"Jetzt und in der Stunde unseres Todes..."

Strahlender Sonnenschein und eine der malerischsten Landschaften Deutschlands erwarteten mich, als ich am 25. April im Zuge meines Bestrebens das hiesige Brauchtum besser kennenzulernen, die Insel Reichenau besuchte, um das Markusfest samt Prozession zu sehen. Das war zunächst eine etwas surreale Erfahrung, bei all der Freizeitstimmung die Prozession zu beobachten, deren Teilnehmer das „Gegrüßet seist Du Maria“ beteten.

Die Prozession findet traditionell nach einem Hochamt statt und es wird der Reliquienschrein des heiligen Markus durch das Dorf getragen. Begleitet wird die Prozession von reichenauerisch gekleideten Frauen, der Bürgerwehr und dem Spielmannszug. Die Prozession dauerte insgesamt so ungefähr eine Stunde, im Anschluss fand die feierliche Fahnenübergabe an den Bürgermeister statt. All die Symbole zu entschlüsseln, ist mir unmöglich und es sind auch Symbole, die sich seit über tausend Jahren entwickelt haben: Da sind die christlichen Symbole – allein die Reliquienschreine sind kunsthistorisch wohl schon Monografien wert – vermischt mit den Symbolen der Trachtengruppe und Bürgerwehr. Die Bürgerwehr soll es seit 900 Jahren geben – die Uniformen scheinen aber jüngeren Datum – mit einem ersten bildlichen Nachweis aus der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts. Deshalb – ich gebe es zu – habe ich nicht wirklich allzu viel von der Sache verstanden und werde noch ein wenig nachrecherchieren.

Ich habe übrigens auch einen „echten Reichenauer“ getroffen, der mir aber auch nicht allzu viel erzählen konnte über die Uniformen und Trachten Ich traf ihn zufälligerweise nach der Prozession wieder, als ich meine Radtour fortsetzte und er erzählte mir ein wenig über die alten (und neuen) Zeiten: Wie er mehrere Kilometer jeden Tag zu Fuß zur Schule gehen musste, dass das Problem heute in der Mobilität bestehen würde, dass er in jedem Vertrag das Kleingedruckte lesen würde, dass der Klimawandel Fiktion sei, und vieles mehr.

Faszinierend fand ich, wie hoch der Anteil der Reichenauer ist, die sich offenbar in der Bürgerwehr oder Trachtengruppe engagieren: Es will schon einiges heißen, wenn man als „großes Dorf“ eine Hundertschaft an engagierten Bürgern auf die Beine bekommt. Wer sich die Sache selbst einmal anschauen möchte, hat in diesem Jahr noch am 8. Juni (Heilig-Blut-Fest) und 15. August (Mariä Himmelfahrt) Gelegenheit dazu. Ich empfehle allerdings, sich vielleicht im Vorfeld ein wenig mehr über die Sache zu informieren, als ich es getan habe...

Hier noch ein paar mehr Eindrücke in Bildern.

Kommentare

Kommentar hinzufügen

Der Inhalt dieses Feldes wird nicht öffentlich zugänglich angezeigt.
CAPTCHA
Diese Frage dient dazu festzustellen, ob Sie ein Mensch sind und um automatisierte SPAM-Beiträge zu verhindern.
Fill in the blank