„Jonathan“ und viele Sorten mehr in der Schätzlesruh gepflanzt

Bürger und Naturschutzorganisationen pflanzen alte Streuobstsorten in der Fried­richshafener Schätzlesruh. Netzwerk Blühender Bodensee unterstützt den Erhalt der alten Streuobstareale für eine arten- und blütenreiche Bodenseelandschaft.

Zahlreiche Bürgerinnen und Bürger sowie lokale und regionale Naturschutzgruppen enga­gierten sich bei der Baumpflanzaktion am vergangenen Samstag in der Friedrichshafener Schätzlesruh tatkräftig. Knapp 50 junge Streuobstbäume sind damit an zwei Tagen von den Baumpatinnen und Baumpaten gepflanzt worden. Organisiert wurde die Aktion von der Familie Wolpold, die einen Teil der Flächen seit vielen Jahren ökologisch bewirtschaftet und der Bürgerinitiative „Schützt die Schätzlesruh“.

Auch die Bodensee-Stiftung hat im Rahmen ihres Netz­werks Blühender Bodensee eine Baumpatenschaft übernommen. „Wir haben uns für die Sorte „Jonathan“ entschieden und leisten damit unseren kleinen Beitrag für den Erhalt der Schätzlesruh, einer der größten und ökologisch wertvollsten Streuobstflächen im Stadtgebiet von Friedrichshafen. Gut gepflegte Streuobstwiesen wie die Schätzlesruh gehören zu den Hot-Spots der biologischen Vielfalt und bieten neben vielen Vögeln und Kleinsäugern auch zahlreichen Wildbienen und Schmetterlingen Nahrungs- und Lebensraum“, so Patrick Trötschler von der Bodensee-Stiftung, der den Baum wie alle anderen Patinnen und Paten eigenhändig pflanzte.

Zu den neu gepflanzten Apfel- und Birnensorten gehören so klangvolle Namen wie Pilot, Berlepsch, Prima, Brettacher, Französische Goldrenette, Williams (gelb & rot), Pastoren­birne, Walters Spätlese, Conference sowie verschiedene Steinobstbäume. Zu den bisherigen 40 traditionellen Obstorten der Wiese, darunter Boskop, Rheinischer Bonapfel, Glockenapfel, Österreichische Weinbirne, Schweizer Wasserbirne, kommen mit der Pflanzaktion zusätzlich 25 weitere Sorten dazu.

Die Baumpatinnen und Baumpaten setzen damit ein Zeichen für ihre Unterstützung der Schätzlesruh, für die Erhaltung der Artenvielfalt, der Bodenseelandschaft, der bäuerlichen, ökologischen Landwirtschaft. Schließlich wurden die Bäume dort gepflanzt, wo es Pläne für eine groß angelegte Landversiegelung gibt. Der Gemeinderat hatte im vergangenen März ein Verfahren zu einem Bebauungsplan „Oberhof III“ auf den Weg gebracht, das seither erhebliche Unruhe und Kritik aus der Bevölkerung ausgelöst hat. Über 3500 Unterschriften sind dazu inzwischen gesammelt worden.

von links nach rechts: Bio-Landwirt Ekkehard Wolpold, Patrick Trötschler (Bodensee-Stiftung, Netzwerk Blühender Bodensee), Gisela Roleder (Bürgerinitiative „Schützt die Schätzlesruh“)

 

Weitere Informationen

Die Bürgerinitiative „Schützt die Schätzlesruh“

Die Initiative "Schützt die Schätzlesruh" setzt sich für die folgenden Ziele ein:

  • für die Bewahrung des fruchtbaren Landes,
  • für den Erhalt der Bodenseelandschaft,
  • für die Zukunft der stadtnahen, bäuerlichen Landwirtschaft,
  • für die Förderung und den Schutz von Streuobstwiesen und Artenvielfalt,
  • für einen nachhaltigen und verantwortlichen Umgang der öffentlichen Hand mit öffentlichem Land.

Der Plan, die Schätzlesruh mit einem Bebauungsplan "Oberhof III" zu überbauen, ist nicht neu. Bereits 1993 wurde ein Verfahren auf den Weg gebracht, 1994 ein Aufstellungs­beschluss gefasst. Dank erheblichen Widerstands aus der Bevölkerung wurde das Vorhaben dann wieder fallen gelassen. Nun gibt es einen neuen Plan. Am 11. März 2014 befasste sich der Technische Ausschuss des Gemeinderates mit dem Thema und beschloss nach kontro­verser Debatte, die Entwicklung eines Konzepts für einen Bebauungsplan "Oberhof III" auf den Weg zu bringen.

Die Befassung des Gemeinderates mit dem Thema war für den 31. März geplant. Der Ab­schluss des Konzeptes für den Bebauungsplan war für Ende Juli geplant. Nach den öffent­lichen Debatten seit März scheint Schätzlesruh ein Thema zu sein, das nun dem neuen Gemeinderat überlassen wird.

 

Netzwerk Blühender Bodensee

Das „Netzwerk Blühender Bodensee“ ist ein Projekt der Bodensee-Stiftung. Angesichts star­ker Rückgänge bei den heimischen Wildbienenarten und hoher Bienenverluste in den letzten Jahren wird deutlich, dass die Landschaft aus dem Gleichgewicht geraten ist. Mittler­weile zählt das Netzwerk Blühender Bodensee mit seinen 45 Mitglieder (Landkreise, Städte und Gemeinden, Landwirte, Erzeugergemeinschaften und Regionalmarken, Imker, Unter­nehmen und Naturschutzgruppen) zu den größten und aktivsten Regionalinitiativen seiner Art im deutschsprachigen Raum. Insektenfreundliche Maßnahmen auf über 230 Hektar sind eine positive Zwischenbilanz nach fünf Jahren. Gefördert wird das Netzwerk Blühender Bo­densee vom Landkreis Bodenseekreis. www.bluehender-bodensee.net

 

 

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PI Pflanzaktion Schätzlesruh 2014.pdf334.95 KB
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