aus der ALLIANZ-Umfrage misstrauisch und senden aus meiner Sicht ein falsches Signal: Bald sind wir über den Berg, weil ja schon knapp die Hälfte anders denkt UND handelt. Aber das ist leider nicht so! Oder habe ich die Meldungen über radikale Umsatzeinbußen bei LIDL, ALDI und Co. übersehen?
Es wäre sehr schade, wenn die LOHAS-Bewegung oder auch nur der Begriff LOHAS zu früh im Mainstream baden geht und als grünes Deckmäntelchen für halbherziges Handeln missbraucht wird. Deshalb meine kritischen Töne.

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