Billige Milch - wer zahlt für die kleinen Preise?

Mittwoch, 6. April | 20.15 Uhr im SWR Fernsehen Ein Film von Christoph Würzburger. Um sechs Uhr morgens macht Doris Buhl die Tür zur Melkkammer auf, ihre 50 Kühe warten schon. Jeden Tag im Jahr der gleiche Rhythmus. Zusammen mit ihrem Mann Peter bewirtschaftet sie das Hofgut Homboll hoch über Weiterdingen im schönen Hegau. Ganz idyllisch auf einem Sattel am Fuß eines alten Vulkanstumpfes liegt ihr „Arbeitsparadies" wie sie sagt - bei gutem Wetter sieht man den Bodensee. Ihr ganzes Leben ist die gelernte Hauswirtschaftsmeisterin schon Milchbäuerin. Doris Buhl kennt und liebt ihre Tiere, ihren Bauernhof, die Natur. Doch Doris Buhl hat große Sorgen: Die Einnahmen aus dem Milchbetrieb reichen hinten und vorne nicht mehr. Sie weiß nicht, wie es weitergehen soll.
Denn der Milchpreis ist im freien Fall. Seit Anfang 2015 zeigt das Preisbarometer für Milch stetig nach unten. Seit April letzten Jahres verschärft sich die Situation. Da wurde die sogenannte Milchquote abgeschafft. Eine Mengenbeschränkung, die 31 Jahre lang die Milchmenge in der EU beschränkt hat. Doch jetzt ertrinkt der Markt in Milch. Heute leben 4 Millionen Milchkühe in Deutschland. Eine Kuh erzeugt im Durchschnitt 8.000 Liter Milch im Jahr. 1950 war es noch die Hälfte. Entsprechend niedrig ist der Preis, was die Bauern reihenweise in die Pleite zwingt: 3.000 Milchbauern geben jedes Jahr auf. Allein in den letzten 16 Jahren hat sich die Zahl der aktiven Milchbauern halbiert!
Die Politik hat sich verabschiedet, lässt die Bauern im Stich, schimpft Doris Buhl. Sie und ihre Kollegen im ganzen Land schlagen Alarm: Bei jeder Konferenz der Agrarminister stören sie mit ihren Treckern, selbst nach Brüssel fahren sie zu tausenden und lassen ihre Wut raus. Sie wollen keinen ruinösen Weltmarkt, sie wollen endlich Leitplanken für einen funktionierenden Markt. Das Sterben der Milchviehbetriebe beschäftigt längst die Öffentlichkeit. Denn Dörfer und Landschaften verändern ihren Charakter, wenn Wiesen verschwinden.
Warum nur ist Milch immerzu billig, fragt sich Doris Buhl. Sind die Molkereien schuld, die ihr das Letzte abpressen? Oder der Lebensmittelhandel, der auf dem Rücken der Bauern seine Preiskämpfe austrägt? Angebot und Nachfrage bestimmen den Preis, heißt es. Aber was heißt das konkret? Eine Milch-Börse gibt es nicht, wer also macht den Preis, wo entsteht er? Und: Wer zahlt letztendlich für die billige Milch?
Betrifft-Autor Christoph Würzburger geht dieser Frage nach. Er unternimmt eine Reise in die große weiße Welt der Milch. Er schaut in Ställe und hinter verschlossene Türen von Molkereien, recherchiert bei Behörden und Wissenschaftlern. Exklusiv begleitet er einen Milcheinkäufer hautnah bei einer knallharten Preisverhandlung. Der Film begleitet die Milchbäuerin Doris Buhl und zwei weitere Milchbauern im Südwesten durch das Milchjahr 2015 - bei ihrem Kampf gegen den schleichenden Niedergang ihrer Zunft.
Weitere Sendetermine:
Do, 7.4.2016 | 3.55 Uhr | SWR Fernsehen
Mi, 13.4.2016 | 11.45 Uhr | EinsPlus
Do, 14.4.2016 | 8.45 Uhr | EinsPlus