Schöne neue Welt!

Normalerweise gehöre ich nicht zu den technikfeindlichen Menschen – ich selbst würde mich zumindest nicht so bezeichnen. Aber den einen oder anderen blinden Fleck gibt es schon: So habe ich mich lange gegen die regelmäßige Verwendung von Handys gewehrt. Nicht wegen irgendwelcher Strahlung und der Befürchtung, dass mein Gehirn „zu sehr erhitzt“ würde. Nein, es war eher der Ansatz der andauernden Verfügbarkeit und das Verhalten, dass ich bei anderen Menschen beobachtet habe: Verabredungen fallen oftmals schwer, weil sich niemand mehr wirklich festlegen will. Alle sind andauernd an der Handyleine und stetig darauf bedacht bloß nichts zu verpassen, immer erreichbar zu sein, falls gerade jetzt an anderer Stelle etwas tolles stattfindet. Sozusagen „Just-in-Time-Produktion“ sozialer Events und Kontakte.

Eine andere Sache, die ich nicht mitgemacht habe, ist der ganze Skype-Boom samt Videotelefonie. Nun wird es aber Zeit, ins neue Jahrtausend zu wechseln: Alles im Sinne der Nachhaltigkeit! Der konkrete Anlass ist das Projekt CHAMP, bei dem wir mit Partnern aus ganz Europa kooperieren. Ein Aspekt des Projektes ist die Reduktion des CO2-Ausstoßes, der sich durch das Projekt ergibt. Konkret bedeutet dies, dass wir versuchen, die gesamte Projektorganisation so zu halten, dass Treffen oder "meetings" nicht mehr in leiblicher Gestalt stattfinden müssen. Ab heute wird alles virtuell! D.h. weniger Reisen durch Europa und mehr technische Gimmicks (insofern schade, da ich wirlich gerne mal nach Finnland reisen würde!) und dadurch hoffentlich eine umwelt- und klimaverträglichere Zusammenarbeit über den Kontinent hinweg. Dazu gehört auch die Einrichtung einer innovativen Webplattform etc. Die Frage ist, wie viel die Technik an CO2-Reduktion bringt. Im konkreten Fall ist das ganz einfach: Videokonferenz oder Flug für ein halbes dutzend Leute? Na, da ist die Videokonferenz natürlich die vernünftige Variante.

Doch die Krux liegt im Gesamtbild: Es scheint, dass erweiterte Möglichkeiten der Kommunikation auch ein höheres Kommunikationsbedürfnis erzeugen. Und auch diese Kommunikation ist ja schließlich nicht zum CO2-Nulltarif zu haben: Unser ganzer Internet-Web 2.0-Handy-Trendy Lebensstil erzeugt nun mittlerweile auch einen nicht unerheblichen Ausstoß an Klimagasen… Die Deutsche Umwelthilfe hat mittlerweile ein Green-IT-Projekt gestartet, das sich mit dem Themenkomplex befasst.

Wie auch immer: jedenfalls steht jetzt als zusätzliche Ausrüstung eine Webcam auf meinem Bildschirm und ein Headset liegt daneben und zumindest Kollege Trötschler ist baff vor Erstaunen und grün vor Neid! Womit wir wieder beim Thema wären: Sein Leben lang ist Kollege Trötschler ohne Headset, Webcam und Skype ausgekommen. Wie lange wird er jetzt noch ohne können?

Wo wir schon beim Thema sind: Hat jemand mal was neues vom papierfreiem Büro behört?

Kommentare

Hi Sven,

bin grad' auf Deinen Blog gestoßen! Na das ist ja was, ein waschechtes Web-2.0-Upgrade ...

Hoffe, es fühlt sich nicht so an wie hier :D

Tech-Support...

Liebe Grüße aus good old L.E.

Jan

 

 

Ein schönes Thema hast Du da angerissen, Sven! Gebe ich gleich meinen Senf dazu..

Für mich ist ganz klar, dass eine Video-Konferenz nicht den persönlichen Kontakt mit einem Geschäftspartner ersetzt. Oder ist jemand schonmal nach einem Meeting mit dem Kollegen aus Übersee ein virtuelles Bier trinken gegangen und hat dabei pikante Details aus dessen Privatleben erfahren dürfen? ;) Nee, natürlich nicht. Möglicherweise ist das aber nicht nur der lustigste Teil eines solchen Treffens, sondern auch der wichtigste. Stichwort Vertrauen. Am Telefon oder über Video bietet niemand das "Du" an. Dass dabei Viren und Bakterien ausgetauscht werden, ist ein Risiko, das zum Leben dazugehört. (Letztens hatte ich mit einer Mexikanerin zu tun, die den weiten Weg ins alte Europa gemacht hat, um ihren Consultern von Angesicht zu Angesicht zu begegnen - daher der Gedanke.)

Videokonferenzen erinnern mich an Science-Fiction-Filme. Man denke an etliche StarTrek-Folgen, in denen der Captain über Video eine Morddrohung verpasst bekommen hat und wenn eine Verhandlung zu brenzlig wurde, hat er einfach den Bildschirm auf Weltall umgestellt und das Feuer eröffnet. Mittelalterlich!

Mein Vorschlag für eine CO2-verträgliche Zusammenarbeit: Weniger und längere Zusammenkünfte, eventuell verbinden mit dem Familienurlaub (das ist jetzt kein Scherz, so fällt auch die Wahl leichter, welches Land dieses Jahr denn dran ist - bei den Wahlmöglichkeiten heutzutage) und keine Inlandsflüge (selbst nach GB kommt man wunderbar mit dem Zug (Eurotunnel)). Noch Fragen?

Viele Grüße an den Bodensee!

P.S.: Ich habe zuhause und im Büro eine Webcam, benutze beide aber nur für alberne Spielchen. Skype ist auch nicht der Brüller, die Verbindung bricht ständig zusammen und man wird zeitweise von männlichen usern mit seltsamen Nicknames angeschrieben, die man nicht kennt und auch nicht kennenlernen möchte...

P.P.S.: Wer hat sich denn dieses Captcha einfallen lassen? Jetzt muss ich nach Feierabend auch noch Kopfrechnen und das zweistellig!

 

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